Teil 2: Interview mit Jörg Utecht, CEO Interhyp

„Der Vorteil der Finanzdienstleister ist, dass sie  den Kunden noch haben“

Baufinanzierung: In den USA funktioniert sie mittlerweile online (Bild: Topp_Yimgrimm/iStock.com)

Wie werden Impluse von außen verarbeitet?
Utecht: Innovationskraft kann nicht importiert werden, sie muss sich in der eigenen Organisation entfalten. Natürlich können Anstöße von außen helfen. Entscheidend aber ist eine Einheit, die diese Impluse auf das anpasst, was Kunden hier vor Ort wollen. Im Beispiel Baufinanzierung bringt die Feststellung wenig, dass in den USA ein Top-Online-Baufinanzierungsangebot auf die Beine gestellt wurde, weil der deutsche Kunde zu diesem Thema einfach einen Berater sehen will. Für uns geht es deshalb eher um die Frage, wie der Dialog zwischen Berater und Kunde mithilfe von Technologielösungen unterstützt und verbessert werden kann. Zentral ist es doch, diese Art des Denkens aufzusaugen. Was im Kern aus dem Silicon Valley zu uns herüberschwappt, ist eine Haltung: streng vom Kunden aus in Lösungen zu denken. Wenn man das – wie wir es bei Interhyp tun – beherzigt, vermeidet man Fehler. Dazu brauche ich aber keine Filiale im Silicon Valley.

Wo werden bei Ihnen Innovationen generiert?
Utecht: Wir haben eine Zukunftswerkstatt gegründet. Das ist eine Einheit von sechs Kolleginnen und Kollegen, die nichts anderes tun, als sich jeden Tag anzuschauen, was um uns herum passiert. Natürlich haben wir genauso im Blick, welche Angebote, welche Technologien international erfolgreich sind. Dabei geht es zum Beispiel um die Idee, anhand von Fotos einer Immobilie zu checken, ob und auf welchem Marktplatz das Objekt verfügbar ist, und dann mit den darunterliegenden Geodaten und dem Profil, das der Kunde angelegt hat, die Hypothek auszurechnen. Aber auch die Frage, was man aus ganz anderen Geschäftsfeldern auf die Baufinanzierung übertragen kann, beschäftigt unsere Zukunftswerkstatt.

Wie werden Fintechs die Finanzwelt verändern?
Utecht: Fintechs verleihen der Evolution der Branche einen Geschwindigkeitsschub. Am Ende ist aber entscheidend, wer den Kunden hat, wer es schafft, ihn zu begeistern, ihn an sich zu binden. Der Vorteil der Finanzdienstleister ist, dass sie – Stand heute – den Kunden noch haben. Was tun sie also mit diesem riesigen Asset? Und wie schnell schaffen sie es, die Dinge, die in der Fintech-Welt entstehen, aufzunehmen und auf sich anzupassen, um damit ihre Kunden zu begeistern? Dazu zählt auch, zu akzeptieren, dass andere schneller und progressiver sind. Meine Beobachtung ist, dass sich die Bereitschaft, etwas zu tun, massiv verstärkt hat.

Hat sich da tatsächlich ein neuer Spirit verankert?
Utecht: Ja, wir erleben das so. Ob das nun die Geschwindigkeit ist, mit der gerade die großen deutschen Institute agieren, die mit uns kooperieren. Auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen, Dinge auszuprobieren, ist da. Ich habe zum Beispiel großen Respekt vor der Art und Weise, wie man es geschafft hat, über die alten Banksysteme einen Layer zu legen, über die man neue Services anbieten oder sogar Fintechs andocken kann. Die Konsequenz, mit der Raum für Neues geschaffen wird, ist ebenfalls beachtlich. Ich erlebe schon, dass die vielfach gegründeten Venture-Hubs keineswegs nur Feigenblatt-Charakter haben. Wie aus diesen Einheiten heraus Dinge umgesetzt werden, hat natürlich nicht dieselbe Taktung wie im Silicon Valley – aber für den deutschen Bankenmarkt ist das mehr als beachtlich. Dieser Wandel, der da gerade stattfindet, wäre vor fünf Jahren undenkbar gewesen.

Teil 1: Breite Brust
Teil 2: „Der Vorteil der Finanzdienstleister ist, dass sie den Kunden noch haben“
Teil 3: „Interhyp gilt aufgrund unserer Historie in Gründerkreisen schon als eine Art Role-Model“

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