Außer Kontrolle?

„Zuckerberg geht es um Daten, Macht, Geld und Kontrolle“

Frank Schätzing plädiert für einen Wandel hin zu sozialen Werten

Frank Schätzing: Der Autor glaubt an die Gefahren, welche die Künstliche Intelligenz mit sich bringen könnte  (Foto: PR)

Inhi Cho Suh, General Managerin bei IBM, oder auch Mark Zuckerberg sowie Wladmir Putin sehen mehr Chance als Risiko im Bereich der KI. Wie realistisch schätzen Sie ein Szenario ein, in dem die Technologie dem Menschen zur Gefahr wird?

Schätzing: Realistisch. Es muss nicht immer gleich das Untergangsszenario sein. Aber der Moment des Innehaltens, der Risiko-Abwägung, fehlt mir in der Welt des Silicon Valleys. So sehr ich es begrüße, dass dort nicht wie anderswo – auch hierzulande – Bedenkenträger jede kühne Neuerung verhindern, so sehr stört mich der Mangel an Reflektion. Zudem muss man sehen, wer KI aus welcher Interessenlage heraus beurteilt. Auf Zuckerbergs edle Absichten würde ich nicht setzen. Dem glaube ich per se erst einmal gar nichts. Ihm geht es um Daten, Macht, Geld und Kontrolle. Putin? Na ja. Vordenker wie Larry Page, Elon Musk und Jaron Lanier hingegen weisen sich zunehmend als Mahner aus und fordern mehr Zeit zum Innehalten, um heute keine irreparablen Fehler zu machen.

Wirtschaftsgrößen wie Elon Musk, Bill Gates oder zu Lebzeiten auch Stephen Hawking warnen vor den unabsehbaren Folgen und Gefahren von KI. Ein Leben ohne den Einsatz von KI scheint jedoch heute angesichts der zahlreich eingesetzten Algorithmen kaum noch denkbar. Eine Zwickmühle. Wo müssen die Grenzen verlaufen, innerhalb der sich die KI bewegen darf? 

Schätzing: Aus dem Hier und Jetzt heraus ist es wahnsinnig schwer, überhaupt eine Grenze zu ziehen. Denn wer zöge sie? Unsere Vorstellungskraft. Und die ist dann doch sehr überschaubar. Das stürzt uns in ein Dilemma: Grenzen wir die KI mit unseren bornierten Vorstellungen zu sehr ein, kann sie nicht liefern, was wir uns von ihr erhoffen. Dann wäre sie wie ein Astronaut, der für uns zu den Sternen fliegen soll, und den wir aus lauter Angst, er könne abheben, anseilen. Das Problem ist, wir können zwar wollen, dass die KI uns hilft, aber wir können nicht wollen, was wir wollen – wer hätte im Mittelalter das Internet wollen können? Lassen wir der KI also völlig freie Hand? Einem sich selbst rasant verbessernden System, das wir schon bald nicht mehr verstehen werden? Dann laufen wir Gefahr, dass sie irgendwann gegen unsere Interessen zu handeln beginnt. Unsere Weitsicht reicht schlicht nicht aus, ihr ultimative Grenzen zu stecken. Vielmehr müssen wir immer aufs Neue die Weichen stellen, um der KI den größtmöglichen Freiheitsgrad zu gewährleisten, ohne dass sie ethische Regularien umgeht. 

Eine Maschine kennt – Stand jetzt – keine Ethikvorstellungen. Wird Sie diese erlernen können?

Schätzing: Algorithmen sind ein bisschen wie Gene. Unsere Wertvorstellungen, unsere Gefühle, unser Empfinden für Menschenwürde, all dies ist nicht genetisch hinterlegt, sondern gründet auf kulturell getroffenen Vereinbarungen, und ebenso wenig lässt es sich in Algorithmen ausdrücken, die nichts weiter sind als mathematische Handlungsanweisungen. Eine Maschine verspürt kein Glück, keine Trauer, kein Bedürfnis nach Würde, sie hat ja nicht mal ein Empfinden ihrer eigenen Existenz. Dennoch kann sie durch permanente Beobachtung der realen Welt autonom lernen, was Ethik und Gefühle für uns bedeuten. Dafür braucht sie Zugriff auf die Gesamtheit aller verfügbaren Daten. Wir als Menschen müssen sicherstellen, dass sie, was da erlernt, nicht missversteht.

Will heißen: Je besser die Menschen sich also an Wertevorstellungen festhalten und sozialen Frieden anstreben, desto weniger haben sie von einer Künstlichen Intelligenz zu befürchten?

