Hamburg, 12.05.2017

Teil 2: "Steuerfreie Auszahlung"

Experte: Dominik Stadelbauer, Leiter des Marktmanagements Leben bei der Nürnberger Versicherung (Foto: PR)

DUB: Das gilt wahrscheinlich nur für den Fall, dass der Versicherungsnehmer die Gesundheitsprüfung ohne Fehl und Tadel bestanden hat.

Stadelbauer: Richtig. Das gilt übrigens für die Mehrheit. Falls Vorerkrankungen vorliegen, gibt es Risikozuschläge. Bei schlechten Blutwerten können dies auch mal 25 Prozent Mehrbeitrag sein. Es kann aber auch sein, dass bei schwerwiegenden Vorerkrankungen einzelne Leistungsauslöser ausgeschlossen werden oder die Versicherung überhaupt nicht abgeschlossen werden kann. 

DUB: Bei der Dread-Disease-Versicherung der Nürnberger kann es auch zu einer Teilzahlung kommen. Wann ist das der Fall?

Stadelbauer: Wenn bei den 50 versicherten Krankheiten eine Diagnose in dem versicherten Umfang vorliegt, wird die volle Versicherungssumme ausgezahlt. Bei den vier häufigsten Erkrankungen gibt es auch bei weniger schlimmen Krankheitsverläufen eine Teilleistung von 50 Prozent der Versicherungssumme bis maximal 25.000 Euro. Das ist zum Beispiel bei einem „Schlägle“, also einem leichten Schlaganfall, bei dem keine Lähmungen zurückbleiben, der Fall. Es sind also Krankheitsverläufe, die zu keiner dauerhaften Einschränkung der Lebensqualität führen. Die Teilleistung soll dazu dienen, eine Ausfallzeit von ein paar Wochen finanziell zu überbrücken.

DUB: Ebenfalls aus dem englischsprachigen Raum kommt eine Alternative zur privaten-Disease-Versicherung, die Keyman-Police. Wo liegen die Unterschiede?

Stadelbauer: Die Keyman-Police ist für den Fall gedacht, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter in einer Schlüsselposition versichern möchte, das ist im Mittelstand üblicherweise der Geschäftsführer. Fällt er aus, dann ist das für das Unternehmen nicht nur personell und organisatorisch ein Riesenproblem, sondern auch finanziell. Deswegen gibt es die Möglichkeit für Unternehmen, sich gegen den Ausfall ihrer Schlüsselposition zu versichern. Wenn bei diesem Mitarbeiter eine schwere Erkrankung diagnostiziert wird, erhält das Unternehmen eine Kapitalzahlung. Damit könnte die Firma etwa einen kurzfristigen Umsatzrückgang oder weniger Aufträge überbrücken.

DUB: Das klingt nach einer guten Lösung für Unternehmen.

Stadelbauer: Das kommt auf die Perspektive an. Bei der Keyman-Police ist das Unternehmen Eigentümer der Police und das Geld fließt im Versicherungsfall auch an das Unternehmen. Deswegen empfehlen wir sie für Geschäftsführer nicht. Denn bei einer privat abgeschlossenen Dread-Disease-Versicherung entscheidet der Geschäftsführer selbst, wofür er das Geld verwendet. Brauche ich das Geld, um den Produktionsausfall zu überbrücken oder benötige ich es, um mein Haus behindertengerecht umzubauen? Deswegen empfehlen wir dem Unternehmer: Versichere dich privat, denn so kannst du das Geld deiner Firma zur Verfügung stellen, du musst es aber nicht. Die Flexibilität ist größer. Und letztlich darf man auch nicht vergessen: Sollte die Firma aufgrund des Ausfalls ihres Geschäftsführers Insolvenz anmelden müssen, würde das Kapital aus einer Keyman-Police den Gläubigern gehören.

DUB: Welche Unterschiede bei der Versteuerung gibt es?

Stadelbauer: Im ersten Schritt kann eine private Dread-Disease-Versicherung steuerlich ungünstiger sein, weil die Beiträge nicht steuerlich geltend gemacht werden können. Bei der Keyman-Police kann das Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Beiträge von der Steuer absetzen. Der Nachteil: Fließt das Geld aus der Versicherung, wird es als Einnahme der Firma betrachtet. Bei einer privaten Dread-Disease-Police bleibt die Auszahlung dagegen steuerfrei. Der Hebel ist ziemlich groß: Bei einer Keyman-Police könnte man zwar 170 Euro im Monat von der Steuer absetzen, müsste aber bei einer Auszahlung 250.000 Euro mit 30 Prozent versteuern. Im Umkehrschluss heißt das, dass bei einer Keyman die Versicherungssumme um 30 Prozent höher angesetzt werden müsste, um die gleiche Nettoleistung zu erhalten.

DUB: Reicht denn eine Dread Disease Versicherung für einen Unternehmer aus oder benötigt er parallel noch eine Berufsunfähigkeits- (BU) und eine Risikolebensversicherung?

