Exklusivinterview: „Brauchen digitalere DNA“

Etablierte Parteien müssen das Thema BGE positiv besetzen

Frank Thelen investiert unter anderem in Distributed-Ledger-Technologie

Frank Thelen: erzählt in seinem neuen Buch seine Lebensgeschichte. Ein spannender Blick hinter die Kulissen der Wirtschaft und eine Gesellschaftsanalyse (Foto: PR)

 

Sie sprechen in Ihrem Buch von der baldigen Notwendigkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens, befinden sich damit in prominenter Gesellschaft. Warum hadern die etablierten Parteien damit, sich konkret mit dem Thema zu befassen um Teile der Gesellschaft nicht weiter abzuhängen?

Thelen: Was alle Parteien eint, ist dass sie noch immer von Vollbeschäftigung sprechen, sie tun sich enorm schwer umzuschwenken und zu sagen: Es gibt keine Vollbeschäftigung, sondern es wird Menschen innerhalb der Gesellschaft geben, für die es einfach keinen sinnvollen Job mehr gibt. Sich dem Thema zu öffnen, erzeugt innerhalb der Parteien Angst, Stimmen zu verlieren. In direkten Gesprächen mit den Politikern wurde mir aber sehr deutlich, dass jeder, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt auch weiß, dass mittelfristig kein Weg am Grundeinkommen vorbeiführt. Ich würde mir von den etablierten Parteien wie CDU und FDP wünschen, dass sie das Thema endlich im Positiven für sich besetzen können.

Auch nennen Sie das deutsche Steuersystem und die neue DSGVO als Beispiele dafür, warum durch unnötige Komplexität, Veränderung verhindert wird. Könnte Deutschland den Datenschutz nicht auch innovativ vorantreiben und dort eine Marktführerschaft beanspruchen?

Thelen: Daten sind die Energiequelle, die Sonne für Künstliche Intelligenz. Ein Meer an Daten schlägt jeden Algorithmus. Das müssen sich die Menschen vor Augen führen. Deutschland und seine Unternehmen sollten nicht mehr im Bereich social mobile investieren. Dieser Zug ist abgefahren, der Markt von ausländischen Playern in den USA und China besetzt. Selbiges gilt für den Bereich Suchmaschinen. Aber es gibt neue Technologien: Quantencomputer, Künstliche Intelligenz, Blockchain. In diesen Bereichen müssen wir versuchen die Weltmarktführer aufzubauen. Und dafür brauchen wir Daten. Zur Datensicherheit: Jeder Service, der in Europa läuft, egal ob von Amerikanern, Chinesen oder Japanern betrieben, muss die DSGVO beachten. Bei jeder URL müsste es an der gleichen Stelle einen Button für ein immer gültiges Opt-out geben. Zusätzlich müsste es für jedes Betriebssystem, das in Europa ausgeliefert wird, ein globales Setting ermöglichen, dass ich Datenerhebung ausschalte.  Ich denke so könnten wir das Problem für beide Seiten sinnvoll lösen. 

Die Mammutaufgabe der Digitalisierung überfordert viele Unternehmer. Welcher Schritt ist der erste in Richtung einer erfolgreichen Umsetzung? Wie sollten Unternehmen konkret vorgehen?

Thelen: Zunächst müssen alle das Thema ernst nehmen. Oft überwiegt der Schmerz, nicht die Begeisterung über die große Chance. Am Ende des Tages muss die Digitalisierung aber von jedem Angestellten in jeder Abteilung gelebt werden. Es bedarf keiner Extraabteilung, jeder Mitarbeiter etwa aus Vertrieb oder Produktion muss digitalisieren wollen und es auch tun. Und: In Deutschland fehlt uns der Mut zur Fehlerkultur. Apple zum Beispiel hat den Verlust von Steve Jobs überlebt, weil sie dort nicht nur von Quartal zu Quartal denken, sondern ein Lebenswerk vor sich haben und sich langfristig etwas trauen.

Teil 1: Föderalismus behindert Bildung und Innovation 

Teil 2: Deutschland muss mehr Kapital für Technologie bereitstellen

Teil 3: Etablierte Parteien müssen das Thema BGE positiv besetzen

Teil 4: Die Höhle der Löwen informiert über Tech-Themen hinaus

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