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Hört die Signale

Das zweite Maschinenzeitalter ist angebrochen. Davon sind IT-Visionäre überzeugt. Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen. Zehn Tipps, damit die Transformation gelingt.

Es ist stockfinster und regnet, als Jon Hall einen Uber-Fahrgast in seinem Tesla Model S P85D chauffiert. Besser gesagt: chauffieren lässt. Denn Hall hat den Autopiloten aktiviert, der für ihn lenkt und bei einem zuvor eingestellten Tempo die Spur hält. So rollen sie mit gut 70 Stundenkilometern über den Highway 99 nördlich von Seattle. Sie sind nur noch wenige Meter von einer Kreuzung entfernt, da biegt ein entgegenkommendes Fahrzeug plötzlich ab – quer über ihre Fahrbahn. Lebensgefahr! Ein Ruck geht durch den Wagen: Der Tesla bremst von allein. Er kommt zum Stehen, kurz bevor es zu spät ist. „Ich habe die Fahrzeuge rechts von mir beobachtet“, schreibt Hall später in der Online-Community Reddit. „Ich konnte nicht einmal hupen, da hatte der Wagen schon angehalten. Der Autopilot hat mir den Hintern gerettet!“, freut sich der Mann aus Washington. Seine Armaturenbrettkamera hat das Ereignis festgehalten. Auf Youtube wurde der Beinahe-Zusammenstoß mit fast zwei Millionen Klicks zum viralen Hit.

Vor einem Jahrzehnt waren selbstfahrende Autos noch undenkbar. Dabei beginnt die digitale Revolution laut den beiden Professoren Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) gerade erst. Ihr Bestseller „The Second Machine Age“ eroberte nach Erscheinen 2014 das Silicon Valley im Sturm und verbreitete sich von dort wie ein Lauffeuer. Die Botschaft: Das zweite Maschinenzeitalter werde die Welt wahrscheinlich so stark verändern wie vor ihm nur die industrielle Revolution. Ob zum Guten oder Schlechten, hänge indes von uns ab.

Wir haben McAfees und Brynjolfssons zehn wichtigste Handlungsanweisungen für Unternehmer herausdestilliert. Flankiert werden sie von Einschätzungen der Mitglieder des DUB UNTERNEHMER-Panels und der Entrepreneurs’ Organization (EO), die darlegen, welche digitalen Produkte und Dienstleistungen die jeweilige Branche in 10 bis 15 Jahren beeinflussen werden.

Tipp 1: Der Realität ins Auge sehen

McAfee und Brynjolfsson sind überzeugt: Die digitale Entwicklung zündet gerade den Turbo. Grund ist das Moore’sche Gesetz. Es geht auf Gordon Moore zurück, einen der Mitbegründer von Intel. Er sagte schon 1965 voraus, die allgemeine Rechnerleistung werde sich bis 1975 von Jahr zu Jahr verdoppeln. Tatsächlich gilt sein Gesetz noch heute – mit der Einschränkung, dass jede Verdoppelung etwa 18 statt zwölf Monate in Anspruch nimmt. Hinzu kommt, dass sich das Moore’sche Gesetz nicht nur für Mikroprozessoren, sondern für eine ganze Reihe digitaler Felder bewahrheitet: Ob Speicherkapazität, DownloadGeschwindigkeit oder Energieeffiienz von Supercomputern – alle Bereiche verzeichnen mehr oder weniger exponentielles Wachstum. Das Phänomen wird häufi mit der Reiskornlegende verglichen. Darin wünscht sich der Erfider des Schachspiels vom Kaiser, für seine Dienste mit Reiskörnern auf einem Schachbrett belohnt zu werden. Auf dem ersten Feld solle ein Korn liegen, auf dem zweiten Feld zwei Körner, auf dem dritten vier und so weiter. Ab dem 21. Feld sind es bereits mehr als eine Million Reiskörner, auf der zweiten Hälfte des Schachbretts steigt ihre Zahl in astronomische Höhen. Übertragen auf die Legende, sehen die MIT-Forscher die Technologie auf der zweiten Hälfte des Spielfelds angekommen. Ihre Prognose: „In den nächsten 24 Jahren dürfte sich die Steigerung der Computerleistung vermutlich vertausendfachen.“ Unternehmer sollten Gedankenspiele wagen, um sich auf neue Konkurrenten wie künstliche Intelligenz (KI) und Roboter vorzubereiten. Es gilt zu überlegen, wie sie darauf mit digitalen Anpassungen ihrer Produkte und Services reagieren können.

Tipp 2: Digi-Talente finden

Bei der Jobsuche loben McAfee und Brynjolfsson Online-Stellenbörsen wie Monster oder beruflche Netzwerke wie LinkedIn, die es Arbeitgebern und -nehmern schon heute erleichtern, zueinanderzufiden. Dennoch vertraue etwa eine große Mehrheit von Akademikern weiterhin auf Tipps aus ihrem persönlichen Umfeld. Die Autoren wissen zwar um die Bedeutung persönlicher Empfehlungen, bezweifeln aber, dass diese ausreichen. „Wir müssen Wege fiden, Reibungsverluste und die mit einer Suche verbundenen Kosten zu reduzieren“, so die MIT-Professoren. Zum Beispiel über die Erstellung von Bewerber-Psychogrammen. Das Unternehmen Knack entwickele etwa Systeme, die schon nach kurzer Zeit treffsichere Aussagen zu Kreativität, Durchhaltevermögen, Extravertiertheit, Sorgfalt und anderen Eigenschaften von Kandidaten machen können. Um IT-Experten anzulocken, bedarf es zudem der richtigen Atmosphäre. Als Blaupause dient wie so oft Silicon Valley. „Unternehmen müssen ein Milieu schaffen, um digitale Talente zu gewinnen – beispielsweise durch das Schaffen von Digital Units, deren Arbeitsumgebung sich an US-Techfimen orientiert“, sagt Fabian Kienbaum, Geschäftsführer Kienbaum Consultants International Berlin.

Teil 1: Hört die Signale
Teil 2: Lebenslanges Lernen für Unternehmer und ihre Mitarbeiter
Teil 3: The Winner Takes It All

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