Datenschutz: Lass die Daten herunter

DSGVO, eine Chance fürs Kundenerlebnis?

Die Rapunzel-Strategie: Die DSGVO muss beim Umgang mit Kunden­daten kein Hindernis sein

Die Rapunzel-Strategie: Die DSGVO muss beim Umgang mit Kunden­daten kein Hindernis sein (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

Was haben die Websites latimes.com, chicago tribune.com und dallasnews.com gemein? Es sind allesamt Nachrichtenportale aus den USA. Und sie alle lassen sich von Deutschland aus nicht mehr aufrufen. Der Grund hat fünf Buchstaben: DSGVO.

Weil die Euro­päische Datenschutz-Grundverordnung so aufwendig umzusetzen ist, haben es nach Auswertung des britischen Thinktanks Nieman-Lab mehr als 1.000 News-Plattformen entweder gleich ganz bleiben lassen – oder sie arbeiten fünf Monate nach Inkrafttreten der Regelungen immer noch daran.

„Work in progress” heißt es ebenso aus deutschen Chefetagen. Drei von vier Firmen hatten die Frist am 28. Mai verfehlt. „Auch jetzt noch sind bei Weitem nicht alle Unternehmen mit der Umsetzung fertig”, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung des Digitalverbands Bitkom. Die neuen Regeln haben viel Zeit und Geld gekostet – und tun es immer noch.

Das Problem: „Bei vielen Vorgaben ist nicht klar, was genau sie bedeuten”, beklagt Dehmel. „Nicht einmal die Datenschutzaufsichtsbehörden können sich bei bestimmten Regelungen auf eine einheitliche Auslegung einigen. Wie sollen Unternehmen sich da sicher sein, dass sie das Richtige tun?”

Im Kern sieht die DSGVO vor, dass personen­bezogene Daten nicht mehr erhoben, verarbeitet oder weitergegeben werden dürfen, wenn der Bürger dem nicht aktiv zugestimmt hat. Das stillschweigende Einverständnis gilt nicht mehr. Und die nächste Regulierungswelle ist bereits absehbar: Im Januar 2019 tritt die E-Privacy-Verordnung in Kraft.

Nicht abschrecken lassen

Wieder drängt sich eine Märchen-Analogie auf: Es ist, als lägen die mühsam gewonnenen Kundendaten im Turm von Rapunzel, der keine Tür hat. „Der Datenschutz ist definitiv eine Einschränkung – zum einen rechtlich, zum anderen vom Mindset”, konstatiert Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Besonders betroffen ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Customer-Journey, schließlich soll sie aus einer riesigen Menge von Daten lernen. Die Gefahr besteht darin, dass die ohnehin eher konservativ aufgestellten Unternehmen hierzulande sich von den strengen DSGVO-Regeln derart einschüchtern lassen, dass sie keine Daten von ihren Kunden mehr sammeln oder die vorhandenen Daten nicht nutzen. Doch das wäre nach Meinung vieler Experten genau der falsche Weg.

Neue Geschäftsfelder dank DSGVO

Den Gegenpol zu den vorsichtig agierenden etablierten Unternehmen bilden beim Thema Datenschutz die Start-ups. Häufig beruhen ihre Geschäftsmodelle darauf, fleißig weiter Daten zu sammeln und zu verarbeiten – so loten sie die Grenzen des rechtlich Zulässigen aus. Schließlich sind viele Regelungen Auslegungssache. Mehr noch: Es gibt bereits Start-ups, die über die DSGVO neue Geschäftsfelder erschließen, wie Statice aus Berlin.

CEO Sebastian Weyer hat eine Software entwickelt, die Daten sicher anonymisieren kann, um damit ganz DSGVO-konform Machine-Learning-Algorithmen zu füttern. So bleiben die Daten der Kunden geschützt und die Unternehmen können weiter damit arbeiten.

Weyers Botschaft ist klar: „Die DSGVO kann für Start-ups eine Chance sein, man muss Privacy von Anfang an in die Produktentwicklung einbinden.” Das gilt auch für etablierte Firmen. Kawohl rät ihnen: „Sie dürfen sich vom Datenschutz nicht abschrecken lassen und müssen ihre Customer-Journey maximal weiterentwickeln.”

