Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Teil 2: „Natürliche Monopole gehören nicht in private Hand“

Sahra Wagenknecht: Die promovierte Volkswirtin ist seit Oktober 2015 Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag (Foto:dpa)

Bildung ist in erster Linie eine Frage der Bundesländer. Wo sehen Sie Ansatzpunkte um die beklagten Mängel zu beheben?
Wagenknecht: Es ist falsch, sich zurückzulehnen und das Problem nur auf die Länder abzuwälzen. Die meisten Länder haben bedingt durch die Schuldenbremse sehr begrenzte Möglichkeiten, Geld auszugeben. Sie haben im Unterschied zum Bund auch keine Möglichkeit, Steuern zu erheben. Zudem wird das Bildungssystem in der Regel auch nicht mit zusätzlichen Fachkräften, sprich mit zusätzlichen Lehrern, Sozialpädagogen und Förderlehrern ausgestattet. Doch gerade in den Problembezirken ist das dringend notwendig. Ich war vor kurzem in einer Schule im Norden Essens, in der man die Probleme mit Händen greifen konnte. Dort haben 80 Prozent der Kinder Migrationshintergrund, die meisten kommen aus Hartz IV-Familien, die Eltern geben ihren Kindern in Sachen Bildung quasi nichts mit. Und trotzdem ist die Schule so schlecht ausgestattet, dass eine Lehrerin dort mit 20, 25 Schülern alleingelassen wird. Dadurch ist Perspektivlosigkeit vorprogrammiert. Letzten Endes geht es darum, mehr Lehrer in den Schulen zu haben, mehr Ganztagsbetreuung und mehr Hausaufgabenbetreuung zu gewährleisten. Das ganze deutsche Bildungssystem beruht doch darauf, dass die Eltern den Großteil der Arbeit haben, was die Förderung und die Unterstützung der Kinder angeht. Das heißt, die Kinder, deren Eltern das nicht leisten können, haben von vornherein schlechte Karten.

Die Digitalisierung verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Arbeitsmarkt rasant. Was müssen Politik und Unternehmen für einen sozialverträglichen Wandel tun? 
Wagenknecht: Wenn stupide Arbeiten von Robotern und Algorithmen übernommen werden, ist das doch ein enormer Produktivitätsgewinn. Sprich: Mit weniger Arbeit wird der gleiche Wohlstand erzeugt. Dieser darf dann nur nicht so verteilt werden, dass einige reich werden und andere verlieren. Das Angebot an weniger qualifizierten Jobs verringert sich und wird es weiter tun. Das bedeutet: Wir müssen die Menschen besser aus- und weiterbilden, damit sie qualifiziertere Tätigkeiten übernehmen können. Zudem ist es aktuell doch so, dass wir die digitalen Netze – die Schlüsselinfrastruktur des 21. Jahrhunderts – einigen wenigen amerikanischen Monopolisten überlassen. Deutschland und Europa müssen sich die Frage stellen, ob wir zuschauen wollen, wie ein immer größerer Teil unserer Wertschöpfung an diese Unternehmen abfließt, oder ob man eigene Alternativen entwickelt. Ich wäre für eigene Alternativen. 

Was bedeutet das konkret?
Wagenknecht:
Die digitalen Netze von heute sind quasi natürliche Monopole. Und für solche gilt die alte volkswirtschaftliche Erkenntnis, dass sie nicht in private Hand gehören. Stattdessen sollte es öffentlich-rechtliche Plattformen für die Industrie 4.0 und die Vernetzung bis hin zum Konsumenten geben, die nicht profitorientiert arbeiten. Unternehmen brauchen Zugriff, ohne dass sie abgezockt werden.

Teil 1: Von den USA lernen

Teil 2: „Natürliche Monopole gehören nicht in private Hand“

Teil 3: „Ich halte überhaupt nichts von einem bedingungslosen Grundeinkommen“

Teil 4: „Die EU ist durchaus mittelstandsfeindlich“

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Den Quick Fix gibt es nicht

    Industrie 4.0. Der Trend ist da, die Umsetzung lahmt: Das Potenzial der vierten industriellen Revolution wird hierzulande nicht ausgeschöpft. Zwei Experten verraten, was dafür nötig ist.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Digitale Potenziale

    Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt Die Techniker Existenzgründer, Talente und Visionäre.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.

  • Auf die (Franchise-)Größe kommt es an

    Einsteiger in der Franchise-Branche haben es schwer. Aber der Aufwand zahlt sich aus.

  • Unternehmensverkauf: Worauf bei Earn-Out-Klauseln achten?

    Was Unternehmensverkäufer und -käufer über variable Preiskomponenten wissen müssen.

  • Die fünf wichtigsten Trends der CeBIT

    2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz.

  • Disruption meets Design

    Produktdesigner stehen vor einem Paradigmenwechsel. Die analoge und digitale Welt verschmelzen zunehmend miteinander. Was sich hinter der „new holistic experience“ verbirgt.

  • Wie ein Franchisenehmer seine Mitarbeiter für sich werben lässt

    Employer Branding – Ein Unternehmer aus Hannover zeigt, dass solche Kampagnen sinnvoll sein können.

  • Die Mär vom Gründerland Deutschland

    Beim Jahrestreffen der deutschen Franchise-Experten (9. bis 10. Mai in Berlin) diskutiert die Branche mit der Politik kontroverse Themen.

  • Wenn die Chefin nicht mehr will

    So planen Inhaberinnen die Unternehmensnachfolge.

  • Energiemanagementsysteme lohnen sich

    Die Firma Kaiser+Kraft hat ein Energiemanagementsystem eingeführt. Geschäftsführer Andreas Krüger über die Vor- und Nachteile.

  • Sorgfältige Vorbereitung

    Wenn Unternehmen in überschaubarer Zeit verkauft werden sollen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend für den Verkaufserfolg.

  • Berater finden leicht gemacht

    Die Beraterbörse von DUB.de hilft Ihnen, den richtigen Unternehmensberater für Ihr Projekt zu finden.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • Wie Franchisesysteme neue Partner finden

    Neue Partner zu finden, ist für Franchisesysteme momentan besonders schwer. So klappt’s trotzdem.

  • Fremdwort Disruption

    Der Begriff ist in aller Munde. Viele Chefs wissen aber nicht, wie sie mit innovativen Unternehmen umgehen sollen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick