Hamburg, 30.06.2017

Smarter Partner

Autonome Autos, digitale Assistenten, Roboterchirurgen – Künstliche Intelligenz (KI) wird im Geschäfts- und Berufsleben immer spürbarer. Was kann KI heute schon? Was wird sie künftig verändern? Es gibt viele Szenarien, nicht nur aus dem Silicon Valley.

Kollege KI: Schon heute helfen smarte Maschinen den Menschen (Bild: fotolia/Tatiana Shepeleva)

„KI ist ein Game-Changer. Für uns Forscher ist das gerade ein bisschen wie Wild Wild West“, sagt Damian Borth. Er leitet das Competence Center Deep Learning am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das unter anderem Unternehmen zu KI-Systemen berät. „KI steigert die Produktivität der Welt, wie die Erfindung der Dampfmaschine“, prognostiziert Keith Krach, Chairman von DocuSign. Was lange nur in Science-Fiction-Filmen möglich war, scheint nun zum Greifen nah – Künstliche Intelligenz ist zum Schlagwort für die nächste technische Revolution avanciert. Computer erkennen plötzlich Bilder, sprechen mit uns und steuern Autos. Die großen Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley überschlagen sich mit intelligenten Produkten und Apps. Laut einer Umfrage des IT-Dienstleisters Infosys gehen drei von vier internationalen Entscheidern davon aus, dass KI für den geschäftlichen Erfolg ihres Unternehmens eine fundamentale Rolle spielen wird.

Zum Hype gehören auch Kritiker. Der Philosoph Nick Bostrom warnte 2016 vor den smarten Maschinen: „Wir sind wie Kinder, die mit einer Bombe spielen.“ Tesla-Gründer Elon Musk und Wissenschaftslegende Stephen Hawking forderten bereits 2015, dass die neuen Technologien der Gesellschaft als Ganzes zugutekommen müssten. Stefan Wess beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit KI und bleibt gelassen. „Ich sehe das Thema eher ingenieurmäßig“, sagt der CEO des Softwareanbieters Empolis Information Management. KI-Konzepte werden schon lange verwendet, zum Beispiel in der Programmiersprache Java oder im Virenscanner.

DIE LERNENDE MASCHINE

Auch DFKI-Forscher Borth hält nichts von Übertreibungen. Zwecks Marketing würden Begriffe wie „superintelligence“ oder „superhuman performance“ benutzt. „Das selbstfahrende Auto erkennt zwar Straßenschilder besser als wir Menschen, ist aber noch keine Superintelligenz à la Hollywood. Davon sind wir noch sehr weit entfernt“, erklärt er. Der aktuelle Hype gilt dem maschinellen Lernen, speziell dem Deep Learning, einem kleinen Teilbereich der KI-Forschung. Ziel ist es, die Fähigkeiten des menschlichen Gehirns durch sogenannte künstliche neuronale Netze zu simulieren. Diese Netze lernen durch Beobachten und Ausprobieren, wie ein Kind. Ursprünglich hatten sie drei Schichten. 2012 gewann das Netzwerk AlexNet mit acht Schichten den Bilderkennungswettbewerb Image Net Challenge, ein Meilenstein in der Entwicklung von Deep Learning. Heute gibt es Netze mit hunderten oder tausenden Schichten. Je vielschichtiger ein neuronales Netz, desto mehr Daten und Rechenleistung braucht es zum Trainieren, und desto besser wird es, zum Beispiel in Bild- und Spracherkennung.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen schwacher und starker KI. Die schwache oder ingenieurtechnische KI, erklärt Deep-Learning-Experte Borth, ist das, was wir heute schon in verschiedenen Anwendungen sehen: eine komplexe Maschine, die intelligent aussieht, aber im Grunde nur Daten nach vorgegebenen Regeln verarbeitet. Diese Maschine mit Inselbegabung wandelt dann gesprochene Sprache in Text um oder dirigiert das Auto in die Parklücke. „Aber diese KI hat kein Bewusstsein“, sagt Wess. Und trotzdem verändert die schwache KI schon einiges im Alltag.

SMARTE KOLLEGEN

Mit dieser Technologie weitet sich die Automatisierung auch auf geistige Tätigkeiten aus. Die smarte Software kann Datenbanken effizienter durchsuchen und so das Wissen eines Unternehmens nutzbar machen. IBM unterstützt viele Unternehmen dabei. Inhi Cho Suh, Managerin der Abteilung Collaboration Solutions im Watson-Programm des Global Players, erklärt die KI-Philosophie ihres Unternehmens: „Wir verstehen die neuen Technologien als erweiterte Intelligenz und nicht als allumfassende Künstliche Intelligenz.“ IBM designe Watson so, dass die menschlichen Fähigkeiten wie Verstehen, Lernen und Interagieren mit Maschinen beziehungsweise Software ergänzt und nicht ersetzt werden. Watson hält die Details des Steuerrechts für den Steuerberater bereit und unterstützt den Versicherungsvertreter bei der Kundenberatung. In Anwaltskanzleien filtert sogenannte Lawtech in wenigen Minuten relevante Daten für juristische Fälle aus großen Aktenmassen. Intelligente Sprachsoftware unterstützt den Personaler bei der Bewerberauswahl. Ein Roboterberater generiert aus den gesammelten Kundendaten Anlage- und Spartipps. Der menschliche Bankberater moderiert dann zwischen Kunde und Maschine.

Autonom und sicher: KI soll im Verkehr für weniger Unfälle sorgen (Bild: fotolia/Tatiana Shepeleva)

DAS INTELLIGENTE AUTO

Autonomes Fahren wird zum Sinnbild für KI. Schon heute unterstützen viele intelligente Systeme wie Einparkassistenten, Abstandsmesser oder Navigationssysteme den Fahrer. Bei der Entwicklung selbstfahrender Autos kämpfen die großen Tech-Firmen aus den USA um die Poleposition. Das Auto der Google-Mutter Alphabet scheint zurzeit die Nase vorn zu haben. „Für mich ist das Rennen um das selbstfahrende Auto aber noch längst nicht gelaufen“, erklärt KI-Unternehmer Wess.

Und KI übernimmt in Zukunft nicht nur das Steuer. Für Daimler soll das Auto bald mehr sein als ein Fortbewegungsmittel. Unter dem Stichwort Mobile Health soll es zum erweiterten Wearable werden. Die Continental-Tochter Elektrobit testet ein Feedback-as-a-Service-System, mit dem der Fahrer Probleme direkt meldet, sodass Hersteller oder Werkstattpersonal schneller und gezielter reagieren können. „Das intelligente Auto stellt sich auf seinen Besitzer als Konsumenten ein“, erklärt Start-up-Unternehmer Noah Schwartz, der seine Künstliche Intelligenz auch an selbstfahrenden Autos testet.

Teil 1: Smarter Partner

Teil 2: Auf dem Weg zum KI-TÜV

Das interessiert andere Leser

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!
    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • Darf's etwas teurer sein?

    Professionelles Pricing, Omnichannel im Vertrieb, Customization: Dr. Georg Tacke, CEO der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners über Vertriebs- und Marketingtrends 2018.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Versiegt der Kreditfluss der Banken, bedienen sich Mittelständler alternativer Quellen.
    Die Basis verbreitern

    Versiegt der Kreditfluss der Banken, bedienen sich Mittelständler alternativer Quellen. Wie sich Private Equity engagiert und eignet.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.