Reite die Welle

Alles, was das Surferherz begehrt

Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Die Skizze einer Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

Star-Wellenreiter Robby Naish setzt auch als Geschäftsmann Trends

Kurve gekriegt: Star-Wellenreiter Robby Naish setzt auch als Geschäftsmann Trends (Foto: Franck Berthuot/Red Bull Content Pool)

Am Anfang war das Wasser. Salzig. Kalt. Und die Wellen. Hoch und wuchtig donnerten sie an den Strand von Kailua. Der achtjährige Robert Staunton Naish mit seinem Board mittendrin. Der Rest ist gewissermaßen Geschichte. Sportgeschichte und eben auch Wirtschaftsgeschichte. Beide beginnen in jenem Jahr 1971, als Naish seine Liebe zum Wasser ­entdeckt. Und seine Fähigkeit, mit allen Unterströmungen klarzukommen und die Balance zu halten. Wenige Jahre später war er bereits Weltmeister im Windsurfen. Mit 13 Jahren. In einem Alter also, in dem Fußballer sich in den Niederungen der C-Jugend tummeln. Die Konkurrenz staunte. „Er war einen Kopf kleiner als wir und musste seine Arme über den Kopf strecken, um das Segel zu halten. Das war schon außer­gewöhnlich“, erinnert sich Vize-Weltmeister Hermann Kreitmeir. Und Naish selbst? „Ich war auf Hawaii der einzige Junge mit einem Windsurfbrett. Die anderen dachten nur ans Wellenreiten.“ Naish formuliert übrigens in fließendem Deutsch.

Die großen Wellen abreiten

Seitdem wurden seine Wellen immer größer, ebenso sein Ruf. Mitte der 1980er-Jahre war der zurückhaltende Naish so etwas wie der erste Superstar in Sachen Salzwasser. Windsurfen fuhr auf der Welle der Popularität ganz vorn mit – mutige Männer in Monster­wellen. Irgendwann aber ebbte die Faszination ab. Und Naish tat das, was er augenscheinlich bestens kann: Er spürte, wie sich etwas verschob, und reagierte. Kiteboarden war „the next big thing“. Eine Art Snowboard, das von einem Lenkdrachen gezogen wird. Naish stieg um. Erfolgreich, klar: 1998 wurde er Weltmeister in der Disziplin Slalom, im Jahr darauf im Slalom und im Sprungwettbewerb. 2001 brachte er es auf über 70 Stundenkilometer und stellte damit einen Geschwindigkeitsrekord auf.

Es folgte Stand-up-Paddling, dann „Foils“. Dabei wird eine Art kleiner Flugzeugflügel unter Surfboards geschraubt, was sie in so etwas wie ein schnelles Tragflächenboot verwandelt. Welle auf Welle, Trend auf Trend. Naish beherrschte sie und tut es noch immer. Als aktiver Sportler, aber inzwischen auch als Unternehmer. Denn irgendwann wurde Naish auch Geschäftsmann. 1979 gründete er Naish Hawaii Ltd. Verkauft wird, wie könnte es anders sein, alles, was das Surferherz begehrt. Vom Board bis zur Basecap. Inzwischen segelt das Unternehmen unter der Flagge Nalu Kai Incorporated. Und es erzielt im Jahr nach Schätzungen mehr als 30 Millionen Dollar Umsatz. Mit dabei noch immer Naish und seine mehr als 20 Weltmeistertitel. Mehr Testimonial geht nicht. Ins Portfolio von Nalu kommt, was der Altmeister ent­wickelt, ausprobiert und für gut befunden hat.

Teil 1: Alles, was das Surferherz begehrt

Teil 2: Wellenreiten statt Internetsurfen

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