Marketing 4.0

Was Unternehmer von Medien- und Marketingprofis haben, warum Print nicht tot ist, Inhalte so wichtig sind wie der Kanal, Mut und Sicherheit kein Widerspruch sein müssen – das erklärt Mindshare-Chef Christof Baron im Interview.

Ohne Marketing und Werbung kommt kein Unternehmen aus. Das wissen Unternehmer und auch Mediaagenturen, die zunehmend darauf setzen, Services auf allen Kanälen anzubieten. Und Letztere sind stark im Wandel. Mit der Digitalisierung verändern sich nicht nur Formen und Inhalte von Werbung, sondern auch die Arbeit der Agenturen. Die Automatisierung wird die Branche massiv verändern, ist Christof Baron, Joint CEO EMEA und Chairman Germany bei Mindshare, überzeugt – auch wenn letztlich weiterhin Inhalte den Erfolg bestimmen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Herr Baron, beschreiben Sie doch einmal Ihre Dienstleistungen für jemanden, der sich nicht damit auskennt.

Christof Baron: Wir wollen die Werbeinvestitionen unserer Kunden so effizient und effektiv wie möglich steuern. Die Herausforderung dabei: die zunehmende Komplexität der Märkte. Durch die Vielfalt an Medien und Marketingformen – von Printwerbung bis zur aufwändigen Online-Kampagne – haben wir immer eine ganze Reihe verschiedener Optionen. Der Markt ist ja nicht statisch, sondern entwickelt sich sehr dynamisch weiter. Da müssen Unternehmer im engen Dialog mit den Mediaexperten die richtigen Entscheidungen treffen. Auch die Datenflut, Stichwort Big Data, wird immer größer.

Wie wirkt sich das aus?

Baron: Standardisierung und Automatisierung werden massiv zunehmen. Viele Prozessschritte, die heute manuell funktionieren, laufen zukünftig maschinell: Alles, was automatisierbar ist, wird automatisiert – um die Effizienz zu steigern und schneller auf der Basis detaillierterer Informationen arbeiten zu können. Als Mediamanager arbeitet man dann idealerweise in einem Kreislauf, in dem viele Arbeitsschritte automatisiert ablaufen, was eine ständige Optimierung von Input und Output ermöglicht. Wir nennen das „Adaptive Planning“. Diese Entwicklung wird auch die klassischen Medien betreffen, insbesondere TV und Radio.

Online funktioniert das bereits?

Baron: Bei einfachen Dingen wie einer Google-Kampagne schon: Ich definiere meine Keywords, lege fest, welchen Betrag ich maximal investieren möchte, und dann arbeiten die Algorithmen automatisch. Grundsätzlich klappt das auch bei allen Formen des „Real-Time-Advertisings“ (RTA), bei dem auf Marktplätzen Angebot und Nachfrage automatisiert zusammenkommen und in Echtzeit um Inventar oder Nutzerprofile geboten wird. Es hakt allerdings noch an der Vernetzung mit anderen Medien, und RTA ist nicht frei von Fehlerquellen. Schließlich arbeitet man nicht monomedial – der Media- und Marketingmix ist deutlich komplexer. Die Daten aus allen unterschiedlichen Bereichen in einer Art gemeinsamen „Box“ zusammenzuführen und daraus quasi in Echtzeit Daten als Entscheidungsgrundlage für die Planung zur Verfügung zu stellen ist die wichtigste Herausforderung, der wir uns in den nächsten Jahren stellen müssen.

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