Immobilien-Roundtable: „Die Party zieht vom Haus in den Garten“

Passt der Online-Vertrieb zur Immobilienbranche?

Auch im Immobilienbereich spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Internetvertrieb und Crowdinvestments sind hier Stichworte. Auch für Sie ein Thema?

Heinen: Immobilienbeteiligungen sind vergleichsweise komplexe und erklärungsbedürftige Produkte. Dazu passt meines Erachtens der Internetvertrieb noch nicht wirklich. Zudem haben wir in den letzten Monaten auch bereits einige Crowdinvestments mit Immobilien gesehen, die nicht funktioniert haben. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Vermittler ein kritisches Augenmerk auf die Qualität der Produkte haben – schon aus Selbstschutz. Digitalisierung ist für uns ein Bereich, der Prozesse verschlankt, sie schneller macht und letzten Endes auch Kosten reduziert. Unseren Vertriebspartnern bietet die Digitalisierung eine zusätzliche Sicherheit, dass eine vernünftige und rechtskonforme Beratung stattfindet und Informa­tionen im Sinne der Regulierung unserer Branche ­entsprechend gespeichert werden. Das ist gegenüber dem reinen Online-Vertrieb ein enormer Vorteil.

Thies: Das sehe ich genauso. Unser Durchschnittsanleger ist 60 Jahre alt und zeichnet rund 25.000 Euro. Das macht er sicher nicht abends schnell auf dem Sofa – komplett ohne eine Beratung. Natürlich können wir mit digitalen Prozessen die Abwicklung und die Transparenz für alle Beteiligten optimieren – quasi als Service für Investoren und Vertriebspartner. So arbeiten wir zum Beispiel gerade selbst an einer digitalen Zeichnungsstrecke, die wir unseren Vermittlern als Service für ihre Gespräche anbieten können. Ich bin absolut davon überzeugt, dass der analoge Vertrieb und insbesondere die eingehende Beratung bei beratungs­intensiven Investmentprodukten nach wie vor notwendig und nachgefragt ist.

Schütz: Dass für viele Anleger bei erklärungsbedürftigen Produkten die persönliche Beratung weiterhin eine wichtige Rolle spielt, unterschreibe ich sofort. Doch wir sollten nicht vergessen, dass auch unsere Zielgruppe jünger und digitaler wird. Und wir haben durchaus den 30-Jährigen, der 20.000 Euro anlegen will, jedoch andere Vertriebswege nutzt und ein ganz anderes Verständnis davon hat, wie er seine Produkte auswählen möchte. Der kauft und bezahlt mittlerweile nur noch online und ist bloß noch mit Carsharing und E-Roller unterwegs. Dieses Mindset sollten wir in unser Geschäftsmodell integrieren.

Hofmann: Die digitale Umwälzung wird vor dem Immobilienvertrieb nicht haltmachen. In der Entwicklung sind Ansätze, die etwa bei der Immobiliensuche sämtliche Daten verknüpfen, die öffentlich zur Verfü­gung stehen. Dann summt das Smartphone, wenn Sie in der Gegend eine Wohnung angeschaut haben, und sagt Ihnen, wo nebenan ein interessantes Objekt ist und an welches Unternehmen Sie sich wenden müssen, um sich darüber zu informieren. Inklusive Bewertung, welches Produkt das für Sie passende und auch sicherste ist. Bis dahin ist es kein weiter Weg mehr.

Teil 1: Droht Deutschland eine Immobilienblase?

Teil 2: Anreize statt Mietpreisbremse

Teil 3: Passt der Online-Vertrieb zur Immobilienbranche?