Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Lebenslanges Lernen für Unternehmer und ihre Mitarbeiter

Tipp 3: Teams bilden

Trotzdem führen weder Büros voller Nerds noch Räume voller Server zum Erfolg. In der digitalen Zukunft sollten Unternehmen Mitarbeiter und intelligente Maschinen effektiv zusammenbringen. „Es ist nicht so, dass Menschen in dem Moment ihren Wert verlieren, in dem sie in ihrer Disziplin vom Computer überholt werden“, so McAfee und Brynjolfsson. „Sie können nach wie vor enorm nützlich sein, wenn sie mit den Maschinen ins Rennen gehen – nicht gegen sie.“ Das lässt sich am Schachspiel belegen – ausgerechnet. Denn seitdem der Computer Deep Blue 1997 den damaligen Weltmeister Garri Kasparow mit 3,5 zu 2,5 besiegt hat, schienen Menschen beim Spiel der Könige gegen KI auf verlorenem Posten zu stehen. Sogenannte Freistil-Turniere, bei denen Menschen gemeinsam mit Computern im Team antreten, zeugen jedoch vom Gegenteil. KI ohne menschlichen Partner ist ihnen weit unterlegen. „Die Kombination aus menschlicher strategischer Führung und dem taktischen Scharfsinn des Computers war überwältigend“, kommentierte Kasparow 2005 ein solches Turnier. Unternehmer sollten menschlichen Spürsinn also nicht unterschätzen.

Tipp 4: Querköpfe einsetzen

Ein weiterer Vorteil ist die Fähigkeit zur Ideenbildung. „Wissenschaftler stellen neue Hypothesen auf. Journalisten wittern gute Geschichten. Küchenchefs ergänzen die Speisekarte um ein neues Gericht“, schreiben die MIT-Professoren. Computer hingegen tun das, wozu sie programmiert wurden. Auch eine Ideenfidung per Zufallsprinzip, etwa indem Computer vorhandene zu neuen Designs kombinieren, hat ihre Grenzen. Die Forscher vergleichen diese Form der Kreativität ironisch mit einer Million Affen, die eine Million Jahre lang auf Schreibmaschinen tippen. Shakespeares „Hamlet“ würde dabei wohl trotzdem nie entstehen. Sogenannte Singularität-Computer, die den geistigen Fähigkeiten des Menschen gleichgestellt oder sogar überlegen sind, werden beim aktuellen Fortschrittstempo erst 2045 erwartet. Bis dahin sollten Personalverantwortliche deshalb für Kreativaufgaben weiterhin auf Kollegen mit Herz und Hirn setzen.

Tipp 5: Fachkräfte halten

Es gibt weitere Bereiche, in denen Roboter und KI Muskeln und graue Zellen nicht so schnell ersetzen werden: Neben üblichen Verdächtigen wie Datenanalysten und Programmierern sagen McAfee und Brynjolfsson solchen Berufen eine goldene Zukunft voraus, für die Feingefühl und kommunikative Kompetenz nötig sind. Die spanische Modekette Zara lässt beispielsweise nicht Algorithmen darüber entscheiden, welche Kleidungsstücke als nächste produziert werden sollen, sondern ihre Geschäftsführer. „Sie gehen durch den Laden, beobachten, was die Käufer – besonders die coolen – tragen, sie fragen, was ihnen gefällt und wonach sie suchen“, so die Technologie-Vordenker. Computer sind dazu kaum in der Lage. Grund ist ein Paradox, das der Robotiker Hans Moravec in den 1980er-Jahren formuliert und das noch heute Bestand hat: „Es ist vergleichsweise einfach, Computer mit der Leistungsfähigkeit von Erwachsenen Mathematikaufgaben lösen, Intelligenztests bewältigen oder Schach spielen zu lassen.“ Aber es sei schwer oder unmöglich, sie in Hinblick auf Wahrnehmung und Bewegung mit den Fertigkeiten eines einjährigen Kindes auszustatten. Für Unternehmen bedeutet das: Der Kampf um Fachkräfte, deren Aufgaben körperliches Geschick und zwischenmenschliche Kommunikationsfähigkeit verlangen, dürfte sich in Zukunft weiter verschärfen.

