Titelthema

Teil 2: Flexibilität ist gefragt

Dieser offene Ansatz betrifft alles, sogar Möbel. Auf ein und demselben Stuhl können dann der stattliche Linus oder der zarte Jonas sitzen. „Jeder Mensch hat eine eigene Sitzhaltung“, heißt es beim Büromöbelhersteller Flokk. „Groß oder klein, schwer oder leicht und mit unterschiedlichen Ansprüchen, was den Sitzkomfort angeht. Außerdem variieren die Aufgaben und Zuständigkeiten jedes Einzelnen. Die Antwort auf all diese Anforderungen ist ein Stuhl, der sich sehr flexibel anpassen lässt, dabei aber auch ergonomischen Anforderungen gerecht wird. Auf diese Weise ist er für fast jeden Menschen geeignet.“ 

Jederzeit mobil: Offene Räume, freie Platzwahl, mobile Endgeräte. Der moderne Arbeitsplatz bietet größtmögliche Flexibilität und Freiräume

Jederzeit mobil: Offene Räume, freie Platzwahl, mobile Endgeräte. Der moderne Arbeitsplatz bietet größtmögliche Flexibilität und Freiräume (Foto: Getty Images/monkeybusinessimages)

Die TU Kaiserslautern forscht mit dem Projekt „Living Lab smart office space“ an Konzepten für das Büro 4.0. Ein Arbeitsplatz könnte sich künftig zum Beispiel individuell kühlen oder heizen lassen, „Personalized Environment“ sei Dank. Halt genau so, dass Flexibilität nicht mit Komfortverlust einhergeht. Freiheit ist aber auch die Devise in Sachen Arbeitszeit. Teil- oder Vollzeit, das ist eine Frage von gestern. Bereits heute bietet etwa Beiersdorf seinen Mitarbeitern mehr als 300 Arbeitszeitmodelle an. Alles eine Frage der Balance, findet man ebenfalls bei SAP. „Ich persönlich lege Wert auf das Ergebnis und natürlich darauf, dass die Mitarbeiter gesund sind und mit Leidenschaft arbeiten“, sagt Daniel Holz, Deutschland-Chef des Unternehmens. „SAP wird nicht ohne Grund das flexibelste Unternehmen Deutschlands genannt. Wir wollen bei SAP jedenfalls eine Gleichwertigkeit von Teilzeit und Vollzeit erreichen, wozu auch gehört, dass Teilzeitkräfte keinen Nachteil im Rahmen ihrer Laufbahn erleiden.“ So können sich beispielsweise zwei Führungskräfte eine Vollzeitstelle teilen.

„Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir unseren Mitarbeitern mobiles Arbeiten anbieten und hinsichtlich ihres Standortes flexibel sind“, so Holz. Und das ist bei Weitem nicht das Ende der Entwicklung. 89 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden, zeigt die „Future Workforce Study“ des IT-Unternehmens Dell und des Chipherstellers Intel. Noch zufriedener sind die mobilen Mitarbeiter, die mal im Büro und mal im Homeoffice arbeiten. Und um glückliche Mitarbeiter wird es künftig gehen, das bringt die gesellschaftliche Entwicklung mit sich.

Alternde Gesellschaft als Treiber

Die alternde Gesellschaft sorgt dafür, dass Unternehmen früher oder später die Arbeitskräfte ausgehen. Für Personalabteilungen bedeutet das, künftig um Mitarbeiter buhlen zu müssen. Das gelingt nun einmal am besten, wenn deren Vorstellungen von einem guten Arbeitsplatz entsprochen wird. Ist der Mitarbeiter zufrieden, wirkt sich das positiv auf die Performance eines Unternehmens aus, haben Wissenschaftler der Wharton School der University of Pennsylvania herausgefunden. Entsprechend wichtig wird künftig die Zufriedenheit sein. Die technologische Entwicklung hilft dabei. Immerhin sorgt sie bereits jetzt dafür, dass Mitarbeiter vernetzter sind als je zuvor, dass Wissen innerhalb eines Unternehmens problemlos geteilt werden kann. Und die Mitarbeiter der Zukunft erwarten genau das. Jedem Fünften der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, der Generation Y, ist laut der „Future Workforce Study“ bei der Jobsuche die Technik im Unternehmen wichtig. Die Studie „Fast Forward 2030“ skizziert unter anderem die Vorstellungen derzeit junger Menschen von der Arbeit. Sie wollen Teil von „the next big thing“ sein, dem nächsten großen Ding.

Angesichts der technologischen Quantensprünge dürften die Chancen dafür so gut stehen wie nie. Der limitierende Faktor ist künftig nicht mehr die Technik, sondern der Mitarbeiter. Er muss sich in der neuen Arbeitslandschaft zurechtfinden. Unternehmen suchen daher bereits jetzt nach Lösungen und Formaten, ihr internes Wissen sowie spezifisches Fachwissen digital aufzubereiten und im tatsächlichen Moment des Bedarfs personalisiert zugänglich zu machen, beobachtet man etwa bei Haufe. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist damit vernetzt, eingebunden, selbstständig, bunt, flexibel, fordernd. Eine Art große Freiheit 4.0. Früher war alles besser? Die Zukunft wird auf jeden Fall vielfältiger.

Teil 1: Große Freiheit 4.0

Teil 2: Flexibilität ist gefragt

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