Außer Kontrolle?

„Eine Super-KI kann enormen Wohlstand schaffen, von dem die gesamte Menschheit profitiert“

Bleibt bei aller Faszination um KI die Debatte um soziale Faktoren und menschliche Bedürfnisse nicht doch ein wenig auf der Strecke?

Schätzing: Ja. Das Soziale kommt zu kurz. Auch wenn vieles, was im Valley entsteht, dem Wohl der Menschheit dienen soll, bleibt die Kehrseite der KI-Forschung bestehen: Immer mehr Jobs werden von Maschinen übernommen, was wiederum Arbeitslosigkeit für Millionen von Menschen bedeutet. Ein Schreckgespenst, aber stellen wir uns kurz eine Zukunft vor, in der die Überwindung von Arbeit, wie wir sie heute kennen, als zivilisatorische Errungenschaft gilt, und wir mehr Zeit für humanistische Projekte haben. Eine Super-KI kann enormen Wohlstand schaffen, von dem die gesamte Menschheit profitiert.

Wie soll das gehen?

Schätzing: Indem der Gewinn nicht nur den Eliten zukommt, sondern jedem Einzelnen. Das beginnt mit der Bereitstellung einer bedingungslosen Grundversorgung. Eine weitere Notwendigkeit ist, zu einem neuen Selbstbild zu gelangen. Die jetzige Diskussion zeigt, dass wir uns als Menschen vornehmlich über unsere Produktivität definieren. Aber sind wir wirklich nur die Summe unserer Arbeit? Was macht uns noch aus? Letztlich lautet die Frage: Wie stark werden wir mit KI verschmelzen? Wie tiefgreifend wird sie uns als Spezies verändern, im biologischen und geistigen Sinne?

Beim ersten Lesen des Titels kam mir sofort der Begriff des Schmetterlingseffekts in den Sinn. Dieser besagt, dass nicht vorhersehbar ist, in welchem Maß sich beliebig kleine Änderungen der Anfangsbedingungen des Systems langfristig auf die Entwicklung des Systems auswirken. Zum Beispiel: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen? Inwieweit hat sie das Thema beim Schreiben beschäftigt?

Schätzing: Tatsächlich gar nicht. Die Chaostheorie ist zwar ein altes Steckenpferd von mir, hat aber mit dem Schmetterling im Buch nichts zu tun. Der ist eine Metapher für etwas anderes: für die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der eine selbstlernende Künstliche Intelligenz klüger wird. Beim Schreiben erschienen mir die Speicherschränke der KI auf einmal wie Kokons, in denen unvorstellbares Wissen brütet. Was könnte daraus schlüpfen? Ein Schmetterling, sagt ihr Erfinder im Buch, ist eine Superintelligenz, die alle unsere Probleme löst. Doch wer kann sagen, ob die Flügel des Schmetterlings nicht schwarz statt bunt sein werden?

Im Roman spielen Sie mit der Idee eines Multiversums. Ihre Hauptfigur Luther Opoku reist zwischen den Welten, eben durch ein Paralleluniversum. Scheint ein solches Szenario wirklich möglich oder bleibt dies auch in Zukunft Romanfiktion?

Schätzing: Im Buch ist das ein Mechanismus, um die verschiedenen Entwicklungsstadien einer KI darstellen zu können. Aber – psst – wir verraten zu viel!

Teil 1: „Schon jetzt sind manche KIs die besseren Naturwissenschaftler und Analysten“

Teil 2: „Zuckerberg geht es um Daten, Macht, Geld und Kontrolle“

Teil 3: „Eine Super-KI kann enormen Wohlstand schaffen, von dem die gesamte Menschheit profitiert“

 



Termine Leseshow:

09.10. Philharmonie im Gasteig, München, 20 Uhr
14.10. lit.Ruhr, Lichtburg Essen, 19.30 Uhr 
16.10. Göttinger Literaturherbst, Stadthalle Göttingen, 19 Uhr
20.10. Theater Münster, 20 Uhr
21.10. Westbad Leipzig, 18 Uhr 

Weitere Termine: Frank Schätzing im Gespräch mit Miriam Meckel

24.08. Im großen Sendesaal des RBB, Berlin. Moderiert von Thomas Böhm, 20 Uhr
07.10.
Schauspielhaus Düsseldorf, 18 Uhr

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