„Falsche Vorstellung“

Michael Gillig: ist Leiter des Competence Centers Block­chaining bei dem Münchner Beratungshaus Project Partners Management und berät Unter­nehmen beim Einsatz der Block­chain­-Technologie (Foto: PR)


Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Die Arbeit geht ihnen derzeit nicht aus. Bevor sich ein Unternehmen der Technologie öffnet, muss es aber zuerst seine Hausaufgaben erledigen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was kann ein Unternehmen tun, um sich der Blockchain anzunähern?
Michael Gillig: Es führt momentan noch kein Weg daran vorbei, sich intensiv mit der Technologie und deren Grundprinzipien auseinanderzusetzen. Beim Blockchaining fehlen noch weitgehend die Abstrak­tionsschichten, die es dem Nutzer erlauben, ohne technisches Verständnis Anwendungsfälle zu evalu­ieren oder gar Anwendungen zu konzipieren.


Wo lohnt die Blockchain am meisten?
Gillig: In vielen Prozessen zwischen Unternehmen und Kunden sind dritte Parteien involviert, um das Geschäft abzusichern. Das können zum Beispiel Fi­nanzdienstleister, Versicherungen oder Treuhänder sein. Dadurch werden Prozesse verlangsamt, Geld fließt ab, und Kunden­ und Unternehmensdaten ver­lassen den eigenen Einflussbereich. Genau da lohnt es sich, alles auf den Prüfstand zu stellen, was bisher als abgesteckte Domäne galt. Denn mit Blockchaining lassen sich viele Treuhänderfunktionen eliminieren.


Muss es immer die „große Lösung“ sein?
Gillig: Mit der „großen Lösung“ zu starten ist in der Regel die schlechte Variante. Wir sehen das bei Kun­den, die versuchen, gleich ganze Logistikketten in der Blockchain abzubilden. Es wurden euphorisch Projekte gestartet, die nicht oder jedenfalls noch nicht rea­lisierbar sind. Häufig wird dann aus Gründen wie Performance auf Private Chains zurückgegriffen und im Laufe des Projekts festgestellt, dass die Potenziale des Blockchainings dadurch weitgehend verloren ge­hen. Wir starten daher bei unseren Kunden grundsätzlich mit einem MVP, einem Minimum Viable Pro­duct. Das sind gut kontrollierbare Produkte oder Services mit eingeschränkter Nutzergruppe.


Wie gehen Sie bei der Beratung vor?
Gillig: Das hängt vom Wissensstand des Unterneh­mens ab. In der Regel starten wir mit einem Workshop, in dem Basiswissen vermittelt wird, um den Kunden in die Lage zu versetzen, überhaupt über Anwendungs­fälle diskutieren zu können. Dazu bringen wir immer ein auf den Kunden zugeschnittenes Beispiel in den Workshop mit. Häufig haben Unternehmer noch völ­lig falsche Vorstellungen davon, wie und für was man Blockchaining sinnvoll einsetzen kann. Wir haben eine Vorgehensweise entwickelt, um in kürzester Zeit ge­meinsam mit dem Kunden ein MVP zu konzipieren. Anschließend entwickeln und implementieren wir mit dem Kunden das MVP bis zur Marktreife. Das ist die Basis, um komplementäre Geschäftsmodelle zur Er­weiterung des Wertschöpfungsradius eines Unterneh­mens zu entwickeln. Hier sehen wir die größten Po­tenziale der Blockchain.

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