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Riina Leminsky: ist Leiterin der Enterprise Estonia, der Wirtschafts­förderung Estlands in Deutschland. Sie ist zuständig für Direktinvesti­tionen sowie die Unterstützung der engeren Ge­schäftsbeziehun­gen zwischen Estland und der DACH­Region  (Foto: PR)


Estland ist digital ganz vorn dabei. Und das bedeutet auch, bereits frühzeitig auf die Blockchain zu setzen. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was bedeutet Digitalisierung in der Praxis für ein Land wie Estland? 
Riina Leminsky: Estland ist wahrscheinlich das einzige Land der Welt, in dem 99 Prozent der öffent­ lichen Dienste täglich rund um die Uhr online zugänglich sind. Nur für Eheschließungen, Scheidungen und Immobilientransaktionen muss noch eine Behörde aufgesucht werden. Im Ergebnis sparen wir jedes Jahr mehr als 800 Jahre Arbeitszeit ein. Unser Land hat sich zu einem weitgehend unbürokratischen Umfeld für Wirtschaft und Unternehmen entwickelt. 

 
Und warum nun die Blockchain?

Leminsky: Nach den ersten Schritten hin zu einem E­-Staat wurde in Estland erkannt, dass das Risiko von Cyberangriffen immer Teil der Informationsgesell­schaft sein wird – und dass diese Gefahr ernst genom­men werden muss. Bei der Analyse verschiedener Lösungen identifizierte Estland die Blockchain-­Tech­nologie als sichersten Schutz. 2008 begann unser Land, diese Technologie zu testen. Seit 2012 wird die Blockchain in den estnischen Datenregistern einge­setzt, etwa in den Bereichen öffentliches Gesundheits­wesen, bei den Parlaments­ und Kommunalwahlen. 


Was nützt das den in Estland aktiven Unternehmen? 
Leminsky: Dank E­Lösungen ist eine Geschäfts­tätigkeit in Estland einfach: Rund 600 digitale Anwen­dungen stehen den Bürgern zur Verfügung, knapp 1.300 weitere kommen für Unternehmen dazu. Damit kann ein Unternehmen schnell und einfach gegründet und verwaltet werden – eine Gründung dauert ledig­ lich ein paar Stunden. Sämtliche Meldungen können online eingereicht werden. Die E­Estonia-­Lösungen stehen nicht nur Esten offen. Auch E-­Residents, das sind in Estland mit digitalem „Wohnsitz“ registrierte Ausländer, können per Fernzugriff Unternehmen grün­ den und verwalten oder auch Verträge digital unter­schreiben, Zahlungen vornehmen und andere E­-Diens­te des privaten Sektors nutzen. 


Wie lässt sich dieses System technisch sichern? 
Leminsky: Estland hat beschlossen, keine Super­ Datenbanken aufzubauen und sensible Informationen trotz der Vernetzung nicht an einem Ort zu konzen­trieren. Jede Behörde pflegt ihre eigene Datenbank und ist für deren Datenqualität verantwortlich. X­Road – die sichere estnische Plattform für Informations­austausch – integriert die Daten aus jedem Datenver­zeichnis und erleichtert somit die öffentlichen Dienst­leistungen. Da Informationen in Form einer gemeinsam genutzten, aber dezentralen Datenbank gespeichert sind, gibt es keine zentralisierte Version, in die Hacker einbrechen könnten. Das macht die Nutzung der Block­chain so sicher.  

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