Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Neue Wege gehen

Viele Mittelständler nutzen nicht alle Chancen der Digitalisierung. Oft steht nur die Produktion im Fokus.

Viele deutsche Mittelständler haben die Chancen der Digitalisierung erkannt. Dennoch scheuen sie häufig davor zurück, die Chancen der Industrie 4.0 offensiv zu nutzen. Dafür gibt es zwei Gründe: Intelligente Produktionsprozesse und die Vernetzung von Maschinen erscheinen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen als zu teuer und oder den Unternehmen mangelt es an ausgebildetem Personal. Dies geht aus einer neuen Studie des Beratungsunternehmens EY hervor, für die 550 überwiegend mitttelständische Unternehmen befragt wurden.

Danach beklagen zwei von drei Unternehmen zu hohen Investitionsbedarf in Sachen Digitalisierung, mehr als der Hälfte nennt personelle Engpässe. Allerdings: Vier von fünf Firmen schätzen die Digitalisierung als strategisch wichtig für ihr Geschäft ein. Am häufigsten wird die erhöhte Produktionsflexibilität als Vorteil in der Umfrage genannt. Doch nicht jede Firma traut sich an die Umsetzung.

"Industrie 4.0 ist zentral für die Wettbewerbsfähigkeit und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Unternehmen müssen neue Wege gehen", sagt Christoph Kilger, Partner bei EY. Dazu gehöre es, Umweltsysteme um das Unternehmen herum aufzubauen, also mit Universitäten, Investoren oder anderen Firmen zu kooperieren. Gerade deutsche Unternehmen seien noch zu vorsichtig, den Innovationsprozess offen zu gestalten. "Die sogenannte Open Innovation ist in den USA viel verbreiteter als hier. Dabei wird der Innovationsprozess mit der Außenwelt geteilt, die ebenfalls ihren Beitrag dazu leisten kann", erläutert EY-Experte Kilger, der auch Co-Autor der Studie ist.

Allerdings steigen durch die Digitalisierung auch die Ansprüche an Organisation und Qualifikation. "In der Fabrik von morgen lösen sich die Grenzen zwischen IT und Produktion auf. Das stellt völlig neue Anforderungen an die Fachkräfte von morgen", sagt Kilger. Künftig müssten etwa auch Maschinenbauer oder Elektrotechniker über Programmierungskenntnisse verfügen. Dies sollte sich auch an den Universitäten widerspiegeln.

Durch die die Technologie von Industrie 4.0 werden Fabriken effizienter und flexibler. Jedes Teil ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das senkt die Kosten enorm. Dennoch lassen sich Werkstücke ohne Aufwand individualisieren - im Extremfall in einer Losgröße von eins.

Überraschend findet Kilger, dass nur wenige Unternehmen die Ausweitung des existierenden Geschäftsmodells auf andere Märkte als Vorteil der Industrie 4.0 wahrnehmen. "Vielleicht liegt dies an der fehlenden Fantasie. Viele Firmen schauen nur mit der Produktionsbrille auf ihr Geschäft. Nach dem Motto: Mehr produzieren zu weniger Kosten", schätzt Kilger. Wenige Unternehmen reflektierten, wie sich in ihrem Bereich die Wertschöpfung durch Digitalisierung und durch datenbasierte Services verändert. Aber genau dies könne zu neuen Geschäftsmodellen führen.

Dazu ist ein strukturelles Umdenken in den Firmen notwendig. "Mut zu disruptiven Geschäftsmodellen", nennen das die Berater von Dr. Wieselhuber & Partner, die Familienunternehmen bei der Digitalisierung unterstützen.

Unter disruptiven Technologien versteht man Innovationen, die bestehende Technologien, ein Produkt oder eine Dienstleistung verdrängen. "Es geht dabei auch darum, sich von althergebrachten Geschäftsmodellen zu verabschieden", sagt Mathias Döbele, Branchenexperte bei Wieselhuber.

So müssen neue Strategien entwickelt werden, die nicht mehr die Maschine in den Fokus stellen, sondern eine Kombination aus Maschine und Service und teilweise sogar nur Services. "In einer etablierten Organisation ist es oft schwierig, die eingetretenen Pfade zu verlassen, da zu viele Kräfte gegensteuern", so Döbele. Der Experte spricht vom "Scheuklappen-Problem". Viele Firmen denken seiner Erfahrung nach in ihrer etablierten Branchenlogik.

"Wir sagen unseren Kunden, dass sie das Thema ganzheitlich betrachten müssen", sagt Volker Bellersheim, Mitglied der Geschäftsleitung bei Wieselhuber. Die meisten Unternehmer sähen Digitalisierung als Hebel, Kosten zu senken und interne Geschäftsprozesse effizienter zu machen.

Viel entscheidender sei es jedoch für sie, neue Ansätze für weitere Geschäftsmodelle zu finden. "Durch die Digitalisierung wird eine Vielzahl von Services möglich sein, die zum Beispiel den Kunden eines Maschinenbauers nutzen, die aber nicht Teil des historischen Kerngeschäfts eines Maschinenbauers sind", pronostiziert Bellersheim.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Forschungsprojekt zur Unternehmensnachfolge

    Bei der Übergabe stehen meist die aktuellen Probleme im Mittelpunkt, Pläne für die Zukunft kommen zu kurz. Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen will das mit einer neuartigen Methode ändern.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

Autor




Copyright © 2013-16 Handelsblatt

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick