Teil 2: Geld vom Staat

Silicon Wadi: Aus vermeintlichen Schwächen macht das „kleine” Israel eine Stärke

Silicon Wadi: Aus vermeintlichen Schwächen macht das „kleine” Israel eine Stärke
(Foto: Getty Images/fotokon)

Heute unternehmen Politiker und Unternehmer aus aller Welt Expeditionen ins Hightech-Land. Sie wollen verstehen: Wie kann das kleine Israel unter widrigen Umständen eine weltweit anerkannte Führungsrolle in der Digitalisierung übernehmen?

Eine wichtige Rolle spielt der Staat. Er stützt die Startup-Szene mit einem Programm, das jungen Unternehmen unter die Arme greift: Sogenannte Hightech-Inkubatoren können für Startups öffentliches Kapital beantragen. Das Prinzip: Der Inkubator selbst bringt 15 Prozent des notwendigen Geldes auf. Der Staat gibt einen Kredit über die restlichen 85 Prozent – maximal 800.000 US-Dollar. Der Clou: Die Investoren müssen das Darlehen nur im Erfolgsfall zurückzahlen. Ebenfalls ein entscheidender Faktor: Israel ist weltweit führend beim Thema Forschung und Entwicklung. Laut OECD fließen in diesen Sektor jährlich zwischen vier und fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Forschung, Startups, Industrie

Das führt dazu, dass immer mehr internationale Unternehmen Israels intellektuelles Kapital für sich zu nutzen wissen. Dazu gehören Riesen wie Microsoft, IBM und SAP. Die Deutsche Telekom startete als eines der ersten deutschen Unternehmen 2006 eine Kooperation mit der Ben-Gurion-Universität in Tel Aviv. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck etwa kaufte 2015 das Start-up Qlight-Nanotech in Jerusalem, ein Entwickler für Display-Materialien. Und Daimler hat 2016 ein Research & Development Center in Tel Aviv gegründet. Adi Ofek, CEO dieses Centers und gebürtige Israelin, sagte auf der Digital-Konferenz „re:publica“ im vergangenen Jahr in Berlin, Israel sei gut darin, Entwicklungen von null auf zehn zu katapultieren, die Deutschen brächten sie dann von zehn auf hundert.

Armee und Zuwanderung

Viele Israel-Experten sowie die Israelis selbst sehen die unternehmerische wie digitale Dynamik auch in der Armee begründet. „Es ist richtig, dass die militärischen Notwendigkeiten dieses Landes das israelische Militär zur Technologieschmiede dieser Nation haben werden lassen“, sagt Grisha Alroi-Arloser, Geschäftsführer der Deutsch-Israelischen Handelskammer. Beim Militär lernen selbst Jüngere, Führungsverantwortung zu übernehmen. Sie leiten kleine Einheiten und müssen in schwierigen Situationen mutig, schnell und flexibel entscheiden können. Für Ofek war die Armeezeit die beste Zeit ihres Lebens. Sie hat eine technisch hochwertige Ausbildung absolviert. Flache und spürbare Hierarchien erfahren. Und gelernt zu improvisieren, lösungsorientiert zu arbeiten – und was Teamgeist bedeutet.

Teil 1: Meer und mehr Gründergeist

Teil 2: Geld vom Staat

Teil 3: Bildung und Mentalität

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