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Teil 2: „Wir brauchen eine neue Gründungsmentalität“

Am Puls der Zeit: Die Ministerin spricht per Video-Box auf der Fachmesse „Online Marketing Rockstars“ in Hamburg (Foto: dpa/Christian Charisius)

Trump twittert für Protektionismus, die Briten verlassen die EU und Martin Schulz fordert Gerechtigkeit für die hart arbeitende Mitte. Welche drängenden sozioökonomischen Probleme schaffen es Ihrer Meinung nach zurzeit nicht in die Schlagzeilen?
Zypries:
Frauen sind in den Spitzenpositionen und auch als Gründerinnen und Unternehmerinnen noch immer unterrepräsentiert. Das ist für mich nicht in erster Linie eine Frage von Gerechtigkeit, sondern von vertanen Chancen für unsere Wirtschaft. Wenn nur annähernd so viele Frauen wie Männer gründen würden, wäre dies ein riesiger Schub für unsere Wirtschaft. Ich treffe als Wirtschaftsministerin viele starke Frauen, die Vorbilder sind für junge Mädchen in der Schule und für junge Gründerinnen. Wir wollen die Frauen in der Wirtschaft sichtbarer machen, damit mehr Frauen den Weg zum eigenen Unternehmen wagen. Unter #StarkeFrauenStarkeWirtschaft erzähle ich ihre Geschichten.

Was machen Taxi- und Lkw-Fahrer, wenn autonomes Fahren Standard wird? Was wird aus Krankenpflegern, wenn Roboter ihre Aufgaben übernehmen? Droht ein Heer von Digitalisierungs- Arbeitslosen?
Zypries:
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt sind im Einzelnen heute noch nicht abzusehen. In diesem Zusammenhang werden die verschiedensten Szenarien diskutiert. Klar ist jedoch, dass ein „Entweder-oder-Denken“, wonach die Digitalisierung entweder massenhaft Arbeitsplätze vernichtet oder ausschließlich zum Motor neuer, attraktiver Beschäftigungsverhältnisse wird, zu kurz greift. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass durch Automatisierungsprozesse auf der einen Seite Arbeitsplätze verschwunden sind, aber dafür woanders neue Arbeitsplätze entstanden sind. So wird es auch bei der Digitalisierung sein. Industrie 4.0 bringt eine neue Arbeitswelt mit neuen Qualifikationsanforderungen. Diese Prozesse vollziehen sich aber nicht von heute auf morgen. Dabei ist es wichtig, dass wir die Menschen darauf vorbereiten und entsprechend qualifizieren, damit sie ihren Platz in der Arbeitswelt der Zukunft finden.

Stichwort deutsche Start-ups: Brauchen wir ein German Silicon Valley, und wie hilft die Bundesregierung dabei, die Start-up-Kultur zu befeuern?
Zypries:
Wir brauchen nicht ein großes Valley, sondern viele kleine! Wir verfügen in Deutschland über eine Vielzahl erfolgreicher Innovationscluster und über eine Reihe starker digitaler Start-up-Hubs mit internationaler Ausstrahlung, wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Dresden. Wir brauchen aber auch insgesamt eine neue Gründungsmentalität. Viele gute Ideen werden am Ende nicht zu einem erfolgreichen Unternehmen. Das Wirtschaftsministerium unterstützt Start-ups bei der Finanzierung durch eine Vielzahl großer Förder- und Finanzierungsprogramme, wie etwa das EXISTProgramm, das bei Gründungen aus Hochschulen finanzielle Starthilfe gewährt. Mit dem INVESTProgramm wird der Einstieg von Business Angels, die nicht nur Kapital, sondern auch wertvolles Know-how einbringen, attraktiver gestaltet. Zudem wird Technologie-Unternehmen über den Hightech- Gründerfonds Risikokapital zur Verfügung gestellt.

Daimler, BMW, VW & Co. – die deutsche Automobilindustrie steht gut da und vor der Revolution des selbstfahrenden Autos. Bislang hat noch nie eine alte Industrie wie etwa die Pferde- und Droschkenwirtschaft solch einen Sprung in eine neue Zeit geschafft. Welche Chance haben wir gegen Giganten wie Google, Uber und Apple, die aus Blechlimousinen fahrende Rechner machen wollen?
Zypries:
Die deutsche Automobilindustrie hat beste Chancen, die technologischen Veränderungen zu meistern. Deutsche Autobauer sind nach wie vor weltweit führend und verfügen über die Ingenieurkunst und die Erfahrung bei der Automobilproduktion, um auch das Auto der Zukunft zu bauen. In der Tat ist es jedoch eine Herausforderung, in einem wachsenden Markt vernetzter Mobilität als reine Fahrzeugzulieferer nicht in die zweite Reihe gedrängt zu werden. Die Elektromobilität entscheidet zusammen mit der Digitalisierung über die Zukunft des für Deutschland sehr wichtigen Industriezweiges. Die Politik muss den Rahmen schaffen, aber die Unternehmen müssen die notwendigen strategischen Entscheidungen im Konzern treffen und sich für die Zukunft positionieren.

Teil 1: „Ziel: Digitale Bildung ausbauen“

Teil 2: „Wir brauchen eine neue Gründungsmentalität“

Teil 3: „Entwicklung künstlicher Intelligenz selbst gestalten“

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