Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 
Gastbeitrag Digitale Zukunft

Mensch 4.0

Jeder spricht über die Digitalisierung. Wie rasch die Informationstechnologie sich jedoch tatsächlich entwickelt und wie sie unser Leben verändert, wird dabei kaum beleuchtet. Dieter Reichert, CEO der censhare AG, wirft einen Blick in die Zukunft.


Mensch-Maschine: Dank Nanotechnologie und Gentechnik heben sich Grenzen auf

Stellen Sie sich einmal ein Stück Marmorkuchen vor. Können Sie den Duft riechen? Und sehen Sie gleichzeitig Ihre Oma, deren Wohnzimmer und den liebevoll für den Familienbesuch gebackenen Kuchen? Dann haben Sie jetzt ein schönes Beispiel für die Funktionsweise Ihres Gehirns. Anhand von Bildern erzeugt es Verbindungen und somit Relevanz.

Was dahintersteckt, kennen wir auch aus der Informationstechnologie: Algorithmen. Diese komplexen Formeln können ebenso wie das menschliche Gehirn Relevanz durch Kontext herstellen, Informationen verknüpfen, Sinn erzeugen. Nicht nur beim Denken kann die digitale Rechenmaschine mithalten. Eine aktuelle Definition von Bewusstsein lautet: Wahrnehmung, Simulation und Vorausschau anhand von Routinen und Algorithmen.

Natürlich hat heute noch kein Computer das Bewusstsein eines Menschen – aber die Entwicklung der Informationstechnologie führt genau in diese Richtung. Um die Dynamik des technologischen Fortschritts zu beschreiben, hat Ray Kurzweil, Vordenker in Sachen Digitalisierung und Leiter von Googles technologischer Entwicklungsabteilung, den Begriff der Singularität aus der Physik entlehnt. Dort beschreibt dieser ein schwarzes Loch, also einen Bruch im Raum-Zeit-Kontinuum, hinter dem alles derart neu und anders ist, dass es sich Menschen nicht vorzustellen vermögen.

Der Fortschritt wächst exponentiell

Im Bereich der Informationstechnologie bezieht sich der Begriff vor allem auf deren Tempo: „Technologischer Wandel ist exponentiell, im Gegensatz zur ‚intuitiv linearen‘ Sicht des gesunden Menschenverstands. Wir werden nicht 100 Jahre Fortschritt im 21. Jahrhundert erleben – es werden nach heutiger Schätzung mehr als 20.000 Jahre des Fortschritts sein. Innerhalb weniger Jahrzehnte wird künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertreffen“, sagt Kurzweil – und wenn wir uns überlegen, wie schnell sich etwa der Computer von einem Riesengebilde mit eingeschränktem Nutzwert zu einem handygroßen Gerät für die Hosentasche entwickelt hat, das uns mit der Welt vernetzt, das kommunizieren, filmen und fotografieren kann, ist die These durchaus greifbar.

Wohin diese Entwicklung führt, können wir heute schon in Ansätzen sehen: Mensch und Maschine verschmelzen. Möglich macht das einerseits das mittlerweile entschlüsselte Genom des Menschen, wodurch einzelne oder mehrere der 23.000 menschlichen Gene nach Wunsch und Bedarf ausgeschaltet oder verändert werden können. Andererseits ermöglichen die Entwicklungen der Nanotechnologie die Herstellung kleinster ‚Maschinen‘ und Sensoren, die in einer einzelnen Zelle, auf einem einzelnen Gen, Platz finden und gleichzeitig immer größere Mengen von Informationen speichern und übertragen können.

Durch Genmanipulation und Nanotechnologie wird sich der Mensch 4.0 vor allem in seiner Lebenserwartung vom heutigen Menschen unterscheiden. Damit stellt sich ein Problem: Bereits 2083 werden nach aktuellen Hochrechnungen zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben – heute sind es gut sieben –, und die Lebenserwartung wird auf 120 bis 130 Jahre steigen. Die hoch entwickelte Informationstechnologie inklusive der künstlichen Intelligenz führt jedoch dazu, dass es immer weniger Arbeit gibt.

Gesellschaften müssen sich verändern

Angesichts der Tatsache, dass ein marktwirtschaftliches System wie das unsere, vereinfacht gesagt, auf eine Bevölkerungsstruktur von 80 bis 90 Prozent Arbeitnehmern, die auch für den Konsum „zuständig“ sind, ausgerichtet ist, wird deutlich, dass sich die Gesellschaft und Unternehmen verändern müssen. Die größte Herausforderung dabei: die Polarisierungen zu überwinden. Megacities versus Regionen, Job-Nomadentum versus klassische Karriere, Hightech versus Lowtech sind nur einige, die uns in Zukunft begegnen werden. Gleichzeitig sind bereits deren Überwindungen zu sehen – vor allem durch Kommunikation.

Meinungsmärkte etwa sind bereits in weiten Teilen dekonstruiert: Konsumenten und Peergroups haben mehr Macht, als das Unternehmen durch klassische Werbung erreichen kann. Die massive digitale Vernetzung von Menschen bringt auch die Auflösung bisheriger starrer Grenzen, etwa zwischen Unternehmen und Kunden, mit sich. Die Möglichkeiten digitaler Kommunikation voll auszuschöpfen ist Gebot – nicht zuletzt auch für die Unternehmen 4.0.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Blockchain

    Revolution aus dem Netz: Die Blockchain fordert Mittelstand und Konzerne heraus.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Erfolgsrezept: Loslassen lernen

    Ein pragmatischer Ansatz zur Umsetzung eines Nachfolgeprojektes bei einem Mittelstandsunternehmen in der metallverarbeitenden Industrie.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

  • Welches Konzept passt zu mir?

    Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es nicht. Das Konzept sollte Ihnen ein solides Einkommen bieten - da ist sorgfältiges Selektieren angesagt.

  • Judoka ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2017“

    Theresa Stoll, EM-Zweite und Medizin-Studentin, ist „Sport-Stipendiat des Jahrs 2017“– eine Auszeichnung von Deutscher Bank und Deutscher Sporthilfe.

  • Leasing: Tipps für Gewerbetreibende

    Bei Firmenwagen ist Leasing weit verbreitet. Worauf Unternehmer im Kleingedruckten achten müssen und welche Alternativen es gibt.

  • Konfliktsituationen in Franchise-Partnerschaften

    Wie das Risiko von Konflikten in Franchise-Partnerschaften reduziert werden kann, lesen Sie hier.

  • „Zuschüsse nutzen“

    Nicht nur Käufer von Unternehmen haben Anrecht auf finanzielle Unterstützung, es gibt sie auch für Verkäufer.

  • Prinzip einfach

    Um zu unternehmerischem Wachstum zu gelangen, müssen Unternehmer eine passende Vorgehensweise entwickeln. Überzeugend sind Strategien, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen.

  • Die Rolle der D&O-Versicherung für Unternehmensnachfolger

    Haben Sie als Unternehmensnachfolger schon geprüft, ob das begehrte oder bereits gekaufte Unternehmen über eine D&O-Versicherung verfügt?

  • Franchisegründungen haben Vorteile bei der Finanzierung

    Eine Gemeinsamkeit haben Franchise- und Individualgründungen auf jeden Fall – das Vorhaben muss solide und langfristig finanziert sein. Welche Vorteile Franchisegründungen haben, lesen Sie hier.

  • Digitalisierung der Integration von neuen Franchise-Partnern in das Franchise-System

    Erfolgreiches Franchising braucht einen Mix aus Online- und Offline-Medien. Lesen Sie hier, wie sich solch ein Mix zusammensetzen könnte.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick