"Ich möchte das Leben auskosten“

Nach seiner Krebserkrankung orientierte sich Robert Kronekker neu und gründete seine eigene Firma. Sollte er nochmals ausfallen, greift ein Notfallplan.

Er hat geschafft, was Fachärzte für unmöglich hielten: Nach knapp zehnmonatiger Chemotherapie gewann Robert Kronekker im Alter von 20 Jahren den Kampf gegen Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. Heute ist er gemeinsam mit Geschäftspartner Philip Kahnis Chef des Kölner Start-ups Hafervoll. Seit mittlerweile elf Jahren gilt er als gesund, doch die stille Angst vor einer Neuerkrankung bleibt.

„Ich lebe jeden Tag damit, aber ich habe nicht vor, mich vom Grübeln oder der Sorge unterdrücken zu lassen. Stattdessen möchte ich das Leben auskosten und genießen“, sagt Kronekker. Gleichzeitig ist er sich seiner unternehmerischen Verantwortung bewusst und hat für den Ernstfall mit einem Notfallplan vorgesorgt.

Den Notfallkoffer zur Hand

Für viele Firmen gehört das noch längst nicht zum Standard: Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag e. V. hat 2014 nur ein Viertel der Senior-Unternehmer in Deutschland alle Unterlagen für eine reibungslose Fortführung ihrer Geschäfte im Notfall zusammengestellt. Und das, obwohl der eigene Unfall oder eine schwere Krankheit nach einer Studie von YouGov Psychonomics zu den größten Sorgen von deutschen Selbstständigen zählt. 72 Prozent der 506 befragten Unternehmer gaben an, dass diese  Schicksalsschläge ihre betriebliche Existenz gefährden können.

Um frühzeitig für den Ernstfall vorzusorgen, raten Unternehmensberater wie Elke Kirchner, Geschäftsführerin von EcoSoulution, ihren Kunden zu einem Notfallkonzept. „In erster Linie enthält dies Vollmachten und Vertretungsregelungen innerhalb des Unternehmens. Außerdem gehören geschäftliche Unterlagen, wie zum Beispiel Verträge oder Zugangscodes,
dazu“, sagt Kirchner. Je nach individuellem Wunsch können auch private Anweisungen wie etwa Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten hinterlegt werden.

„Wichtig ist vor allem, dass der Geschäftsführer jemanden benennt, dem er vertraut und der seine Wünsche gewissenhaft umsetzt. Derjenige sollte bestenfalls laufend in alle wichtigen Entwicklungsschritte und Entscheidungen eingebunden sein“, so Kirchner.

Sieg für den Lebensmut

Der Notfallplan von Robert Kronekker sieht eine nahtlose Übergabe an seinen Geschäftspartner vor. Zwar betreuen sie unterschiedliche Geschäftsbereiche, doch sind beide gleichermaßen in alle Prozesse eingearbeitet. Kahnis ist hauptsächlich für den Vertrieb verantwortlich, während Kronekker die Produktentwicklung ihrer gesunden Müsli-Snacks ohne Zusatzstoffe – sogenannte Flapjacks – vorantreibt. „Wir können jederzeit für den anderen einspringen, sodass unsere Firma im schlimmsten Fall auch von einem allein weitergeführt werden könnte“, so Kronekker. Zusätzlich hat er bereits bei der Gründung 2013 eine Risikolebensversicherung abgeschlossen, die im Todesfall an das Unternehmen ausgezahlt wird.

Davon abgesehen beschäftigt sich der 31-Jährige möglichst selten mit seiner Krankheitsgeschichte. „Zurückblicken bringt nichts. Aber ich bin für alles dankbar, auch für den Krebs. Er hat mich mutiger gemacht, und es gibt kaum etwas, was mich jetzt noch aus der Bahn werfen kann“, sagt Kronekker.

Sein positives Denken und sein angeborener Kampfgeist waren es auch,
die ihm am meisten geholfen haben, als die Medizin ihm kaum noch Chancen ausrechnete. „Ich wollte ein Gegengewicht zu diesen Meinungen bilden und zeigen, dass die Psyche sehr wohl Einfluss auf die Genesung hat“, erinnert sich Kronekker. Den Erfolg seiner Therapie schreibt er zudem seiner gesunden Ernährung und körperlichen Fitness zu, die er sich als angehender Profi-Basketballer im Jugendalter aufgebaut hatte.

Als ihm seine Erkrankung diese Karriere verbaut hatte, entschied er sich, eine Ausbildung zum Fitnessfachwirt zu absolvieren. Im Anschluss arbeitete er mehrere Jahre als Personal Trainer und Ernährungsberater, bevor er seinen Bachelor in Ökothrophologie machte. Nebenbei produzierte Kronekker als Rapper Leek vier Alben und trat unter anderem 2008 bei der Verleihung des pulsus-Awards der Techniker Krankenkasse (TK) und der „Bild am Sonntag“ auf.

Mit dem Gesundheitspreis werden Menschen gewürdigt, die beispielhafte
Leistungen und soziales Engagement im Gesundheitswesen bewiesen haben. Als Gewinner der Kategorie „Kämpfer des Jahres“ und durch seinen lebensfrohen Auftritt blieb er der Krankenkasse im Gedächtnis. So wurde Kronekker Ende vergangenen Jahres gebeten, eines der Gesichter der TK-Kampagne „Mein Weg“ zu werden. „Ich freue mich, dass ich mit meiner Geschichte anderen Menschen Hoffnung geben kann“, sagt er.

Für seine Musikleidenschaft bleibt dem Jungunternehmer momentan leider keine Zeit mehr. Aktuell beliefert seine Firma knapp 1.000 Supermärkte deutschlandweit mit Hafervoll-Flapjacks. Geht alles wie geplant, möchte das Unternehmer-Duo in Zukunft ein Komplettangebot an gesunden Lebensmitteln, frei von unnötigen Zusatzstoffen, auf den Markt bringen. Eine Vision, die keiner Notfallpläne bedarf.

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