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Inhaber als Wachstumsbremse

Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder aber viel zu viele mitmischen, wachsen die Firmen langsamer.Dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine exklusive Studie, die dem Handelsblatt vorliegt.

Friedhelm Loh muss keinem etwas vormachen. Der Vorstandschef der gleichnamigen Unternehmensgruppe mit 2,2 Milliarden Euro Umsatz im hessischen Haiger spricht über Rückschläge: "Wir sind nach der Krise 2009 durch eine erfolgreiche Aufholjagd trotz Desinvestitionen wieder auf das Niveau von 2008 gewachsen", erklärt der 67-Jährige, der seit 40 Jahren Alleininhaber der Gruppe ist und Arbeitgeber von mehr als 11 000 Mitarbeitern. "2013 haben wir uns im Ausland positiv entwickelt, im Inland aufgrund der Marktentwicklung aber leider nicht."

Offenbar gehört Loh zu den Prototypen deutscher Familienunternehmen: Die Macht liegt in einer Hand, und das meist über Jahrzehnte. Unternehmenswachstum ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit, aber kein Selbstzweck. Das bestätigt eine aktuelle Studie bei 461 geschäftsführenden Gesellschaftern des Wittener Instituts für Familienunternehmen (Wifu) und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC.

 Mehr als die Hälfte der Firmenchefs hält mindestens 40 Prozent der Anteile am Unternehmen. Laut Studie hängen Eigentümerstruktur und Wachstum eng zusammen: Wenn nur einer das Sagen hat oder aber viele Gesellschafter Einfluss haben, wachsen die Unternehmen langsamer. "Für die befragten Familienunternehmen gilt: Je höher der Anteil familienfremder Geschäftsführer und je kürzer die Amtszeit der Geschäftsführer ist, desto eher nimmt das Wachstumstempo zu", erklärt PWC-Vorstand Peter Bartels.

Wifu-Direktor Tom Rüsen warnt vor voreiligen Schlüssen: "Eine optimale Anzahl der Familiengesellschafter gibt es nicht." Denn Unternehmen wie Merck und Freudenberg mit 200 oder noch mehr Gesellschaftern organisieren ihre Entscheidungen sehr effizient, indem sie nur einen kleinen Beirat als entscheidungsfähig entsenden. Rüsen prophezeit, dass bald Bewegung in das Thema Unternehmensanteile kommen wird: "Wir stellen gerade fest, dass zurzeit die Anteile wieder früher übergeben werden wegen der anhaltenden Diskussion über die Erbschaftsteuer."

Die Loh-Gruppe ist mit Schaltschränken, Software- und Automatisierungslösungen groß geworden, im Krisenjahr 2009 aber brach der Umsatz um 37 Prozent ein. Mittlerweile ist Loh in die Bereiche IT-Standardrechenzentren und mechanische Software eingestiegen, aber aus den Themen erneuerbare Energien und dem Autozuliefergeschäft ausgestiegen. "Geschäftsmodelle muss man auf den Prüfstand stellen", sagt der Firmenchef und ergänzt: "Man muss den Mut haben, auch wieder auszusteigen, wenn sie nicht nachhaltig sind." Das war bei der Photovoltaik und bei den Blockheizkraftwerken der Fall. Ausprobieren aber gehöre ganz klar zu den Aufgaben eines Familienunternehmens, findet Loh und kann das allein entscheiden. Loh hat einen Teil des elterlichen Unternehmens vor 40 Jahren übernommen und nach und nach weitere Firmen gegründet, manche auch zugekauft und so seine eigene Unternehmensgruppe geformt, sein Bruder tat das Gleiche. Getrennte Unternehmen, eine Familie lautet die Devise.

Rolf und Klaus Kremers führen den 160 Jahre alten Bettwarenhersteller Paradies in Neukirchen-Vluyn in fünfter Generation. Beide sind die einzigen Gesellschafter. "Dies macht die Entscheidungsfindung angenehm leicht", sagt Klaus Kremers. Paradies wächst mit seinen Bettwaren-Produkten stärker im Ausland und - "je weiter weg, desto stärker", Genaueres sagt er nicht. Japan ist für Kremers der wichtigste Markt in Asien. Allerdings "wird China immer wichtiger". Mit mehr als zwei Dritteln investierten mehr Familienunternehmen in Chinaals in den USA, stellt Bartels fest. Wifu-Direktor Rüsen, hat noch etwas anderes beobachtet: "Die aktuellen Nachfolger müssen sich nun häufiger in China bewähren, bevor sie Führungsverantwortung übernehmen." Die Väter seien in die USA gegangen, die Kinder sollen nun das Geschäft in Asien aufbauen. Tatsächlich wachsen immer mehr Familienunternehmen auch durch Akquisitionen, ein Ergebnis, das Rüsen und Bartels durchaus überraschte. Auch Loh und Kremers kauften schon zu, auch im Ausland, so wie 38 Prozent der Befragten. Die Studie belegt: Fast ein Fünftel der Befragten gründet und kauft Konkurrenten im In- und Ausland. Einem Drittel der Unternehmer sind ausländische Übernahmen zu heikel, und ein Viertel schließlich schließt Übernahmen ohnehin komplett aus - sie wachsen nur organisch und in der Heimat.

 

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