Tech Trends 2018: Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Mobilitätstrends: elektrisch, autonom, sicher? 

Intelligenter Service: Drohnen und autonome Fahrzeuge übernehmen Logistikdienstleistungen

Intelligenter Service: Drohnen und autonome Fahrzeuge übernehmen Logistikdienstleistungen (Foto: Getty Images/Chesky_W)

Liefern bald nur noch Drohnen und Roboter Pakete und Briefe aus?

Erste Lieferungen per Drohne gibt es seit 2016. Logistikriesen wie UPS, Amazon und DHL testen längst eigene Drohnen­flotten. Was noch fehlt: rechtliche Grundlagen und technische Normen. Er- wartet wird, dass die Luft- fahrtbehörden ab 2019 die Rahmenbedingungen für die kommer­zielle Nutzung schaffen. Neben Sicherheitsaspekten geht es dabei auch um die Einführung von Drohnenflugbahnen analog zur klassischen Luftfahrt. Dann dürfte es künftig voll am Himmel werden.



Was bedeutet E-Mobility für den Nahverkehr?

Es gibt viele innovative Ansätze in diesem Bereich. Revolutionär dürften fliegende Taxis sein – je nach Konzept ein Mix aus Quadro-, Helikopter und Minijet. Viele Unternehmen tüfteln seit Jahren an Ideen. Das Start-up Volocopter (siehe Foto Seite 16) etwa absolvierte schon Testflüge in Dubai. Und die Taxi-Revoluzzer von Uber kündigten jüngst an, bis 2023 ein serien- reifes Modell auf den Markt zu bringen. Auch Flugzeughersteller wie Airbus setzen auf die Ent- wicklung. Prognose: The sky is the limit.



Wann kommt der Tag, an dem Autos keine Lenkräder mehr haben und keinen Fahrer mehr am Steuer benötigen?

Die Entwicklung ist rasant. Gleichwohl sind noch unzählige technologische und auch ethische Fragestellungen zu lösen. Wahrscheinlich ist, dass in den nächsten fünf Jahren immer intelligentere Assistenzsysteme den Fahrer unterstützen. In zehn bis 20 Jahren sollen die Menschen dann auf auto­nomen Autobahnstraßen etwa lesen oder arbeiten können und nur noch auf Nebenstraßen aktiv fahren. Ein komplett automatisierter Verkehr wird in 20 bis 30 Jahren erwartet. Dann gehören lenkradlose Autos und selbstfahrende Busse zum Stadtbild.



E-Mobility ist ja schön und gut, aber wie soll der enorme Energiebedarf gedeckt werden?

Elektroautos, Drohnen & Co. benötigen viel Energie – und die sollte idealerweise aus regenerativen Quellen kommen. Für Elektroautos sehen neben dem flächendeckenden Ausbau von Ladesäulen diverse Konzepte auch den Bau von Solar-Highways vor. Dabei wird die Fahrbahn per Photovoltaik zur Energiegewinnung genutzt. In China (siehe Foto) und in den USA wird die Technologie schon auf Teststrecken erprobt, die sowohl Strom erzeugen als auch im wahrsten Sinne des Wortes als Datenautobahn genutzt werden können. Darüber hinaus sollen Drohnen zur Energiegewinnung beitragen. Sie können in große Höhen fliegen und die dort vorherrschenden extre- men Winde als Quelle anzapfen. Die Ideen sehen quasi den Bau fliegender Turbinen vor, die deutlich mehr Energie gewinnen können als stationäre Turbinen.

Sonnenstraße: In China werden Straßen mit Photovoltaikanalagen getestet

Sonnenstraße: In China werden Straßen mit Photovoltaikanalagen getestet (Foto: dpa/Luo Bo/Imaginechina)



Auf Nummer sicher Welchen Einfluss haben mobile Technologien auf die Verkehrssicherheit?

Experten erwarten deutlich sinkende Unfallzahlen. So schützen im vollautomatisierten Straßenverkehr der Zukunft Kameras, Hightech-Sensoren und KI-gesteuerte Assistenten die Insassen vor Schäden. Durch fortschreitende Vernetzung und Car2Car-Kommunika­tion werden Kollisionen vermieden, und der Verkehr wird so gesteuert, dass Stop-and-go-, Auffahrunfälle und schlimmere Crashs absehbar der Vergangenheit angehören werden.



Fährt bald alles elektrisch?

Der „Tech Trends Report“ nennt 2018 das Jahr des Elektrofahrzeugs und bezieht sich auf viele Modelle und Prototypen, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Die Autokonzerne haben angekündigt, den Absatz von E-Autos in den nächsten Jahren massiv zu pushen. Das bezieht auch den Lkw- und den öffentlichen Nahverkehr mit Bussen ein. Unternehmen wie StreetScooter zum Beispiel bringen innovative Trans- port- und Logistiklösungen auf die Straße. Grundlage für den langfristigen Erfolg des E-Antriebs: der schnelle Ausbau der Lade-Infrastruktur, leistungsstärkere Batterien mit mehr Reichweite, Strom aus regenerativen Quellen sowie internationale Standards und Rechtsgrundlagen – etwa für autonomes Fahren wie in Frankreich. Dort will der Staat ab 2020 autonome Autos zulassen. Die Klima- und Elektri­zitätsfragen, so der „Tech Trends Report“, werden spätestens in 20 bis 30 Jahren komplett gelöst sein. 



Alle reden von E-Autos und Drohnen. Welchem Wandel unterliegt die Seefahrt?

Für die Schifffahrt gilt im Grunde das Gleiche wie für den Straßen- und Flugverkehr. Reeder und Logistikunternehmen setzen den Kurs in Richtung Elektrifizierung und Automatisierung. Als eines der ersten voll automatisierten Containerschiffe soll die „Yara Birkeland“ voraussichtlich im nächsten Jahr in See stechen. Mit lernenden Maschinen und IT-gestützt, sollen Ozeanriesen wie die „Birkeland“ künftig von Kapitän Computer in den nächsten Hafen gesteuert werden. Letzterer ist ebenfalls autark, lotst Schiffe an den Kai und löscht die Waren mit automatisierten Logistiksystemen. Intelligent wird auch der Einsatz autonomer Unterwasserfahrzeuge. Wurden solche Vehikel bisher primär für militärische Zwecke konzipiert, entwickeln Forscher etwa am Massachusetts Institute of Technology neue Unterwasserdrohnen. Ob Offshore-Industrie, Umweltüberwachung, Schiffbau oder Seenotrettung – neue Technologien eröffnen immer mehr Einsatzmöglichkeiten für die cleveren Taucher.

Captain KI: Die „Yara Birkeland“ soll schon bald autonom und emissionsfrei die Meere durchkreuzen

Captain KI: Die „Yara Birkeland“ soll schon bald autonom und emissionsfrei die Meere durchkreuzen (Foto: PR)



Teil 1: Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch

Teil 2: Mobilitätstrends: elektrisch, autonom, sicher?

Teil 3: NRW will Modellregion für E-Mobilität werden

Teil 4: Interview mit Achim Kampker von StreetScooter

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