Kühler Kopf beim Turnaround

Wenn die Kosten steigen, der Absatz stockt und der Umsatz sinkt, darf das Management keine Zeit verlieren. Wie mittelständische Unternehmen Restrukturierungen am besten angehen.

Bei schwerer See zeigt sich, was ein guter Kapitän ist. Wenn Wellen sich auftürmen und das Schiff der Wucht der Elemente ausgesetzt ist, muss er kühlen Kopf bewahren und beherzt Entscheidungen treffen. Oft ist eine Kursabweichung nötig, um schnell aus der Gefahrenzone herauszukommen. Bei Unternehmen ist das nicht anders. Schwächeln Absatz und Umsatz, ist das Management gefordert. Es muss die Frühindikatoren wahrnehmen, analysieren und durch klare Vorgaben Maßnahmen einleiten, die das Unternehmen wieder in die Gewinnzone bringen. Das verlangt den Mut, frühzeitig mitunter einschneidende Veränderungenprozesse vorzunehmen. Daran fehlt es den Akteuren oftmals.

Rechtzeitig reagieren 

In vielen Fällen reagiert die Unternehmensführung zu spät auf die Krise. Das belegt eine Umfrage des F.A.Z.-Instituts für Management-, Markt- und Medieninformationen, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sowie der HypoVereinsbank. Für die Studie wurden rund 30 Banker, Berater und Rechtsanwälte zu ihren Erfahrungen mit Unternehmen, die sie bei der Restrukturierung unterstützt haben, ausführlich befragt. Ein Drittel der Gesellschaften reagierte überhaupt nicht auf die sich andeutenden Schwierigkeiten. Dabei gestanden die befragten Unternehmen ein, dass sie die Krise schon früher hätten erkennen können. „Normalerweise wird der Ernst der Lage erst wahrgenommen, wenn das Unternehmen in ausgewachsenen Liquiditätsengpässen steckt“, bestätigt auch Matthias Beck, Partner bei EY.

Diese seien meist Folge einer Produkt- und Absatzkrise, so der Restrukturierungsexperte. Bereits in dieser Phase müsse man gegensteuern. „Doch im Mittelstand gibt es vielfach das Problem, dass ein aussagefähiges Controlling und wirksame Steuerungsinstrumente nicht vorhanden sind, um sich anbahnende Schwierigkeiten zu erkennen“, sagt Beck.

Dies muss kein Hexenwerk sein. Der Wirtschaftsprüfer rät betroffenen Unternehmen vielmehr zur Fokussierung auf Kernkompetenzen. Anstatt sich bei der Problemanalyse etwa auf die Konjunktur als Einflussfaktor zu kaprizieren und dementsprechend nach umfassenden Lösungsstrategien zu suchen, reicht es im Grunde schon, sich als Ausgangspunkt für die Restrukturierung eine ganz banale Frage zu stellen: Mit welchem Produkt erziele ich Gewinne beziehungsweise mit welchem verliere ich Geld? Dieser Aspekt sollte trotz politischen Drucks maßgeblich sein – auch wenn mittelständische Unternehmen als regionale Arbeitgeber oft eine besondere Verantwortung tragen.

Unter Abwägung der gesellschaftlich relevanten Faktoren beginnt eine Restrukturierung mit einer Produktbereinigung und einer Kundenoptimierung. Mithilfe einer Deckungsbeitragsanalyse lassen sich Margenbringer und Kostentreiber ermitteln. Es gilt, diejenigen Kunden und Produkte zu identifizieren, mit denen die Basis für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg gelegt werden kann. Kunden, die hauptsächlich Produkte mit niedriger oder gar negativer Marge in kleinen Mengen und großen Abständen kaufen, bedeuten für das Unternehmen nicht nur einen hohen Verwaltungsaufwand, dem keine Erträge gegenüberstehen. Sie stellen überdies eine unnötige Bindung von Working Capital dar, das finanziert werden muss.

