Ahoi, Talente

Über Culture Fit Mitarbeiter binden?

Culture Fit: Millennials, die sich nicht zum Unternehmen zugehörig fühlen, verlassen es schnell wieder

Culture Fit: Millennials, die sich nicht zum Unternehmen zugehörig fühlen, verlassen es schnell wieder (Foto: Fire Dept./Anika Dallmer)

Lange binden wollen sich Talente erst recht nicht. „86 Prozent der Fachkräfte können sich nicht vorstellen, in den nächsten fünf Jahren noch im gleichen Unternehmen tätig zu sein“, sagt Hermann. Das hängt auch mit einem mangelnden Culture Fit zusammen. Gemeint sind damit Werte, die Mitarbeiter und Unternehmen idealerweise miteinander teilen. Für die Talente steht das ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Denn Arbeit ist für sie nicht nur einfach ein Nine-to-five-Job. Sie wollen sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und suchen im Berufsalltag Selbstverwirklichung

Wichtige Voraussetzung: flache Hierarchien. „Die Werte müssen aus dem Unternehmen kommen und dürfen nicht von oben diktiert werden“, erklärt Eva Nöll, Vice President Human Resources beim Online-Optiker Mister Spex. Schließlich seien es die Mitarbeiter, die den Culture Fit prägen. Aufzwingen funktioniert also nicht. Umso wichtiger ist es deshalb, ein transparentes Wertesystem zu schaffen. Über die Soft Skills des Bewerbers sind Übereinstimmungen so schneller prüfbar. Passt das schon nicht, kann es langfristig nicht funktionieren, ist sich Nöll sicher.

Neue Werte und eine größere Vielfalt

Dieser Wertewandel der Generation Y ist bereits im Bewerbungsgespräch spürbar, betont Doris Albiez, Deutschland-Chefin des Technologiekonzerns Dell EMC. „Junge Leute fragen ganz klar: Wie fördert ihr Diversität? Wie steht ihr zur Flüchtlingsfrage? Was tut ihr für die Umwelt?“ Themen wie Nachhaltigkeit und soziales Engagement – das sind nach Albiez’ Erfahrung die Dinge, die Millennials interessieren. Personalchefs müssen auf diese Fragen gefasst sein. Dell etwa verwendet im Rahmen eines Recyclingprogramms Plastikmüll aus dem Meer für seine Geräteverpackungen.

Roderick Flavell wiederum, der CEO des IT-Dienstleisters FDM Group, setzt in Sachen Corporate Social Responsibility vor allem auf Diversität: „Eine vielfältige und integrative Belegschaft ist in der heutigen globalen Wirtschaft ein echter Werttreiber“ (siehe Interview Seite 36). Daher beschäftigt die FDM Group Mitarbeiter aus 75 Nationen; etwa 50 Prozent des Managementteams seien Frauen. Er nimmt dabei die Potenziale der neuen Generation sehr ernst: „Junge Leute wollen etwas für die Gesellschaft tun, und Unternehmen sind verpflichtet, sie dabei zu unter­stützen“, betont Flavell.

 

Teil 1: Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Teil 2: Millennials wollen Mitarbeiter-Benefits

Teil 3: Über Culture Fit Mitarbeiter binden?

Teil 4: Die Generation Y steht auf E-Recruiting

Teil 5: „Potenziale entdecken“

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