Guter Rat von Fremden

Jedes zweite Unternehmen nutzt das Fachwissen externer Berater regelmäßig.

Stefan Pütter spürt seit zweieinhalb Jahren regelmäßig "so ein bisschen Druck".  Genauer, so rund drei- bis viermal im Jahr. Nämlich dann, wenn er mit seinem Beirat tagt. Pütter ist geschäftsführender Gesellschafter von Mundo-Online.  Das 2007 gegründete Unternehmen mit 140 Mitarbeitern in Augsburg ist ein Service-Anbieter für E-Commerce. Als das Unternehmen aus der "Gründerzeit herausgewachsen" war, "wollten wir unser Geschäftsmodell hinterfragen und weiterentwickeln".

Mittlerweile nutzt im Schnitt jedes zweite Unternehmen den Rat und das Know-how oft externer Experten. Vor allem junge Unternehmen wissen die Unterstützung von Profis zu schätzen. Familienorientierte Unternehmen setzen auf den Interessenausgleich zwischen Management und Eigentümern in solchen Beiräten.  Die Unternehmen "suchen zunehmend nach noch professionelleren Führungs- und Kontrollstrukturen", heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie der Beratung für Unternehmensführung und - nachfolge (BfUN) unter 333 Unternehmen, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

Doch bei der Auswahl der Mitglieder gehen die Mittelständler noch recht unsystematisch vor. 83 Prozent suchen ihre Beiräte im Bekanntenkreis. Der eigene Steuerberater, Rechtsanwalt oder Hausbanker spielt eine viel zu große Rolle. "Alle im Unternehmen engagierten Berater haben letztlich ein Interesse daran, die Geschäftsbeziehungen zu bewahren", warnt Studienautor und BfUN-Partner Frederik Gottschalck.

Das sagt auch Holger Zervas, Leiter des Firmenkundengeschäfts der Förderbank IB-SH in Kiel: "Hausbanker sind nicht die beste Wahl", meint er, "weil sie als Banker anders agieren müssen als als Beirat". Zervas empfiehlt den Unternehmen häufig, Beiräte zu installieren und die Mehrheit der Beiräte sei auch gut.  "Allerdings", so fügt Zervas an, "sind viele noch immer wirkungslos, wenn der Beirat nur ein Einstieg in den nicht-kompletten Ausstieg des Seniors ist".

Firmen, in denen die Gründerfamilie das Management dominiert, verzichten meist ganz auf Aufsichts- oder Beiräte. Gottschalck sieht es "mit einiger Sorge", dass 59 Prozent der familiengeführten Mittelständler glauben, auf die "Mitwirkung eines Beratungsgremiums verzichten zu können". So sehen das vor allem kleinere Unternehmen. Allein die Gefahr, dass der Chef durch einen Notfall unerwartet ausfallen könnte und die Firma dann ohne geregelte Führung dastehe, sei ein "starker Grund" für die Einrichtung eines Beirats.

Junge Firmen zeigen sich dagegen offen gegenüber Beiräten, die in der Regel mit drei bis vier Personen besetzt sind. Ablesbar ist dies an der Zahl der Sitzungen. Laut Studie ist bei Firmen bis zu 12,5 Millionen Euro Jahresumsatz die Häufigkeit der Treffen mit bis zu sechs Sitzungen besonders hoch. Im Schnitt sind es drei bis vier Termine. Dieser Wert entspricht zwar der Sitzungshäufigkeit gesetzlicher Aufsichtsräte. Doch auch bei Aktiengesellschaften nimmt der Sitzungstakt seit Jahren zu, weil die Aufgaben komplexer und Entscheidungen auch aus Haftungsgründen intensiver vorbereitet werden.

Während die Aufgaben eines Aufsichtsrates klar vom Gesetz definiert sind, haben Mittelständler bei der Einrichtung ihrer freiwilligen Beiräte alle Freiheiten.  Die Räte planen die Budgets, feilen mit an der Firmenstrategie und stehen vor allem bei außergewöhnlichen Maßnahmen bereit. Mit den Bilanzen dagegen beschäftigen sich die wenigsten Beiräte.

So suchte Mundo-Online-Chef Pütter vor allem Beiräte aus der Praxis. Zum Beispiel einen ehemaligen führenden Mitarbeiter der DHL. Dieser habe dem Unternehmen bei dem Erreichen der operativen Unternehmensziele geholfen, erzählt Pütter. Heute schaut er auch genauer auf die Prozesse. "Stimmt nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin?"

Natürlich solle der Beirat ebenso ein wichtiger Türöffner bei Kunden sein. Das bestätigt Andreas Walter, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Agentur für strategische Kommunikation. Gut vier Jahre nach der Agenturgründung hat er einen Arbeitsrechtler, einen Kommunikationsexperten und einen Management-Professor in seinen Beirat berufen. Walter geht es dabei vor allem um die Marktsicht seiner Beiräte. "Nach so einem Treffen sehen wir unsere eigene Position oft klarer und können vieles gleich umsetzen."

Beim Thema Gewinnausschüttung sind Beiräte dann meist außen vor. Da lassen sich die Unternehmerfamilien nicht hineinreden. Firmen mit ausschließlich Anteilseignern im Management entscheiden auch bei Personalfragen ohne ihre Aufseher. Bei Unternehmen ohne Eigentümer im operativen Management ist es fast umgekehrt. Die grundlegenden Unterschiede in der Funktion von Beiräten zeigt auch das jüngste Panel der Zeitschrift "Der Aufsichtsrat" in Kooperation mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. In von Fremdmanagern geleiteten Firmen stehen Kontrolle und Überwachung im Vordergrund, in den familiengeführten dagegen dominiert der Ratgeber.

 

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