Schätzing: Je gefestigter ihre Vorstellungen davon werden, wie die perfekte Welt auszusehen hat – auf der Basis unserer Eingaben –, desto deutlicher wird die Maschine erkennen, dass eine Größe in der Gleichung nie perfekt sein wird: wir Menschen. So wie Kinder irgendwann rausfinden, dass Eltern fortgesetzt gegen die von ihnen selbst gepredigten Grundsätze verstoßen. Wir sollten der Maschine also vorleben, was wir von ihr verlangen, nämlich ethisches Verhalten, und zugleich im eigenen Interesse vermeiden, dass sie nach Perfektion zu streben beginnt. Das Streben nach Perfektion endet mit unserer Abschaffung.

Teil 1: „Schon jetzt sind manche KIs die besseren Naturwissenschaftler und Analysten“

Teil 2: „Zuckerberg geht es um Daten, Macht, Geld und Kontrolle“

Teil 3: „Eine Super-KI kann enormen Wohlstand schaffen, von dem die gesamte Menschheit profitiert“

Das interessiert andere Leser

  • Bemessung des Unternehmerlohns

    Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen. Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

  • Gewinnspiel zum Buch "Familienexternes Management im Mittelstand"

    Wir verlosen drei Fachbücher zum Thema Unternehmensnachfolge außerhalb der Familie. Weitere Informationen zum Buch und zum Gewinnspiel gibt es hier.

  • Oasen zum Verlieben

    So langsam steigt wieder die Lust auf Wellnessurlaub. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin und Travelcircus stellen drei der schönsten Spa-Tempel in Deutschland und Österreich vor.

  • Thomas Röhler: „Sport-Stipendiat des Jahres“

    Der Olympiasieger und Europameister im Speerwerfen ist zum „Sport-Stipendiat des Jahres 2018“ gekürt worden. Die Deutsche Bank verdoppelt nun sein Stipendium für die nächsten 18 Monate auf 800 Euro.

  • Digitale Kundenansprache meistern

    Bei der digitalen Customer Journey haben deutsche Unternehmen noch Nachholbedarf. Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft erläutert, wo es hakt.

  • Franchisesystem Town & Country Haus wird Preisträger des Hausbau-Design Awards 2018

    Erster Platz in der Kategorie „Bungalows“ – so lautete das Ergebnis des diesjährigen Hausbau-Design Awards für einen Entwurf von Town & Country Haus.

  • FranchiseExpo18 – ein Rückblick auf Deutschlands größte Franchise Messe

    Die Franchise Expo 2018 war für DUB.de und die gesamte Franchise-Szene ein voller Erfolge. Ein Resümee.

  • Moderne Klassik

    Als besonders robust und zuverlässig gelten die mechanischen Zeitmesser des Frankfurter Herstellers Sinn Spezialuhren. Das liegt an eigens entwickelten technologischen Lösungen.

  • Zeit ist Qualität

    Guter Champagner braucht einen guten Wein. Und drei Zutaten: Leidenschaft, Handwerk sowie Geduld. Wir haben die Geheimnisse des Edel-Schaumweins vor Ort bei Bertrand Lhopital erkundet.

  • Volle Pulle Vintage

    2.000 Kilometer von Nordschottland nach Südengland. Ein Erlebnis auf knorrigen alten Motorrädern und neue Heritage-Bikes. Bei der „The Great Mile“ dabei: unser Autor Ralf Bielefeldt.

  • Stromern, nicht knattern

    Elektromobilität ist modern, trendig und umweltfreundlich. Doch auch E-Autos sind in überfüllten Städten ein Fehler. Die Alternative: der elektrisch angetriebene Roller Unu.

  • Schneller Deal - Franchisegeber in der mobilen Fritteusenreinigung

    Zügig und effizient läuft die Suche nach Franchisenehmern bei FiltaFry ab. Im besten Fall vergeht von der Bewerbung bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein Monat. Wobei achtet der Franchisegeber bei der ...

  • Reite die Welle

    Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Seine Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

  • Drei Tage Willenskraft

    Im Face-Camp von Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalk.

  • „Brauchen digitalere DNA“

    Frank Thelen fordert und fördert in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ junge Start-ups. Der Bundesrepublik verordnet er ein 360-Grad-Aufputschpaket für Wagniskapital.

  • Titelthema: Märchenhafte Reise

    Ob Dax-Konzern oder Familienbetrieb, Start-up oder Traditionsunternehmen, B2B oder B2C: Kaum etwas wird in Chefetagen so heiß diskutiert wie die Customer-Journey.

  • Eigene Firma gründen: Das sind die ersten Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser