Exklusiv: „Übernehmt Verantwortung"

Roland Berger: Medien zu wirtschaftskritisch

Audienz bei einer Eminenz. Warum Überzeugungen gerade für Unternehmer entscheidend sind, wo das bedingungslose Grundeinkommen falsch ansetzt und wie Menschlichkeit zum Erfolgsfaktor wird – Beraterlegende Roland Berger im Tacheles-Talk.

Multitalent Berger: Unternehmer, Consultant, Politikberater, Unterhändler, Sachverständiger und Stifter

Multitalent Berger: Unternehmer, Consultant, Politikberater, Unterhändler, Sachverständiger und Stifter (Foto: PR)

Die Stimme der Wirtschaft wird zu wenig gehört. Und das schadet der Gesellschaft, moniert Roland Berger. Der Grandseigneur der Consultingbranche macht das an zwei Entwicklungen fest. Erstens: Eliten, die sich von der Allgemeinheit abkoppeln und die Fähigkeit verlieren, Menschen zu motivieren. Zweitens: wirtschaftskritische Medien. Die Beraterlegende verrät, warum und wie Motivation, Mut und Menschlichkeit die Zukunft formen sollten.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Sie appellieren an Wirtschaftslenker und Investoren, unseren Wertekanon nicht aus den Augen zu verlieren. Der Grund?

Roland Berger: Die Eliten konzentrieren sich aus Sicht der breiten Bevölkerung zu sehr auf sich selbst – darauf, Geld zu verdienen, auf ihre Karriere, ihren Erfolg, ihr Ansehen. Und sie spielen zunehmend weniger eine Rolle dabei, andere Menschen mitzunehmen. 

Was meinen Sie mit „mitnehmen“?

Berger: Das kann – ganz materiell – darin bestehen, Menschen einen Job zu geben. Aber auch darin, den Menschen die wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Zukunft zu erklären, darzustellen, dass darin ein Platz für sie ist. Es geht also um Kommunikation in einer zugegebenermaßen überkommunizierenden Welt. Früher gab es einen Kommunikationszwist zwischen Reich und Arm, heute den zwischen den Eliten und dem vermeintlich einfachen Mann.

Wie können Unternehmer mehr zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen? 

Berger: Ich kenne zahlreiche Unternehmer, darunter Chefs großer Firmen, die sich auch politisch äußern. Man muss allerdings sagen, dass vor allem in Deutschland viele Medien per se eher unternehmer- oder wirtschaftskritisch sind. Und sich in solche Umgebungen zu begeben ist schwierig. Sehen Sie sich mal eine der bekannteren Talkshows bei guter Sendezeit an. Dem Wirtschaftsvertreter, wenn sich denn noch einer findet, kommt in der Regel die Rolle des Buhmanns zu. Daneben gibt es den kritischen Journalisten, einen linksorientierten Intellektuellen, zwei linke Politiker und einen Mainstreampolitiker der Mitte sowie einen Minijobber, Rentner oder Betroffenen. Da wird eine Welt vorgeführt, die gar nicht der Realität entspricht.

Können Sie diese von Ihnen monierte Realitätsferne an einem konkreten Beispiel festmachen? 

Berger: Ich habe eines für Realitätsnähe: Ich fand es zum Beispiel durchaus richtig und ganz erfrischend, dass unser neuer Gesundheitsminister Jens Spahn gesagt hat, Hartz IV bedeute nicht Armut. Hartz IV ist eine Unterstützung, um einen Mindestlebensstandard zu sichern, von der aus ein Bürger sich etwas dazuverdienen kann und so wieder in den Arbeitsmarkt findet. Eine Unterstützung, die sich unsere Gesellschaft leisten kann und muss. Schließlich werden ja, um Hartz IV finanzieren zu können, von vielen Menschen Steuern und Sozialbeiträge bezahlt – von normalen Arbeitnehmern wie auch von Mehrverdienern. Und man muss darauf hinweisen, dass hier Ansprüche definiert wurden, die der Einzelne an das Gemeinwesen hat. Das heißt, er ist kein Almosenempfänger mehr, sondern hat eine Rechtsposition auf einen Mindestlebensstandard in Deutschland. Das ist – wie ich finde – eine großartige Leistung unseres Landes, zumal im internationalen Vergleich.

Teil 1: Medien zu wirtschaftskritisch

Teil 2: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Teil 3: Mut, Risikomanagement und Verantwortung

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