Schneller, höher, weiter

DriveNow-CEO Hofelich fordert mehr Subventionen für E-Autos

Kaum Ladesäulen, zu wenig Autos mit Elektroantrieb: Das will Carsharing-Anbieter DriveNow ändern. CEO Sebastian Hofelich sagt, wie.

Sebastian Hofelich: Der CEO des Carsharing-Anbieters DriveNow will das Henne-Ei-Problem bei Elektroautos lösen.

Sebastian Hofelich: Der CEO des Carsharing-Anbieters DriveNow will das Henne-Ei-Problem bei Elektroautos lösen (Foto: PR)

Autos mit Elektroantrieb verkaufen sich bislang nur schleppend. Bereits im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung ihr Ziel kassiert, bis 2020 eine Million E-Mobile auf der Straße zu haben. Sebastian Hofelich, CEO des Carsharing-Anbieters DriveNow, über die Gründe, Lösungsansätze und was sich durch die mögliche Fusion mit Car2Go für Kunden ändert.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Trotz Dieselskandal, Diesel-Fahrverboten in einigen Städten und milliardenschweren Subventionen geht es mit der Elektromobilität in Deutschland nicht voran. Woran liegt das?

Sebastian Hofelich: Ich kann Ihre These nicht bestätigen. Sicher ist Deutschland weit entfernt vom Ziel der Bundesregierung. Trotzdem hat der Bestand an Elektrofahrzeugen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Nachhaltigkeit gewinnt in allen Lebensbereichen an Bedeutung – eben auch in der Mobilität. Sie haben aber insoweit Recht, als dass der große Durchbruch noch nicht erfolgt ist.

Ich sehe vor allem zwei große Herausforderungen, die aber noch besser gelöst werden können: Zum einen ist die Reichweite von Elektroautos noch ungenügend. Die Batterien haben noch nicht die Leistungsfähigkeit, um auch längere Fahrten problemlos und komfortabel zu ermöglichen. Dieses Thema wird sich mit den neuen Batteriegenerationen lösen, so dass auch hier Reichweiten deutlich größer 500 km möglich werden. Die zweite große Baustelle ist die Ladeinfrastruktur. Hier sehe ich in einigen Städten, wie beispielsweise Hamburg, eine hohe Motivation, die Ladeinfrastruktur signifikant zu erweitern.  In den meisten Städten ist die Zahl der Ladestationen aber bei Weitem nicht ausreichend. Wir wollen als Mobilitätsdienstleister zu einem Ausbau in den Städten beitragen, indem wir an allen DriveNow Standorten Elektrofahrzeuge einsetzen, damit einen einfachen Erstkontakt zur E-Mobilität ermöglichen, Hemmschwellen abbauen, Ladeinfrastruktur auslasten und damit einen weiteren Ausbau begünstigen. Das kommt wiederum privaten Elektrofahrzeugen zugute und befördert indirekt die stärkere Anschaffung von Fahrzeugen mit E-Antrieb.

Muss die Politik härtere Gesetze einführen, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen – siehe China?

Hofelich: Ich denke nicht, dass härtere Gesetze der Königsweg sind. Aber es muss mehr Anreize geben. Die Ladeinfrastruktur habe ich bereits genannt. Auch über steuerliche Privilegierung kann man nachdenken. Ein anderer Ansatzpunkt ist die steuerliche Behandlung von Geschäftswagen. Dass die Bundesregierung hier durch eine steuerliche Besserstellung von Elektroautos versucht, den Anreiz für den Kauf von elektrifizierten Fahrzeugen zu erhöhen, ist ein guter Schritt. Es müssen weitere folgen. Eine Möglichkeit ist die Einrichtung privilegierter Parkplätze für E-Fahrzeuge.

Welchen Beitrag können Carsharing-Anbieter wie Sie dazu leisten?

Hofelich: Die Elektromobilität ist aktuell insbesondere für den Stadtverkehr ideal geeignet. Daher sehen wir unser Carsharing-Angebot als ideale Plattform, um das Thema in die Offensive zu bringen. Hier sind wir Vorreiter und haben insgesamt schon über 400.000 Menschen mit Elektroautos in Kontakt gebracht. Unsere Elektroquote über alle europäischen Standorte beträgt heute bereits 16 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der Stromer über alle zugelassenen Autos in Deutschland liegt bei unter 0,1 Prozent. So gehen wir die nachhaltige Mobilität von zwei Seiten an: Zum einen ersetzt ein Carsharing-Fahrzeug mindestens drei private Pkw – mit den entsprechenden Folgeeffekten. Zum anderen können wir die Emissionsbelastung mit den Elektroautos signifikant verringern.

DriveNow hat seine E-Fahrzeugflotte aufgestockt. In Hamburg beispielsweise haben Sie die Zahl der BMW i3 von 70 auf 200 erhöht. Wann stellen Sie in Städten komplett auf E-Autos um?

Hofelich: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht realistisch. Wir bauen Schritt für Schritt aus, wenn die Ladeinfrastruktur es hergibt. Hamburg ist dabei ein sehr positives Beispiel. Wir haben mit der Stadt vereinbart, dass wir unsere Elektroflotte massiv erweitern. Die Stadt baut im Gegenzug die Ladeinfrastruktur und E-Parkplätze signifikant aus. Somit haben wir übrigens das typische Henne-Ei-Problem überwunden: Es sind zu wenig Elektroautos auf den Straßen unterwegs, weil die Ladeinfrastruktur nicht ausreichend ausgebaut ist. Gleichzeitig wird oftmals die Zahl der Ladestationen nicht oder schleppend ausgebaut, weil es zu wenige Stromer gibt. Die Vereinbarung mit Hamburg ist ein großer Schritt und zeigt schon erste Früchte. Aber viele andere Städte sind von diesem Stand noch weit entfernt.


Teil 1: DriveNow-CEO Hofelich fordert mehr Subventionen für E-Autos

Teil 2: „Ich glaube nicht an fliegende Autos“

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