Führung ist eine Wahl

New Leadership: Offen mit Schwächen umgehen


Ist es schwieriger als Frau Karriere zu machen? Musstest du dich mehr anstrengen als deine Kollegen, um das Gleiche zu erreichen?

Polaszewski-Plath: Ich finde das ist eine großartige Frage. Wenn ich meine letzten zehn Jahre in amerikanischen Unternehmen betrachte, dann habe ich mich nie mit anderen verglichen. Hört sich komisch an, aber ich habe immer das gemacht, wofür ich persönlich brenne und wo ich hinter stehe. Und gerade in Technologie-Unternehmen gibt es einen starken Support in Form von Netzwerken und Initiativen zur Frauenförderung.

Aber muss sich das Jobprofil von Managern nicht auch anpassen? Gerade im Hinblick auf die Möglichkeit als junge Mutter oder junger Vater Teilzeit arbeiten zu können?

Polaszewski-Plath: Ja klar, aber auch das ist eine Wahl, glaube ich. Ich habe gewählt, Vollzeit zu arbeiten, weil ich nur dann eine großartige Mutter sein kann, wenn ich für mich die richtige Wahl treffe. Das treibt mich innerlich an. Wenn ich kein erfülltes Berufsleben hätte, würde ich mich nicht ganz fühlen. Aber natürlich, um da eine Balance zu erreichen, braucht man einen Partner, der das ganze unterstützt und eine gute Infrastruktur. Schlimm wäre es nur, wenn man von vornherein davon ausgeht, dass eine Frau mit Kindern keine Managerin sein kann, weil sie andere Verpflichtungen hat.

Hattest du eine Mentorin, die dich in deiner Karriere bisher unterstützt hat?

Polaszewski-Plath: Ja, ich glaube das ist das A und O. Es hat mir immer sehr geholfen, in Entscheidungsphasen mit Menschen in meinem Umfeld zu reflektieren. Ich habe mir Rat eingeholt, mir Fragen stellen lassen. Das hat mir geholfen, meine Entscheidungen zu treffen. Bei Eventbrite haben wir auch ein Mentoren-Programm. Dabei stehe ich global im Unternehmen als Mentorin zur Verfügung und begleite eine Gruppe oder auch individuelle Mitarbeiter über einige Monate zu bestimmten Themen. Und das Frauennetzwerk KOA unterstütze ich als Ambassador, weil es jungen Frauen, die Möglichkeit gibt, sich ein Netzwerk aufzubauen. Ich gebe an andere zurück, was mir auch selbst über die Jahre geholfen hat.

Wie bestärkst du deine Mitarbeiter darin, offener mit ihren Schwächen umzugehen?

Polszewski-Plath: In erster Linie lebe ich das vor. Was wiederum heißt, dass ich verletzlich bin. In dem Moment, wo du als Führungskraft einen Fehler machst, musst du in der Lage sein, diesen auch offen anzusprechen. Wenn du das vorlebst, öffnest du Türen. Du gibst das Signal, dass es okay ist, Fehler zu machen, aber auch, dass du aus diesen Fehlern etwas lernst.

Das klingt sehr amerikanisch...

Polszewski-Plath: Ich weiß, aber es funktioniert. In dem Moment wo ich mich als Führungskraft menschlich mache, eröffne ich eine Plattform für offene Kommunikation.

In Deutschland gibt es seit einiger Zeit eine Frauenquote, in Amerika nicht. Wie stehst du zu diesem Konzept?

Polszewski-Plath: Ich selbst bin kein Fan der eigentlichen Frauenquote. Keine Frau möchte einfach nur eine Quote in einem Unternehmen erfüllen. Aber ich glaube, die Quote ist wirklich großartig für die Diskussion um Frauen in Führungspositionen. So kommen die Diskrepanzen zwischen Männern und Frauen an die Oberfläche. Es wird immer mehr darauf geachtet. In Amerika sind auch ohne Frauenquote immer mehr weibliche Berufstätige in Führungspositionen. General Motors hat jetzt zum Beispiel das erste mal eine Frau als CEO.

Teil 1: New Leadership: Millennials wollen andere Chefs

Teil 2: New Leadership: Offen mit Schwächen umgehen

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