Tipp 6: Lebenslanges Lernen

Die Lebensläufe von Google-Gründer Larry Page, Amazon-Chef Jeff Bezos und Wikipedia-Frontmann Jimmy Wales weisen eine erstaunliche Parallele auf: Jeder von ihnen hat eine Schule besucht, deren Unterricht den Prinzipien der Reformpädagogin Maria Montessori folgt. „Sie betont selbstständiges Lernen, praktische Beschäftigung mit einer großen Anzahl an Materialien, Pflanzen und Tiere eingeschlossen, sowie einen weitgehend unstrukturierten Schultag“, beschreiben McAfee und Brynjolfsson. Sie loben die SOLEs (Self-Organizing Learning Environments), denn sie vermittelten Kindern Fertigkeiten, die ihnen für das digitale Arbeiten einen Vorsprung verleihen. Unabhängig davon, ob SOLEs der richtige Ansatz sind, gilt die Devise lebenslangen Lernens für Unternehmer und ihre Mitarbeiter gleichermaßen. Durch das Internet ist dies leichter denn je: MOOCs (Massive Open Online Courses) wie die der Khan Academy machen Themen von Analysis bis Zoologie für jeden frei zugänglich.

Tipp 7: Chancen ergreifen und bieten

Seit Wochen suchen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Nordafrika in Europa nach Hilfe. Den Autoren zufolge könnte es sich bei den vielen Neuankömmlingen um einen wirtschaftlichen Glücksfall handeln. Denn erstens zeige die Geschichte, dass Einwanderungswellen wie die von Kubanern nach Florida 1980 oder von Russen nach Israel Anfang der 1990er keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt oder die Löhne der Zielländer hatten. Zweitens befiden sich unter Einwanderern immer auch Hochqualifizierte. „Die amerikanische Unternehmerlandschaft wird insbesondere in besonders technologiegeprägten Wirtschaftssektoren durch Immigranten gespeist“, so die Autoren. Bei der hohen Nachfrage nach IT-Experten sollten Unternehmer deshalb die Fühler nach den High Potentials ausstrecken – und ihnen so auch den Start in der neuen Heimat erleichtern.

Teil 1: Hört die Signale
Teil 2: Lebenslanges Lernen für Unternehmer und ihre Mitarbeiter
Teil 3: The Winner Takes It All

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Wenn nach dem Kind das Start-up kommt
    Mama managt das

    Sie sind jung, sie sind erfolgreich, sie sind Mütter: Deutschlands Mompreneure setzen Milliarden um. Wie machen die das?

  • Verkaufen leicht gemacht
    Verkaufen leicht gemacht

    Der Bundesverband M&A hat Standards für den Verkauf eines Unternehmens entwickelt, die den Prozess erheblich vereinfachen.

  • Firmeninhaber verstirbt plötzlich – was tun?
    Risiko Familienunternehmer

    Bei ihnen laufen alle Fäden zusammen: Familienunternehmer sind unersetzlich. Und genau das kann einer Firma zum Verhängnis werden.

  • Visionäre im Visier
    Reise zu den Digital-Mekkas

    Texas, Vancouver, Hamburg: Die DUB-Redaktion und XING-Gründer Lars Hinrichs haben sich auf Pilgerfahrt begeben und berichten von den neuesten Trends.

  • Top-Noten für Franchising

    Eine neue Befragung zeigt: 85 Prozent der Franchisenehmer würden es wieder tun. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben.

  • Unternehmen suchen verstärkt Chefs außerhalb ihrer Grenzen
    Verwaiste Chefsessel

    Zehntausende Unternehmen haben keinen Nachfolger. Doch der Mittelstand tut sich weiter schwer mit Managern von außen.

  • Aus alt mach neu
    Tortenschlacht

    Mit dem Tod des Firmenpatriarchen Aloys Coppenrath 2013 schlingerte Coppenrath & Wiese in eine Führungskrise. Was Firmenchefs besser machen können.

  • Helden von morgen
    Helden von morgen

    Start-ups brauchen Ideen, Kapital – und Rat. Heute fördern viele Hochschulen Gründer während der schwierigen Anfangsphase. DUB stellt die besten Gründungen von fünf Top-Hochschulen vor.

  • Wie Unternehmen durch CVC innovativer werden
    Dem Tod von der Schippe springen

    Experten rechnen damit, dass die meisten heute etablierten Firmen ihren 50. Geburtstag nicht erleben werden. Aber es gibt Abhilfe.

  • Moritz Fürste (Hockeyspieler)
    Erst Rio, dann Vollzeit

    Hockeystar Moritz Fürste über Olympia und seine Karriere im Sportmarketing. Plus: Wie die Praktikantenbörse Top-Athleten und Unternehmer zusammenbringt.

  • Darum wachsen Gazellen-Unternehmen so schnell
    Das Geheimnis der Gazellen

    Gazellenunternehmen werden Firmen genannt, die extrem schnell wachsen. Eine Studie ist ihrem Erfolgsgeheimnis auf den Grund gegangen

  • Lea-Sophie Cramer von Amorelie
    Berliner Fräuleinwunder

    Sie gilt als einer der erfolgreichsten Gründer Deutschlands, ist Business Angel und Mutter: Lea-Sophie Cramer. Ein Interview.

