Drei Tage Willenskraft

Wladimir Klitschko coacht Führungskräfte

Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko hat mit dem Face-Camp eine neue Veranstaltungsform entwickelt. Dort arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalck.

Klare Ansage des Sport-Mentors: Fünf Sport-Outfits für drei Tage – und 20 Liegestütze, falls man zu spät zum Frühsport kommt.

Klare Ansage des Sport-Mentors: Fünf Sport-Outfits für drei Tage – und 20 Liegestütze, falls man zu spät zum Frühsport kommt (Foto: PR)

Entrepreneur Wladimir Klitschko und sein Team haben das dreitägige Face-Camp auf die Beine gestellt. Ziel: den Willen kräftigen und Probleme in Herausforderungen umwandeln. Das lässt sich mit der Face-Methode lernen. Face steht für Focus, Agility, Coordination und Endurance. Eigenschaften, mit denen Führungskräfte punkten. Dank Brain und Power, mentaler und körperlicher An- und Entspannung. Ring frei für den Kampf mit mir selbst.

Anfangs skeptisch, beginne ich am ersten Tag vor Ort langsam zu begreifen: Erst wenn wir etwas am eigenen Leib spüren, beginnt das echte Verstehen, die echte Veränderung. Eine stabile Körpermuskulatur etwa führt zum körperlichen und geistigen Sich-Aufrichten gegenüber Herausforderungen – und dazu, dass Gelerntes verankert und verarbeitet wird. Deswegen die Sporteinheiten. Nicht unbedingt, um einen End-40er in WM-Form zu bringen. Wohl aber, um mich in meine eigene Challenge-Zone zu führen. Raus aus dem „Haben wir schon immer so gemacht“.

Das braucht Zeit und Raum. Deshalb findet das Face-Camp auch in Krummendeich statt, rund 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Kein Business-Bling, sondern Natur. Handys und Alkohol stehen auf dem Index. Aufstehen um 6 Uhr, Zapfenstreich um 21:30 Uhr. Eine nur kleine Gruppe, jeder mit seiner individuellen Herausforderung. Drei Tage lang. Streng? Vielleicht. Aber darum zum Denken anregend. Genau wie die Vorbereitung: ein kurzes Selbstporträt verfassen, einen Fragebogen ausfüllen über meine aktuellen Herausforderungen. Macht meine Arbeit mir Freude? Welche Ziele will ich erreichen? Nah dran am Menschen, mir fast zu nah. Aber nur Ehrlichkeit punktet.

Tag eins dient der Bestandsaufnahme, der Eigenreflexion. Tag zwei? Ist für den Plan der Zukunft. Wie ich bis zum Ziel durchhalte, folgt an Tag drei. In die Umsetzung der Ziele steigen wir von Beginn an ein. Klingt einfach, ist aber anstrengend: das stete Auseinan­dersetzen mit sich selbst. Die ernüchternde Erkenntnis, dass es mir etwas an Ausdauer fehlt, nicht nur sportlich. Die Mentoren sind immer dran. Kein Bootcamp, kein Anschreien, aber klare Ansagen und Konsequenzen.

Habe ich nach den drei Tagen mehr Willenskraft? Zumindest bin ich auf dem Weg. Habe verstanden, dass es um permanentes tägliches Arbeiten an mir selbst geht, was idealerweise in Routine mündet. Symbole helfen: ein Foto der Familie etwa. Für die man sich bewegt, sportlich wie beruflich. Oder die Trinkflasche, ursprünglich nur zur Nutzung während des Camps gedacht – und dann durften wir sie doch mitnehmen. Auf der Flasche steht mein Name auf Panzer-Tape. Ganz so wie bei Klitschko seinerzeit in seinen Trainingscamps. Sie steht für: Du wolltest Dich verändern. Du willst es noch immer. Dann mach es auch. Jetzt.

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