Ahoi, Talente

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Im „War for Talent“ sind es heute vor allem die Unternehmen, die überzeugen müssen. Kennen Personaler die Bedürfnisse der Generation Y, sind sie der Konkurrenz damit einen Schritt voraus.

Um neue ­Mitarbeiter überhaupt an Bord zu bekommen, müssen sich Firmen mehr denn je bemühen

Onboarding: Um neue ­Mitarbeiter überhaupt an Bord zu bekommen, müssen sich Firmen mehr denn je bemühen (Foto: Fire Dept./Anika Dallmer )

Wir schreiben das Jahr 1650. Personal für Kriegs- und Handelsschiffe in Europa und Nordamerika wird händeringend gesucht. Schnelle Hilfe versprechen die sogenannten Presskommandos: Nachts durchforsten sie die Hafenstädte nach jungen Männern, um sie für die Arbeit an Bord zu „rekrutieren“. Knüppel kommen dabei gerne zum Einsatz. Aber besonders beliebt: die Auserwählten so lange mit Alkohol abzufüllen, bis sie – mehr oder weniger – freiwillig mit an Bord kommen.

Schanghaien hieß diese Methode – eine sehr hinterhältige Form des Rekrutierens, entstanden im Krieg. Heute sähe das etwa so aus: Verzweifelte Personaler ziehen los, fangen Vertriebsmitarbeiter der Konkurrenz ab, verschleppen sie ins Büro und machen sie mit allen Mittel gefügig, damit sie für ihr Unternehmen arbeiten. So wird der „War for Talent“ aber nicht enden.

Der Kampf um den besten Nachwuchs hat zwar erst begonnen, nimmt in einigen Branchen aber bereits dramatische Züge an. Ursachen sind die Globalisierung und der demografische Wandel – der Wettbewerb unter den Unternehmen wird stetig größer, Talente sind rar. In der Folge, so zeigt eine Studie der Online-Jobbörse StepStone, hat die Mehrheit der hiesigen Personalverantwortlichen große Schwierigkeiten, geeignete (75 Prozent) respektive genügend (61 Prozent) Kandidaten für ihre Vakanzen zu finden.

Heikel ist es besonders im MINT-Bereich, also Stellen mit Bezug auf Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik. In diesem Segment war fast eine halbe Million Stellen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres unbesetzt. Das geht aus dem „MINT-Frühjahrsreport 2018“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor. Zum Vergleich: Branchenübergreifend gibt es laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung derzeit fast 1,2 Millionen offene Stellen.

Benefits, Benefits, Benefits

Während Bewerber bei offenen Stellen nun die Qual der Wahl haben, verzweifeln Unternehmen mitunter an der Personalsuche. Statt wie bisher abzuwarten, dass Bewerbungen automatisch ins Haus flattern, müssen sie selbst aktiv werden. Dass sich derzeit zwei ganz unterschiedliche Generationen auf dem Arbeitsmarkt tummeln, macht es nicht leichter. Da sind zum einen die Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg. In ihrem Berufsalltag streben sie nach Sicherheit und einem üppigen Gehalt. Auf dem Arbeitsmarkt treffen sie auf die Millennials. Für diese Generation Y gehört die Digitalisierung seit dem Kindergarten zum Alltag.



Recruiting-Buzzwords

Die Suche nach qualifizierten Nachwuchskräften gestaltet sich immer schwieriger. Wer dabei erfolgreich sein will, muss wissen, wovon er spricht.

War for Talent: Der Begriff wurde 1997 von Steven Hankins im Rahmen einer McKinsey-Studie geprägt. Er umschreibt den zunehmenden Kampf der Unternehmen um die hoch qualifizierten Absolven­ten der Universitäten. Gründe: demografischer Wandel, ein höherer Stellenwert von hoch qualifizierten Mitarbeitern und die Globalisierung.

High Potentials: Angestellte mit viel Potenzial, wirklich gut im Job zu sein. Es handelt sich meist um Nachwuchsführungskräfte mit hohem Abschluss (Master oder Diplom). Sie zeichnen sich durch eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft, interdisziplinäre Denke und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung aus.

Employer Branding: Bemühungen von Unternehmen, möglichst attraktiv für potenzielle Arbeitnehmer zu sein.

Corporate Social Responsibility: Unternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften. Dazu gehören etwa Mitarbeiterzufriedenheit, Energie­effizienz, ökologische(s) Handeln und Produktion und Corporate Citizienship im Sinne von gesellschaftlichem Engagement, um kulturelle Vielfalt zu fördern.

Talent-Pool: Digitale Datenbank für die Speicherung von Bewerbern.



Teil 1: Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Teil 2: Millennials wollen Mitarbeiter-Benefits

Teil 3: Über Culture Fit Mitarbeiter binden?

Teil 4: Die Generation Y steht auf E-Recruiting

Teil 5: „Potenziale entdecken“

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