Tech Trends 2018: Ich druck mir die Welt

3-D-Druck für's Zuhause

Die additive Fertigung eilt mit Siebenmeilenstiefeln voran. Forscher drucken menschliche Organe, ein Start-up aus Texas ganze Häuser. Jetzt sollten Unternehmen zügig über weitere Anwendungen nachdenken.

Die Hilfsorganisation New Story will Häuser für den Süden des Globus drucken

Gegen die Armut: Die Hilfsorganisation New Story will Häuser für den Süden des Globus drucken (Foto: PR)

Der 3-D-Druck galt lange Zeit als Zukunftsvision – jetzt hat er es in die Realität geschafft. Unternehmen sollten die Technologie ernst nehmen und – falls für sie relevant – implementieren. So lautet das Resümee des „Tech Trends Report“ des FTI. Wissenschaftlern der Northwestern University in Chicago etwa ist es 2017 gelungen, den Eierstock einer Maus zu drucken und in ein lebendiges Tier zu verpflanzen – erfolgreiche Schwangerschaft inklusive. Forscher des University College im irischen Cork haben erfolgreich Käse aus organischem Material gedruckt. Für die Zukunft prognostiziert das FTI den Druck von Werkstücken innerhalb von Sekunden. So sollen etwa bei Operationen Prothesen on demand gefertigt werden

Eine Technologie wird wachsen

Das Verfahren des 3-D-Drucks wurde bereits Anfang der 1980er-Jahre erfunden, ist in den vergangenen Jahren aber immer günstiger, schneller und detailgenauer geworden. Adidas etwa druckt bereits Turnschuhteile, Airbus unter anderem Flugzeugventile. Bei der auch als additiver Fertigung bekannten Technologie schichtet ein 3-D-Drucker flüssiges oder pulverförmiges Material zu einem dreidimensionalen Werkstück auf. Das Grundprinzip ähnelt dem eines herkömmlichen Papierdruckers: Mittels CAD oder anderer Dateiformate werden die Baupläne einfach an das Gerät übermittelt. Die Vorteile sind vielfältig: Ersatzteile und Produkte etwa können lokal produziert werden, was die Transport- und Lagerkosten bedeutend senkt. In der Produktion entfällt die kostenintensive Fertigung von Gussformen, Bohr-, Fräs- oder Stanzmaschinen. Ein Haus für 4.000 US-Dollar

Das texanische Start-up ICON hat ein gedrucktes Haus vorgestellt

Vielversprechend: Das texanische Start-up ICON hat ein gedrucktes Haus vorgestellt (Foto: PR)

Ein Haus für 4.000 US-Dollar

Die 2016 in den USA gegründete Hilfsorganisation New Story und das texanische Start-up für Bautechnologie ICON wollen das enorme Potenzial des 3-D-Drucks in der Entwicklungszusammenarbeit nutzen. Ihr gemeinsam entwickelter 3-D-Drucker The Vulcan baut 180 bis 240 Quadratmeter große Häuser in rund 24 Stunden. Kostenpunkt pro Gebäude: 4.000 US-Dollar. Anfang 2018 weihten die Partner das erste gedruckte Haus Amerikas in Austin, Texas, ein. Mit dem Prototyp wollten sie die Machbarkeit ihres Vorhabens demonstrieren. Ziel: die grassierende Obdachlosigkeit im globalen Süden mithilfe von 3-D-Druck eindämmen. Der Vulcan wurde speziell für den Einsatz in infrastrukturschwachen Gebieten wie El Salvador oder Haiti entwickelt, wo New Story tätig ist. In den nächsten 16 Monaten wollen die Kooperationspartner das Gerät zum ersten Mal vor Ort in einer Gemeinde in Ecuador testen. Weitere Einsätze sollen folgen.

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