Teil 2: „Die Menschen sind flexibler als die Regeln des Arbeitsmarktes”


Seit 2013 ist Christian Lindner Parteivorsitzender der FDP (Foto: PR)

Brauchen wir für den Übergang ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Lindner:
Diese Stilllegungsprämie ist ein zynischer und falscher Vorschlag. Denn Arbeit ist auch Teilhabe. Ziel muss es immer sein, Menschen in Beschäftigung zu bringen. Wir fordern ein Bürgergeld, also ein Steuer- und Transfersystem aus einem Guss. Wer wenig verdient, bekommt Unterstützung vom Staat. Und jede Stunde, die ich mehr arbeite, jeder Euro, den ich mehr verdiene, ist für mich ein Anreiz, mehr zu tun, weil ich dafür etwas erhalte. Das ist ja auch ein Problem bei Hartz IV. Menschen, die etwas dazuverdienen, müssen so viel abgeben, dass sie manchmal am Ende sogar weniger in der Tasche haben. Das ist keine Leistungsgerechtigkeit.

Sie halten die deutschen Arbeitnehmer also für ausreichend flexibel und anpassungsfähig?
Lindner:
Absolut. Die Menschen sind flexibler als die Regeln des Arbeitsmarktes. Viele Vorstellungen vom Zuverdienst bei Hartz IV, viele Einschränkungen bei Werkverträgen, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat, das Arbeitszeitgesetz mit seinen Ruhezeiten, all das ist für viele Menschen doch keine Verheißung mehr, sondern viele empfinden das als bürokratische Fesseln.

Stichwort Start-ups: Wie kann ein deutscher Weg als Counterpart zum Silicon Valley aussehen?
Lindner:
Unabhängig vom Vergleich mit dem Silicon Valley müssen wir doch in Deutschland besser werden, als wir es bislang sind. Neue Unternehmen schaffen neue Arbeitsplätze. Sie sind für die Kunden von Vorteil, weil sie etablierte Platzhirsche unter Druck setzen. Wir brauchen neue Fachkräfte, also ein besseres Bildungssystem und ein Einwanderungsgesetz, damit die Top-Talente der Welt den Weg nach Deutschland finden. Wir brauchen Kapital, auch für unternehmerische Wagnisse. Viele Versicherungen und Versorgungswerke könnten ihr Geld nicht nur in Staatsanleihen und Immobilien anlegen, sondern auch als Investitionen in Neugründungen. Schließlich brauchen wir in Deutschland eine andere Kultur, die auch unternehmerische Wagnisse unterstützt, den Menschen Respekt zollt, weil sie es versucht haben. Einer der wichtigsten Gründe, warum Menschen in Deutschland den Weg in die Selbstständigkeit nicht gehen, ist die Angst vor dem Scheitern und der Häme, die sie dann erreicht.

Teil 1: Kein „Weiter so!”

Teil 2: „Die Menschen sind flexibler als die Regeln des Arbeitsmarktes”

Teil 3: Kein Verbot des Verbrennungsmotors

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