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Hamburg, 17.05.2017

Teil 2: Globale Kapazitäten

Dr. Cornelius Boersch: Der Founder und Chairman von Mountain Partners ist Unternehmer, Business Angel und Gründer mehrerer Technologiefirmen. Der „Unternehmertag“ ist seine promiment besetzte jährliche Netzwerkveranstaltung (Foto: PR)

Setzen Sie auf einen bestimmten Start-up-Typus?
Boersch: Wir setzen auf die Internationalisierung digitaler Geschäftsmodelle. Die war früher ein Privileg der großen Unternehmen, heutzutage treiben Start-ups sie voran. Entgegen kommt Ihnen dabei, dass die technische Ausstattung bei den Digital Natives in aller Welt quasi gleich ist. Und dass die digitale Idee in Berlin ebenso funktioniert wie in Boston, Kuala Lumpur oder Rio de Janeiro, weil die Trends von den Digital Natives global getragen werden. Anders in unserem Vorgehen ist allerdings, dass wir nicht mehr der Mär vom Gründer und seiner Vision anhängen, die ein Start-up prägen. Wir setzten vielmehr auf ein „industrial farming“, indem wir Trends und Ideen gezielt mit Gründer-Unternehmern und Geld zusammenbringen. Sprich: Wir sagen, dass man erfolgreiche Start-ups produzieren kann. Die Erfolgsquote liegt dabei bei 80 bis 90 Prozent. Neben Mountain Partners bin ich selbst regelmäßig mit 40 Prozent privaten Mitteln investiert.

Wie spüren Sie globale Investmentchancen auf?
Boersch: Zentral sind vor allem zwei Komponenten: das Netzwerk und das Prinzip des „industrial farming“. Mountain Partners vertritt 100 Familien, die Gesellschafter sind. In Emerging Markets eröffnet uns dieses Netzwerk den Zugang zu den dort dominanten Familien, die teils über Generationen Milliarden verdient haben und natürlich über ihre Verbindungen bestens informiert sind, welche Chancen sich vor Ort bieten. Am Ende funktioniert das Business über die Verbindung zwischen Menschen.

Sie haben durch Ihre Tochterfirma Mountain Nazca nun auch den brasilianischen Ableger der E- Commerce-Plattform Groupon erworben. Wachstum ist ein Ziel. Erwarten Sie zusätzliche Impulse?
Boersch: Natürlich agieren wir als Investoren auch opportunistisch. Und in Lateinamerika hatten wir die Möglichkeit, über Felipe Henriquez, Managing Partner von Mountain Partners Nazca und Gründer von Groupon Lateinamerika, in ein Modell einzusteigen, das bereits seine Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Positiver Nebeneffekt: Groupons Reichweite ist ideal, um mit anderen Start-ups vor Ort Synergien herzustellen. Trotz all des Südamerika-Bashings in Teilen der Presse: Dynamisches Wachstum – gerade auch mit Blick auf die Zukunft – findet genau dort statt und nicht mehr in Europa. Dazu reicht ein Blick auf die alternde Bevölkerung, die starre Politik und langsame Umsetzung neuer Technologien. In Lateinamerika hingegen ist der Hunger nach digitalen Services extrem hoch. Denn daran fehlt es vor Ort noch weitestgehend.

Was ist das Geheimnis hoher Erfolgsquoten bei risikoreichen Start-up-Investments?
Boersch: Ein neues Business birgt grundsätzlich zwei Risiken, die es gilt, systematisch herunterzufahren: zum einen das zentrale Geschäftsmodellrisiko. Wenn die digitale Idee allerdings in Berlin schon funktioniert, sinkt das Risiko für deren internationales Ausrollen erheblich. Das zweite Risiko ist das der Ausführung. Standards wie Infrastruktur, Steuern, Recht et cetera müssen funktionieren, damit es operativ laufen kann. Hier haben wir global gezielt Kapazitäten aufgebaut, um dies zu gewährleisten.

Teil 1: Der Start-up-Fabrikant
Teil 2: Globale Kapazitäten
Teil 3: Die größte Wertschöpfung

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