Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Teil 2: „Ladepunkte für E-Mobilität sind die Basis für die Struktur eines Industrielandes“

Renate Künast: Die Verbraucherschutzministerin ist Mitglied des Bundestages für Bündnis 90/ Die Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz (Foto: dpa/ Horst Galuschka)

Aus Kreisen der Grünen hört man auch von einer Arbeits- statt einer Arbeitslosenversicherung ...
Künast: Wir wollen die Versicherung so umstrukturieren, dass die Personen nicht nur versichert sind für den Fall der Arbeitslosigkeit, sondern dass tatsächlich für Jedermann Mittel bereitstehen, die eine Qualifizierung und Weiterbildung ermöglichen. Ich finde die Situation kurios, dass man am Ende nur dann Geld bekommt, wenn dafür teils unnötige und beratungsintensive Qualifizierungen vollzogen werden, die auch noch Personal binden. Es müsste Geld aus diesen Kassen bereitstehen, das eine sinnvolle Weiter- und Neuausbildung ermöglicht. Das gibt es heutzutage in einer viel zu engen Form. Diese Kultur ist noch nicht gewachsen. Urban Technologies konzentrieren. Damit in den Städten und auch bei Hidden Champions auf dem Land innovative Ideen wachsen können, müssen wir den Zugang zu Mikrokrediten und Risikokapital vereinfachen.

Was meinen Sie damit konkret?
Künast: Wer Pech hat, landet zum Beispiel in einem Kurs zum Thema „Wie bewerbe ich mich richtig“. Das erleben mitunter Menschen, die überhaupt gar kein Problem haben, sich richtig zu bewerben. Ich kenne das auch aus meinem Umfeld. Da geht es um Personen, die sich einfach im Netz mit den aktuellsten Angeboten und Daten versorgen können. Die Finanztöpfe, die bisher aus der Arbeitslosenversicherung gespeist wurden, sollten umgewidmet werden und damit dann Individualleistung und Qualifizierung finanziert werden. Das ist auch aus dem Punkt heraus entstanden, dass wir gemerkt haben, dass es bisher so etwas wie ein Erwachsenen-Bafög nicht gibt. Qualifizierungen kosten schließlich Geld, das Betroffene oft aus eigener Tasche bezahlen. Die Existenz des Individuums ist in diesem Zeitraum jedoch nicht gesichert. Hier geht es darum, die Qualifizierung für das Individuum sowie die Qualifizierungsmaßnahme zu finanzieren. Und zwar eine richtige, die unserem Zeitalter entspricht.

Auch Start-ups und Gründer brauchen Unterstützung. Wie kann Innovationsförderung aussehen? Gibt es Vorbilder?
Künast: Wir haben eine andere Investitionskultur als beispielsweise in den USA, wo die Förderung von Wagniskapital fest verankert ist. Dort werden immer große Summen bereitgestellt – auch aus privater Hand. Mit Erfolg. 80 Prozent der Menschen werden zukünftig in Städten leben, also brauchen wir neue Gewerbegebiete, die mit Hochschulen kooperieren und sich auf Urban Technologies konzentrieren. Damit in den Städten und auch bei Hidden Champions auf dem Land innovative Ideen wachsen können, müssen wir den Zugang zu Mikrokrediten und Risikokapital vereinfachen.

Berlin hätte Ihrer Meinung nach schon vor vielen Jahren ein Standort für Elektrofahrzeuge sein können. Bundeskanzlerin Merkel hat verkündet, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf Straßen verkehren soll. Dies kann nicht eingehalten werden. Wie schafft es die deutsche Automobilindustrie sich nicht von internationalen Tech-Größen aus Asien und den USA den Rang ablaufen zu lassen?
Künast: Glücklicherweise haben die deutschen Autobauer trotz des Abgasskandals - der auf dem Rücken Millionen von Autofahrern und Eigentümern ausgetragen wird und Vertrauen zerstört - nach wie vor einen guten Ruf. Es wäre verrückt den guten Ruf von Qualität und lange fahrbaren Autos nicht auch in die Zukunft zu transportieren. Die Hersteller wähnen sich in meinen Augen noch zu oft auf einer sehr langen Zeitschiene. Sie machen despektierliche Aussagen über Tesla oder den Toyota Prius, aber man stellt sein Unternehmen nicht für die Zukunft gut auf, indem man schlecht über die anderen redet, sondern in dem man sich selber gut aufstellt. Die Tesla-Aktie schnellt auch deshalb nach oben, weil die berechtigte Vermutung dahintersteckt, dass das die Technologie der Zukunft ist. Tesla macht nicht nur Werbung, Tesla baut Ladepunkte aus. Mit dem Image fängt es an. Wir müssen uns auf den Weg machen für andere Antriebe und Ladepunkte für E-Mobilität. Diese sind die Basispunkte für die Struktur eines Industrielandes. So wie früher Stromleitungen, Schienen. Das dürfen wir jetzt nicht verschlafen.

Teil 1: „Wir dürfen die Zukunft nicht verschlafen“

Teil 2: „Ladepunkte für E-Mobilität sind die Basis für die Struktur eines Industrielandes“

Teil 3: „Wir brauchen einen neuen Verkehrsmix mit dem Schwerpunkt ÖPNV“

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Führen mit Stil

    Über Managementprinzipien und E-Commerce-Wandel diskutierten Otto-Vize-Chef Dr. Rainer Hillebrand und Ebay-Deutschland-Lenker Dr. Stephan Zoll auf dem ersten Hamburger Unternehmer-Dinner von EO und DUB.

  • Können Unternehmer ein Privatleben haben?

    Führungskräftetrainer und Effizienzexperten engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch vielbeschäftigte Unternehmer finden dieses Ziel oft unrealistisch.

  • „Wichtig war, nie abzuheben“

    „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ – unter diesem Titel ist eine Biografie über Professor Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG, erschienen. DUB UNTERNEHMER sprach mit ihm über ...

  • Passion für Pferde

    In dieser Serie berichten Unternehmerpersönlichkeiten davon, welchen Leidenschaften sie in ihrer Freizeit nachgehen. Den Auftakt macht Albert Darboven, Vorstandsvorsitzender und Inhaber des ...

  • Rendite – eine Standortfrage

    Deutschland ist im Immobilienfieber, auch bei Unternehmern. Beliebt sind nach wie vor A-Standorte wie München oder Frankfurt am Main – doch sind sie auch lohnenswert?

  • China Inside

    Reisen, lernen, netzwerken – Ende Mai wird eine „Handelsblatt“-Reisedelegation Kurs gen China nehmen, um das Reich der Mitte zu erkunden. Fünf Unternehmerinnen und Unternehmer erzählen, warum sie mit an Bord ...

  • Stolpersteine für Fremdmanager in Familienfirmen

    Der eine gibt zu viel Geld aus, der andere geht zu selten durch die Produktion: Manager, die neu in ein Familienunternehmen kommen, haben es nicht immer leicht.Dabei haben die Außenseiter einen entscheidenden ...

  • „Man kann nicht alle Cyber-Angriffe verhindern“

    Cybercrime-Experte Marco Gercke über Strategien der Prävention, die Verantwortung der Vorstände und was man aus simulierten Attacken lernen kann.

  • Immer etwas mehr tun

    - sprich besser, fleißiger, erfolgreicher sein -, so das Credo von Professor Dr. Reinfried Pohl. Der 85-Jährige führt die DVAG, den größten eigenständigen Finanzvertrieb Deutschlands, seit fast vier ...

  • Bewertung von GmbH-Anteilen zu Verkehrswerten unter steuerlichen Prämissen

    Während bis zum Jahr 2008 GmbH-Anteile für die vorgenannten steuerlichen Zwecke mit dem Stuttgarter Verfahren bewertet wurden, gelten seit dem ersten Januar 2009 andere Regeln.

  • Öko-Vorbild

    Claus Hipp leitet in dritter Generation den Säuglingsnahrungshersteller Hipp. Er führt die begründete Tradition der nachhaltigen Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln fort.

  • Was verdienen Vorstände?

    Aktionäre fordern heute maximale Transparenz über die Corporate Governance des Unternehmens. Dies gilt auch für die Vergütung der Vorstände.