  • Investoren aus dem Ausland
    Die Chinesen kommen

    Kuka ist kein Einzelfall: Bei deutschen Unternehmen stehen chinesische Käufer Schlange. Doch was passiert nach der Übernahme?

  • Mentalitätswandel unter Deutschlands Firmeninhabern
    Blut ist dünner als Wasser

    Statt den eigenen Nachwuchs auf den Chefsessel zu setzen, greifen Familienunternehmen immer häufiger auf Fremdmanager zurück.

  • Franchise-Spezial
    Franchise-Spezial: Mit starken Marken unterwegs

    Wie Franchising zu einem Win-win-Konzept wird: ein Ein- und Ausblick.

  • Franchise Spezial: Partner gesucht
    Partner gesucht

    Die Zahl der Franchisegründer in Deutschland ist rückläufig. Doch jetzt gibt es einen neuen Weg, etablierte Franchisesysteme und Unternehmer in spe zusammenzubringen: die DUB-Franchisebörse.

  • Zweite Karriere für Manager

    Nach einer erfolgreichen Karriere als Angestellter suchen immer mehr Manager eine neue Herausforderung. Kaufen oder gründen – das ist hier die Frage.

  • Ikone des Franchise: Waltraud Martius
    Buchverlosung

    Franchise-Geber müssen erfolgreich expandieren und sich zugleich immer wieder selbst erfinden. Ein neues Buch zeigt, wie das geht.

  • Mittelstand erhält auch in Zukunft privilegiert Kredite
    Privilegien für den Mittelstand

    Dank einer wegweisenden Entscheidung der EU-Kommission kommen kleinere Unternehmen besonders günstig an frisches Kapital.

  • Schönste Nebensache - EM exklusiv: Zu Gast in Fußball-Frankreich
    Paris oder Nizza – Hauptsache Frankreich

    Wir haben die zehn Spielorte der Fußball-EM gecheckt: Diese Locations sollte jeder Fußball-Pilgerer gesehen haben.

  • Was Investoren bei der Bewertung von Startups beachten sollten
    Einhörnern auf der Spur

    "Unicorns“ nennt man in den USA Tech-Firmen, die auf mindestens eine Milliarde Dollar taxiert werden. So erkennen Investoren Top-Start-ups.

  • Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb
    Offroader unter Strom - SUVs mit Hybridantrieb

    Selbst Geländewagen wie der RAV4 von Toyota werden inzwischen mit Hybridantrieb angeboten. Was taugt der Teil-Stromer?

  • GEFUNDEN! Wie eine Übernahme zum Erfolg wird
    Die lange Suche

    Sechs Jahre lang suchte der Chef des fränkischen Mittelständlers N.K.G. Sondermaschinenbau einen Nachfolger. Hier ist seine Geschichte.

  • Redakteur Eike Benn (li.) mit Dr. Christian Reitwiessner (re.) von Ethereum
    Blockchain-Revolution

    Blockchain heißt die Technik, die hinter der digitalen Währung Bitcoin steckt und von Banken gefürchtet wird. Hat sie das Zeug zu einer Revolution?

  • Starke Konjunktur lässt Zahl der geschlossenen Firmen sinken

    Die Zahl insolventer Firmen geht in Deutschland immer weiter zurück. Die florierende Wirtschaft dämpft aber zugleich auch das Gründungsgeschehen.

  • Hört die Signale
    Das zweite Maschinenzeitalter

    Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen – zehn Tipps für die Transformation.

  • Führt Digitalisierung zum Generationenkonflikt in der Nachfolge?
    Selbstbewusste Nachfolger

    Eine neue Studie zeigt, wie die Chefs von morgen ticken: Die Nachfolger sind selbstbewusst und scheuen keinen Konflikt.

  • Schlagartig kreativ - Drums als Energiequelle für Mitarbeiter
    Trommeln für’s Gehirn

    Früher jubelten Rainer Schumann und seiner Band „Fury In The Slaughterhouse“ die Massen zu. Heute weckt der Schlagzeuger die Kreativität von Unternehmern.

  • Digitale Fitness - Möglichkeiten und Stolpersteine der Krankenkasse 4.0
    Krankenkassen in der Zwickmühle

    Kunden fordern digitale Angebote. Zugleich müssen ihre Daten geschützt werden. Wie die Techniker Krankenkasse die Herausforderung annimmt.

  • Aus zwei Welten
    Fintechs versus Banken

    In der Welt der Finanzdienstleister ist der Wettbewerb durch die Digitalisierung härter geworden. Was die Geldhäuser von den Startups lernen können.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick