Externe Personalabteilung

Zeitarbeitsfirmen verleihen Fachkräfte an Unternehmen, um kurzfristigen Personalengpässen vorzubeugen. Darüber hinaus vermitteln Personaldienstleister Mitarbeiter in Festanstellung – schließlich ist die Suche nach exzellenten Fachkräften ihr Spezialgebiet.

Die Branche der Personaldienstleister gilt als Gradmesser für die Konjunktur.  „Generell gilt, dass die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften am Beginn eines Aufschwungs am größten ist. Deshalb wird die Branche auch als Frühindikator bezeichnet“, sagt Volker Enkerts, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP).

Nach Erhebungen des Marktforschers Lünendonk erwartet die Branche der Personaldienstleister für dieses und die nächsten drei Jahre ein jährliches Umsatzplus von 2,5 Prozent. Die meisten Zeitarbeitnehmer werden nach BAP-Angaben in der Metall- und Elektroindustrie sowie in der Logistik eingesetzt. Enkerts: „Inzwischen spielen aber auch die Dienstleistungsbereiche eine immer größere Rolle.“ Dies trifft etwa auf Pflegeberufe zu.

Überbrückung von Ausfallzeiten

Wer Zeitarbeitnehmer einsetzt, will personelle Engpässe beheben, die durch kurzfristige Auftragseingänge entstehen oder auch durch verschiedene Reformen: Neben dem gesetzlichen Anspruch auf bis zu 36 Monate Elternzeit kommt nun die Familienpflegezeit von bis zu 24 Monaten hinzu. Über diese Zeiträume muss Ersatz für die ausfallende Fachkraft gefunden werden, ohne dass deren Arbeitsplatz  verloren geht. Je größer die Freiheit der Mitarbeiter, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, desto  dringender wird für Unternehmen die Notwendigkeit, kurz- oder mittelfristige Personalengpässe zu bewältigen.

Und die setzen vermehrt auf Zeitarbeit. Die Branche wächst: Im Jahr 2013 gab es laut Statista rund 9.000 steuerpflichtige Zeitarbeitsfirmen, bei denen Ende 2014 rund 835.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiteten. Die durchschnittlichen Gehälter sind 2013 um 7,3 Prozent gestiegen. Ein Umsatzplus bei Zeitarbeitsfirmen heißt nicht allein, dass Personaldienstleister eine größere Zahl an Fachkräften verleihen. Es bedeutet auch, dass Zeitarbeit insgesamt teurer wird.

Mit dem gesetzlichen Mindestlohn hat dies jedoch nur indirekt zu tun, denn die Zeitarbeit hat schon seit 2012 ihren eigenen Mindestlohn: In den westlichen Bundesländern beträgt die gesetzliche Lohnuntergrenze für Zeitarbeit 8,80 Euro, im Osten wird sie zum 1. Juni 2016 erreicht, zurzeit liegt sie dort bei 8,20 Euro. „Viele Kollegen aus den neuen Bundesländern zahlen Zeitarbeitnehmern in der untersten Lohngruppe heute schon mindestens 8,50 Euro, weil sie ansonsten keine  Mitarbeiter bekommen würden“, sagt Enkerts. Insofern habe der gesetzliche Mindestlohn zumindest eine indirekte Auswirkung auf die Zeitarbeit.

Einsparung kein Argument für Zeitarbeit

Das weit verbreitete Vorurteil, bei Zeitarbeit handele es sich um billige und prekäre Arbeitsplätze, trifft nicht zu. Schon gar nicht angesichts der aktuellen Situation, die Thomas Rehder, Geschäftsführer des Personaldienstleisters iperdi Holding Nord, recht dramatisch einschätzt: „Inzwischen kann man wegen des Fachkräftemangels in einigen Branchen durchaus schon von einem Fachkräftenotstand sprechen.“

Kosteneinsparungen sind deshalb auch kein Anlass für Unternehmen, Zeitarbeiter zu beschäftigen. Im Gegenteil, es werden höhere Kosten in Kauf genommen. Rehder nennt den Vorteil, den gerade mittelständische Unternehmen von der Zeitarbeit haben: „Das ist ganz klar die Flexibilität. Ein kleines oder mittelständisches Unternehmen kann so auch Aufträge generieren, die es mit eigenem Stammpersonal nicht hätte abwickeln können.“

Neben der Flexibilität der Fachkräfte bringt Zeitarbeit weitere wichtige Vorteile gerade für mittelständische Unternehmen: So unterstützen Personaldienstleister häufig bei der Mitarbeiterrekrutierung. Enkerts vom BAP beschreibt die Phasen der Personalbeschaffung so: „Der Beginn eines Aufschwungs ist die Phase, in der bei den Kundenunternehmen mehr Aufträge eingehen, die mit eigener Belegschaft nicht mehr bewältigt werden können, es aber noch nicht klar ist, ob dieser Aufschwung von Dauer ist. Wenn sich die gute konjunkturelle Lage verfestigt, stellen Kundenunternehmen selbst wieder mehr ein – und kommen dabei gern auf Zeitarbeitnehmer zurück, weil sie bereits eingearbeitet sind.“

Einfache Personalsuche

Gerade für mittelständische Unternehmen sei Zeitarbeit der Weg, um passendes Personal zu finden und zugleich die eigene Personalabteilung zu entlasten. Nach den Motiven für den Einsatz von Zeitarbeitskräften gefragt, folgt nach der erwähnten Flexibilität auf Platz zwei  „die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und – auf Platz drei – die Erprobung von Personal. Für rund ein Fünftel der Zeitarbeitskunden spielt es auch eine Rolle, dass sie von Bürokratie bei der Personalverwaltung entlastet werden.“

Zeitarbeit sei eine Art verlängerte Probezeit, bei der das Unternehmen sich Anzeigenschaltung und Sichtung von Bewerbermappen spare, um den zum Unternehmen passenden Mitarbeiter zu finden. Für die Zeitarbeitskräfte liegt der Vorteil darin, dass sie nicht arbeitslos werden, sobald ein Kundenunternehmen den Vertrag beendet, sie genießen weiterhin Kündigungsschutz sowie Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und anderes – eben die Risiken, die das Kundenunternehmen – noch – nicht eingehen will.

Vorteil durch geringe Bürokratie

Dass Zeitarbeit hierzulande insgesamt eher ein schlechtes Image hat, wird durch die jüngsten Bemühungen der Regierung, einem Missbrauch vorzubeugen, nur noch befeuert.  Die Branche ist sich weitgehend darin einig, dass die angestrebten Reformen – Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten sowie gleiche Bezahlung nach neun Monaten – ungünstig sind, und zwar für alle Seiten.

Verbandspräsident Enkerts sagt zum Thema gleiche Bezahlung: „Zusätzliche bürokratische Belastungen und Rechtsunsicherheit sind die Folgen. Rechtsunsicherheit, weil zum Beispiel unklar ist, wie die gleiche Bezahlung ermittelt werden soll, wenn es keinen vergleichbaren Stammmitarbeiter gibt. Und bürokratische Belastung, weil Gehaltsstrukturen oft überaus komplex sind. Bei einem großen deutschen Autobauer gibt es etwa 180 Entgeltbestandteile – daraus Equal Pay zu bestimmen, wird eine Herkulesaufgabe.“

Und eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten sei nicht dazu geeignet, eine Elternzeit über 36 Monate zu überbrücken. Es bleibt zu hoffen, dass Personaldienstleister sich weiterhin mit Flexibilität,
ihrer größten Stärke, einbringen können. 

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