  • Inhaber als Wachstumsbremse

    Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder aber viel zu viele mitmischen, wachsen die Firmen langsamer.Dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine exklusive Studie, die dem ...

  • Einfacher, billiger, leichter

    Chinesische Firmen erobern den Maschinenbau. Die deutsche Vorzeigebranche ist alarmiert.

  • "Wir können zuhören"

    Die Hamburger Volksbank wurde in einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zu Hamburgs mittelstandsfreundlichster Bank gekürt.

  • Herausforderung Reporting

    Flexibler, schneller, transparenter – das Berichtswesen leistet heute mehr denn je einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenssteuerung. Dazu bedarf es zuverlässiger Daten.

  • Wenn die Auslandsexpansion scheitert

    Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück, Thyssen-Krupp kehrt Brasilien den Rücken und MyParfum macht eine Bruchlandung in den USA. Woran Auslandsgeschäfte scheitern – und warum manchmal Bescheidenheit ...

  • Chefs auf Zeit

    Die meisten Aufträge erreichen sie aus der Automobilbranche sowie vom Maschinen- und Anlagenbau. Auf Interim-Manager greifen immer mehr Unternehmen zurück. Dennoch gibt es weiterhin Skeptiker.

  • Runter vom Sockel

    Mehr und mehr Führungskräfte von Unternehmen warten nicht mehr, bis die Mitarbeiter kommen, sondern gehen direkt zu ihnen. Aber zu viel Nähe der Chefs ist riskant

  • Automatisch unter Kontrolle

    Die Automatisierung interner Kontrollen kann die Effizienz und Effektivität von Überwachungssystemen entscheidend erhöhen. In der Praxis wird dieses Potenzial selten genutzt.

  • Verstecken nützt nichts

    Viele Unternehmer haben die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf die einheitlichen europäischen Formate noch nicht in Angriff genommen. Dabei wird es höchste Zeit.

  • Nachhaltig erfolgreich

    Lange bestimmten kurzfristige Renditeziele die Strategie vieler Unternehmen. Aus der Langzeitperspektive sind jedoch ökologische und soziale Aspekte von erheblicher Bedeutung.

  • Der Beirat in der GmbH

    Was bei der Einrichtung eines GmbH-Beirats zu beachten ist.

  • Sinnvolle Effizienzprüfung

    Eine Evaluierung im Aufsichtsrat bietet dem Gremium die Chance zu einer nachhaltigen Optimierung von Prozessen und einem „Mind Change“ in seiner Arbeit.

  • Der Wettlauf um Innovationen

    Wie Unternehmen auf Ideenjagd gehen. Firmen entdecken das Risikokapital wieder. Vor allem das Internet bietet attraktive Geschäftsmodelle.

  • Wertesystem für Unternehmen

    Mit einem Compliance-Management schaffen Unternehmen ihr eigenes Wertesystem. So sichern sie sich gegen Risiken ab, fördern ihr Image und können Wettbewerbsvorteile erlangen.

  • Für gesunde Unternehmen

    Für Unternehmer stellt die betriebliche Krankenversicherung ein wirksames Instrument des Personalmanagements dar, Mitarbeiter profitieren vom Zusatzschutz. So gewinnen beide Seiten.

  • Versiegt der Kreditfluss der Banken, bedienen sich Mittelständler alternativer Quellen.
    Die Basis verbreitern

    Versiegt der Kreditfluss der Banken, bedienen sich Mittelständler alternativer Quellen. Wie sich Private Equity engagiert und eignet.

  • Gewinn durch sanften Rückzug

    Wie trennt man Geschäftsführungs- und Gesellschafterfunktion? Wie sichert man die langfristige Verbindung zu den Altgesellschaftern? Das sind typische Fragen einer jeden Nachfolgeregelung. Ein Erfolgsbeispiel.

  • Nachhaltig in Bewegung

    Die Rechnungslegung international tätiger Unternehmen ist überaus anspruchsvoll. Wie die Automobilbranche beweist, leisten professionelle Wirtschaftsprüfer wertvolle Hilfe.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick