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Die Macht der Daten bietet viele neue Geschäftsmodelle, sie verlangt aber auch besondere Sorgfaltspflichten von Unternehmen.

Unternehmen agieren heute global in verschiedenen Rechtsräumen. Gefahren drohen allerorten: Zahlungs- und Produktionsausfälle, Geldwäsche und Korruption, Wirtschaftsbetrug und Terrorismusfinanzierung – in derlei Machenschaften verstrickt zu werden kann erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Um solche Risiken zu vermeiden, braucht es wirksame Mechanismen und Kontrollsysteme, sagt Eckhard Geulen, Regional Director DACH, Bisnode. Das Unternehmen gehört zu Europas führenden Anbietern von Wirtschaftsinformationen und ist spezialisiert auf Datenanalysen

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Herr Dr. Geulen, Ihr Claim „Heute wissen, was morgen relevant wird“ klingt, als könnten Sie in die Zukunft blicken.

Eckhard Geulen: Bis zu einem gewissen Grad können wir dies tatsächlich. Wir sagen damit, dass unternehmerische Entscheidungen von Anfang an auf eine valide Datenbasis gestellt werden sollten.

Klingt theoretisch. Wie läuft das in der Praxis?

Geulen: Wir können mit unseren Datenanalysen zum Beispiel Forderungsausfälle vorhersagen und ermöglichen es Kunden damit, diese weiträumig zu vermeiden. Aus Erfahrung wissen wir, dass Forderungsausfälle zu rund 80 Prozent bei bestehenden Kunden- und Lieferantenbeziehungen auftreten. Unsere Daten zeigen nun, wie es um Unternehmen wirtschaftlich bestellt ist. Das wiederum hilft bei der Einschätzung von Risiken – und zwar bevor eine Entscheidung getroffen wird. Noch ein Beispiel: In der Lieferkette ist auf Basis unserer Daten prüfbar, ob mehrere Zulieferer vielleicht letztlich zu ein und derselben Holding gehören. So können Klumpenrisiken frühzeitig erkannt werden. Das wiederum ist wichtig, damit die Bänder nicht plötzlich stillstehen.

Sie raten zu einem Frühwarnsystem. Warum?

Geulen: Weil es wenig nützt, den Bestand einmalig zu prüfen. Ein Monitoring-Feature hingegen ermöglicht eine automatisierte, zyklische Überwachung der Geschäftsbeziehungen. Das ist ein komplexes Aufgabengebiet, für das riesige Datenmengen vernetzt, analysiert und Abfragemechanismen automatisiert werden müssen.

„Wir verstehen unter Big Data die Möglichkeit, Muster zu erkennen.“

Sie sprechen damit das Thema Big Data an?

Geulen: Ein beliebtes Buzzword heutzutage. Sehr große Datenmengen machen für uns allerdings noch nicht Big Data aus. Wir verstehen darunter etwas anderes – nämlich die Möglichkeit, Muster zu erkennen. Das bietet in den unterschiedlichsten Bereichen enorme Vorteile, nicht nur im Risikobereich, sondern auch im Erkennen neuer Potenziale. Smart Data ist das, was uns interessiert. Das ist im Gegensatz zu Big Data die intelligente und kundenindividuelle Interpretation von Mustern in großen Datenfeldern.

Von welchen Mustern sprechen wir hier?

Geulen: Zunächst einmal von einer enormen Vielfalt, die überaus spannend ist. Unsere Datenanalysten können zum Beispiel anhand von Mustern Antworten auf die Fragen liefern, wo man neue Kunden findet, wie man sie gewinnen kann und schließlich auch, wie man sie bindet. Im Risikobereich lassen sich solche Strukturen ebenfalls erkennen, zum Beispiel in den eigenen Kunden- oder Lieferantenportfolios. Letztlich ist diese Interpretation der vorhandenen Datenbasis ein wichtiger Meilenstein in der digitalen Transformation von Unternehmen, aus der so ein kaum übersehbarer Wettbewerbsvorteil wird.

Welchen Einfluss nimmt der digitale Wandel auf den Umgang mit Risiken und Compliance?

Geulen: Er unterstützt den Trend zur Automation und vice versa. Schon jetzt setzen viele Unternehmen auf Workflow-integrierte IT-Lösungen mit vollautomatisiertem Risikomanagement. Aufgrund der Internationalität und insbesondere mit Blick auf die Datenflut gewinnt dies auch für Compliance an Bedeutung. Ohne einen automatisierten Abgleich mit beispielsweise Sanktionslisten kommt man heute nicht mehr ans Ziel. Zugleich ist die Digitalisierung der Compliance-Prozesse ein Garant dafür, dass Vorschriften zuverlässig eingehalten werden.

Wer heutzutage nicht prüft …

Geulen: … vernachlässigt die Sorgfaltspflichten und kann sich strafbar machen. Oft werden gerade im Mittelstand die Rechtsrisiken unterschätzt, als Unternehmer auch für das Verhalten von Angestellten und Geschäftspartnern straf- und ordnungsrechtlich belangt werden zu können. Das führt nicht nur zu ökonomischen Schäden – die oftmals größere Gefahr liegt in den Bereichen Reputationsverlust und Imageschäden.

Unternehmer sollten demnach ihre Geschäftspartner von A bis Z durchleuchten?

Geulen: Das ist heute unerlässlich. Ich muss wissen, wie vertrauenswürdig mein Gegenüber ist. „Kenne deinen Kunden“ ist ja im Compliance-Bereich kein neuer Begriff. In Sachen Risikomanagement und Compliance sollte dies ein Handlungsprinzip sein.

Viele Unternehmen fürchten, mit der Entwicklung nicht Schritt halten zu können.

Geulen: Diese Aufgabenstellung ist in der Tat nicht an einem Nachmittag zu lösen. Unternehmen müssen sich intensiv und strategisch damit auseinandersetzen. Zwar kann nicht jede mittelständische Firma eine eigene Abteilung oder einen Compliance-Manager vorhalten, aber es existieren durchaus Möglichkeiten, auch dies mittels digitaler Lösungen im Griff zu haben. Das Thema gehört auf die Agenda der Geschäftsführung. Allein schon um auszuschließen, ins offene Messer zu laufen.

DAS WICHTIGSTE IM ÜBERBLICK

  1. Geschäftsentscheidungen sollten auf Basis valider Daten getroffen werden.
  2. Unternehmer können für das Verhalten von Geschäftspartnern belangt werden.
  3. Compliance und Risikomanagement gehören auf die Agenda der Geschäftsführung.

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