Hamburg, 17.05.2017

Prototyp vs. Powerpoint

Volker Darius, Head of Corporate Functions Strategy bei Capgemini Consulting, verrät, wie künstliche Intelligenz (KI) und Robotik bereits heute in Unternehmen eingesetzt werden und wo noch große Anwendungspotenziale der Technologie schlummern.   


Anzapfen: Unternehmen sollten sich rasch mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz vertraut machen (Bild: iStock.com/Zinco79)

Sie steuert eigenständig Autos und koordiniert den Stadtverkehr, erstellt Krankheitsdiagnosen und Behandlungspläne, sie analysiert Vertragstexte. Als Alexa oder Siri sprechen unsere Kinder bereits heute mit ihr, als sei sie Teil der Familie. Die Rede ist von künstlicher Intelligenz (KI). Experte Volker Darius, Head of Corporate Functions Strategy bei Capgemini Consulting, erklärt, wie schlaue Algorithmen Geschäftsprozesse heute und morgen verändern.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: KI ist ein eher weit gefasster Begriff. Welche Art von Software darf diesen Titel für sich in Anspruch nehmen?
Volker Darius:
Das entscheidende Merkmal ist für mich die Fähigkeit, Informationen eigenständig einzuordnen und darin Muster zu erkennen. Dies geht über die Grenzen regelbasierter, deterministischer Algorithmen hinaus. Hier sehe ich ein riesiges Potenzial. Eine unbedingte Voraussetzung für KI ist Big Data.

Erheben deutsche Unternehmen schon ausreichend Daten und nutzen sie smart?
Darius:
Potenzial und Relevanz des Themas sind durchaus operativ in den Unternehmen angekommen. Die deutsche Big-Data-Branche ist sehr breit gefächert, wenn auch regulatorisch stark eingegrenzt. Auf der Anbieterseite gibt es viele globale IT-Unternehmen, die mit den Spezifika des deutschen Marktes und dem deutschen Datenschutz kämpfen oder diesen hin und wieder auch schlichtweg ignorieren. Dazu kommt eine sehr aktive Start-up-Szene mit großem Potenzial. Auf Anwenderseite nutzen deutsche Konzerne und der Mittelstand Big Data verstärkt in Bereichen wie Advanced Analytics. Sie optimieren damit etwa Geschäftsprozesse oder nutzen es für prädikative und präskriptive Analysen, etwa im Marketingumfeld.

Gibt es Branchen, für die aktuelle KI- und Robotik-Lösungen besonders geeignet sind?
Darius:
Von Automobilherstellern über Banken bis hin zum Einzelhandel – in allen Branchen besteht enormes Potenzial für die Nutzung von KI. Die automatisierte Verarbeitung, Analyse und Wertschöpfung von Daten wird eine Schlüsselrolle spielen. Effizienz, Qualität und Compliance werden sich deutlich erhöhen.

Wo identifizieren Sie mittel- und längerfristig Anwendungspotenziale?
Darius:
Robotik und KI sind heute schon bei Front-Office-Anwendungen in Kundendienst, Kommunikation und Vertrieb sowie bei administrativen Funktionen wie Buchhaltung, Personal oder Beschaffung anwendbar. Mittelfristig werden sie auch dabei helfen, komplexe Prozesse und Datenstrukturen zu bewältigen. KI kann beispielsweise vielfältige Kundenanfragen interpretieren und dann entsprechende automatisierte Bearbeitungsprozesse einleiten. Langfristig wird KI auch ganze Geschäftsmodelle verändern. Softwaregesteuerte Bankberater etwa werden Anlageentscheidungen automatisieren, sogenannte Robo Advisor.

Teil 1: Prototyp vs. Powerpoint

Teil 2: „25 bis 35 Prozent Automatisierung im Back-Office“

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