Das interessiert andere Leser

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis

Was Unternehmer wissen müssen

DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis

Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick

Das interessiert andere Leser
  • 14.-16.11.2019 | FRANCHISE EXPO19 | Frankfurt

    Die erfolgreiche Messe geht in die zweite Runde. Der neue Szene-Treff für Menschen mit Lust auf Selbständigkeit, Interesse an Franchising und für Unternehmen, die über Franchising expandieren wollen.

  • Verbesserte Suchfunktion und erweiterter Support auf DUB.de
    Neue Funktionen auf DUB.de

    Verbesserte Suchfunktion und erweiterter Support - lesen Sie in der folgendeen Meldung mehr zu den Neuerungen auf DUB.de.

  • Franchise: Deutschland ist attraktivster Franchising-Standort
    Franchise: Traumstandort Deutschland?

    Franchising in Deutschland ist laut dem International Franchise Attractiveness Index die beste Wahl wenn es um den idealen Standort geht.

  • Zielabgleichung - Wollen Verkäufer und Käufer tatsächlich das Gleiche?
    Zielabgleichung - Wollen Verkäufer und Käufer tatsächlich das Gleiche?

    Damit die Unternehmensnachfolge gelingt, ist Klarheit über die eigenen Ziele und Bedürfnisse sowie auch der anderen Seite von Vorteil. Worauf sollten beide Seiten achten damit das Geschäft gelingt?

  • Unternehmensbewertung: Was Firmeninhaber wissen müssen
    Das Gelbe vom Ei?

    Was ist mein Unternehmen wert? Das Ertragswertverfahren und die Discounted-Cashflow-Methode werden oft zur Ermittlung genutzt. Kleine Firmen sollten eine andere Methode nutzen.

  • Videointerview zur Unternehmensnachfolge
    Videointerview: Herausforderung Unternehmensnachfolge

    Dr. Daniel Mundhenke und Andreas Grandt (BRL) im Interview: Die Experten berichten von Herausforderungen aus der Praxis, den unterschiedlichen Formen der Nachfolge, über Fallstricke dabei und vieles mehr.

  • „Die Party zieht vom Haus in den Garten“

    Droht ein Ende des Immobilienbooms? Die Experten Andreas Schütz, Ottmar Heinen, Daniel Hoffmann und Malte Thies diskutieren über mögliche Lösungen des Wohnraummangels und die Rolle der Politik.

  • DUB-Video: Die fünf häufigsten Fehler beim Unternehmensverkauf
    DUB-Video: Die fünf häufigsten Fehler beim Unternehmensverkauf

    Dem Verkauf eines Unternehmens wird oft nicht der richtige Stellenwert eingeräumt. Oft scheitert er aus ebenso profanen wie vermeidbaren Fehlern. Das sind die fünf häufigsten.

  • Nachfolge und Digitalisierung
    Unternehmensnachfolger von morgen

    Unternehmensnachfolge ist für viele Betriebe herausfordernd. Nun erschwert die Digitalisierung noch den Prozess. Sind vor allem die mittelständischen Unternehmen auf den bevorstehenden Wandel vorbereitet?

  • Künstliche Intelligenz: Die Führungskraft von Morgen?
    Künstliche Intelligenz: Die Führungskraft von Morgen?

    Zukunftsforscher Kai Gondlach attestiert der KI schon heute die Fähigkeit bessere Führungsentscheidungen zu treffen. Bis 2050 wird die vierte industrielle Revolution die Politik erreichen.

  • Dienstleistung oder Einzehlandel: Wo finde ich das passende Franchise Unternehmen?
    Zwei Franchise Konzepte – eine Entscheidung

    Ladengeschäft oder Dienstleistungsunternehmen aufmachen? Das sollte man als Franchise-Interessierter am Anfang klären - über die Vor- und Nachteile der Konzepte.

  • Unternehmensübernahme der besonderen Art: Haikutter Alexa hat nach langer Suche einen neuen Kapitän gefunden
    Immer ´ne Handbreit Wasser unterm Kiel

    Auch der Betrieb von Traditionsschiffen kennt Nachfolgeprobleme. Manchmal klappt es aber auch. Das zeigt das Beispiel des Traditionsschiffs Alexa.