Stadelbauer: Das sind unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Zielen. Mit einer BU kann sich ein Unternehmer privat gegen die Berufsunfähigkeit absichern. Die Dread Disease Vorsorge zahlt nur einmalig Kapital, stellt also nicht eine Sicherung des Lebensunterhalts dar. Da geht es darum, Freiräume zu schaffen. Unternehmer sichern sich damit die Möglichkeit ihre Arbeitsleistung nach einem schweren Herzinfarkt reduzieren zu können oder die Kosten für eine lebenswichtige Behandlungen decken zu können ohne auf eine Übernahmeerklärung  des Krankenversicherers warten zu müssen. In einer Dread Disease werden sie wahrscheinlich niemals so viel Geld versichern können, um ihren Lebensstandard auf einem ähnlichen Niveau zu sichern. Die Dread Disease ist damit die ideale Ergänzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung und in manchen Fällen auch das letzte Produkt, um die eigene Arbeitskraft abzusichern, wenn bspw. eine Berufsunfähigkeitsversicherung aufgrund von Vorerkrankungen nicht mehr versichert werden kann. Die Dread Disease Versicherung beinhaltet auch eine Absicherung gegen den Todesfall, sprich man kann die Absicherung durch eine Risikoleben in einem Produkt kombinieren oder in zwei einzelnen Produkten absichern. 

Zum ersten Teil des Interviews

Das interessiert andere Leser

  • Bemessung des Unternehmerlohns

    Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen. Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

  • Gewinnspiel zum Buch "Familienexternes Management im Mittelstand"

    Wir verlosen drei Fachbücher zum Thema Unternehmensnachfolge außerhalb der Familie. Weitere Informationen zum Buch und zum Gewinnspiel gibt es hier.

  • Oasen zum Verlieben

    So langsam steigt wieder die Lust auf Wellnessurlaub. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin und Travelcircus stellen drei der schönsten Spa-Tempel in Deutschland und Österreich vor.

  • Thomas Röhler: „Sport-Stipendiat des Jahres“

    Der Olympiasieger und Europameister im Speerwerfen ist zum „Sport-Stipendiat des Jahres 2018“ gekürt worden. Die Deutsche Bank verdoppelt nun sein Stipendium für die nächsten 18 Monate auf 800 Euro.

  • Digitale Kundenansprache meistern

    Bei der digitalen Customer Journey haben deutsche Unternehmen noch Nachholbedarf. Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft erläutert, wo es hakt.

  • Franchisesystem Town & Country Haus wird Preisträger des Hausbau-Design Awards 2018

    Erster Platz in der Kategorie „Bungalows“ – so lautete das Ergebnis des diesjährigen Hausbau-Design Awards für einen Entwurf von Town & Country Haus.

  • FranchiseExpo18 – ein Rückblick auf Deutschlands größte Franchise Messe

    Die Franchise Expo 2018 war für DUB.de und die gesamte Franchise-Szene ein voller Erfolge. Ein Resümee.

  • Moderne Klassik

    Als besonders robust und zuverlässig gelten die mechanischen Zeitmesser des Frankfurter Herstellers Sinn Spezialuhren. Das liegt an eigens entwickelten technologischen Lösungen.

  • Zeit ist Qualität

    Guter Champagner braucht einen guten Wein. Und drei Zutaten: Leidenschaft, Handwerk sowie Geduld. Wir haben die Geheimnisse des Edel-Schaumweins vor Ort bei Bertrand Lhopital erkundet.

  • Volle Pulle Vintage

    2.000 Kilometer von Nordschottland nach Südengland. Ein Erlebnis auf knorrigen alten Motorrädern und neue Heritage-Bikes. Bei der „The Great Mile“ dabei: unser Autor Ralf Bielefeldt.

  • Stromern, nicht knattern

    Elektromobilität ist modern, trendig und umweltfreundlich. Doch auch E-Autos sind in überfüllten Städten ein Fehler. Die Alternative: der elektrisch angetriebene Roller Unu.

  • Schneller Deal - Franchisegeber in der mobilen Fritteusenreinigung

    Zügig und effizient läuft die Suche nach Franchisenehmern bei FiltaFry ab. Im besten Fall vergeht von der Bewerbung bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein Monat. Wobei achtet der Franchisegeber bei der ...

  • Reite die Welle

    Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Seine Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

  • Drei Tage Willenskraft

    Im Face-Camp von Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalk.

  • „Brauchen digitalere DNA“

    Frank Thelen fordert und fördert in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ junge Start-ups. Der Bundesrepublik verordnet er ein 360-Grad-Aufputschpaket für Wagniskapital.

  • Titelthema: Märchenhafte Reise

    Ob Dax-Konzern oder Familienbetrieb, Start-up oder Traditionsunternehmen, B2B oder B2C: Kaum etwas wird in Chefetagen so heiß diskutiert wie die Customer-Journey.

  • Eigene Firma gründen: Das sind die ersten Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser