„Vom Ich zum Wir“

Von der Hierarchie zum Netzwerk

Einer für alle: Das Moderieren, Begleiten und Führen von Teams wird für künftige Führungskräfte noch wichtiger werden.

Einer für alle: Das Moderieren, Begleiten und Führen von Teams wird für künftige Führungskräfte noch wichtiger werden. (Foto: Getty Images/South_agency)

Alte und neue Arbeitswelt, alte und neue Strukturen – welche Spannungsfelder prägen das digitale Führen?

Remdisch: Dieses Spannungsfeld, in dem Unternehmen sich heute befinden, lässt sich auf sechs Schlagworte bringen: von der Hierarchie zum Netzwerk, vom Ich zum Wir, von der Kontrolle zum Empowerment, von der Planung zum Design-Thinking, vom Vorratslernen zum Prozesslernen, von der Leistungsmaximierung zur gesunden Führung. Künftige Personalführung kann nicht mehr in Hierarchien denken, sondern muss sich Netzwerke zu eigen respektive zunutze machen. Statt Mitarbeitende anzuleiten, muss sie diese ermächtigen. Statt sie in langwierige Planungsprozesse einzubinden, hat sie ihnen Methoden der schnellen Innovationsentwicklung an die Hand zu geben. Und sie muss den Belastungen, die durch die besonderen Charakteristika und Anforderungen digitaler Arbeit entstehen, eine gesunde Arbeitsumgebung entgegensetzen und ihren Mitarbeitenden ein Vorbild gesunden Arbeitsverhaltens sein.

Command and Control war gestern. Welche Qualitäten zeichnen Digital Leader aus?

Remdisch: Eine unserer aktuellen Studien zeigt, dass es insbesondere drei Aufgaben sind, die Führung künftig definieren. Die erste ist das Moderieren von Netzwerken, da in digitalen Unternehmen die Mitarbeitenden in Teams arbeiten, sehr gut vernetzt sind und dadurch Zugang zu immer mehr Wissen erhalten. Dadurch verschieben sich Machtverhältnisse, und Aufgabe der Führung ist es nun, Netzwerke effektiv, deren Kommunikation konstruktiv und den Output produktiv zu gestalten. Netzwerkkompetenz ist eine ganz wichtige neue Führungskompetenz. Eine zweite ist das Führen mit Visionen. Flexible Arbeitsorte und -formen erfordern eine Führung, die Mannschaften zusammenhält und verhindert, dass Mitarbeitende die Bindung an das Unternehmen verlieren. Diesem Bindungsverlust können die Vermittlung von Visionen und emotionale Geschichten, also Storytelling, entgegenwirken. Mittels Storytelling lassen sich Unternehmensvisionen transportieren und Mitarbeitende aktiv in die Story einbinden, denn als Storyteller gibt die Führungskraft Antwort auf die entscheidende Frage: Warum lohnt es sich für dieses Unternehmen zu arbeiten und welchen Beitrag leiste ich zum großen Ganzen? Dieses Eingebundensein in eine Story lassen Bindung und Loyalität auch über räumliche Distanzen hinweg entstehen und bestehen. Eine dritte wichtige Aufgabe künftiger Führung ist das Coaching. Denn gerade wenn das persönliche Gespräch, die Begegnung Face to Face, wegen wachsender räumlicher Distanzen seltener wird, wächst bei den Mitarbeitenden der Wunsch nach Orientierung und differenziertem Feedback. Als Coach triggert die Führungskraft durch die richtigen Fragen Reflexions- und Lernprozesse an.


Teil 1: Digitale Führungskultur

Teil 2: Von der Hierarchie zum Netzwerk

Teil 3: Fünf Schalter der digitalen Transformation

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