Teil 1: Die perfekte Customer-Journey

Teil 2: Ohne Customer-Centricity geht es nicht

Teil 3: Vermischung: Kundenerlebnis Online und Offline

Teil 4: Customer-Analytics: Daten sammeln und analysieren

Teil 5: DSGVO, eine Chance fürs Kundenerlebnis?

Teil 6: CRM-Systeme – Standardlösungen vs. maßgeschneiderte Infrastruktur

Teil 7: So gelingt die Customer Journey

Das interessiert andere Leser

  • Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg Teil II
    Teil II: Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg

    Der zweite Teil geht auf weitere für eine Vorbereitung wesentliche Punkte ein und fasst alle aufgezählten Schritte in einer Checkliste zusammen.

  • Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg
    Teil I: Unternehmensverkauf - Gute Vorbereitung bestimmt den Erfolg

    Zu viele Unternehmerinnen und Unternehmer stellen sich der Herausforderung Unternehmensnachfolge zu spät. Eine gute Vorbereitung ist das A und 0.

  • FRANCHISE AWARDS 2019
    FRANCHISE AWARDS 2019

    In drei Kategorien messen sich insgesamt neun Franchisesysteme. Wer am Ende die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen darf entscheidet eine Fachjury.

  • Bester Franchisenehmer der Welt - jetzt Nominierung abgeben

    Nominieren Sie Ihre Franchisenehmer zum internationalen Award und präsentieren Sie Ihr Franchise-System und Ihre Marke auf internationaler Bühne.

  • Franchise Ideen: Was der Markt anbietet und was Sie wissen müssen
    Franchise Ideen: Was der Markt anbietet und was Sie wissen müssen

    Das passende System finden: Franchise Angebote gibt es viele, aber welche Franchise Idee ist die richtige?

  • Mobilitäts-Debatte- E-Scooter auf Gehwegen: Das sagen die Versicherer
    E-Scooter auf Gehwegen: Das sagen die Versicherer

    Die Bundesregierung entscheidet demnächst über die Zukunft der E-Scooter auf den Verkehrswegen. Viele Versicherer lehnen die neuen elektronischen Tretroller aber pauschal ab.

  • So gelingt das Change Management

    Neue Eigentümer bringen oft frische Ideen mit. Doch wer neue Strukturen und Prozesse integrieren will, muss ein paar Dinge beachten.

  • Auf Bewährtes aufbauen

    Franchise lohnt sich – besonders für die Nachfolger. DUB.de erklärt, was das System so attraktiv macht und worin die größte Herausforderung besteht.

  • Franchiseunternehmen verkaufen – So geht der Franchise Resale!
    Franchiseunternehmen verkaufen – So geht der Franchise Resale!

    Häufig werden in Franchise Verträgen auch Vorkaufsrechte festgeschrieben. Was bedeutet das nun im Falle eines gewünschten Weiterverkaufs?

  • con|cess M+A-Partner erhält den „Content Creator Award"
    con|cess M+A-Partner erhält den „Content Creator Award“

    Das Beraternetzwerk hat in der Kategorie: „Company Sales Facilitators of the Year 2019 – Germany“ den Award für seinen umfangreichen Content Marketing Ansatz erhalten.

  • Robert Gladis von der HALLESCHE
    „Benefit für Mitarbeiter“

    Jeder Versicherte sollte selbst auswählen können, welche bKV-Leistungen er in Anspruch nimmt. Dafür plädiert Robert Gladis von der HALLESCHE.

  • Steuerlich nutzbar: Durch eine Gesetzesänderung Ende 2018 werden Verluste bei einer Übertragung bis zu 50 Prozent nicht mehr gekürzt
    Das Minus nutzen

    Die Vorschrift zum anteiligen Verlustuntergang wurde Ende letzten Jahres gestrichen. Für Kapitalgesellschaften entstehen so neue Chancen, um ihre Verluste trotz Übertragung zu verrechnen.

  • Die digitale Transformation gelingt im Unternehmen nur im Miteinander
    „Mehr Empathie denn je“

    Die digitale Transformation gelingt im Unternehmen nur im Miteinander, postuliert Antje Leminsky, CEO beim Finanzierungsspezialisten GRENKE.

  • China hat sich zu einer der führenden wirtschaftlichen und technologischen Weltmacht entwickelt. Ex-Chefredakteur der „Die Zeit“ Theo Sommer erklärt, was der Aufstieg bedeutet.
    Chinas Aufstieg zum technologischen Vorreiter

    China hat sich zu einer der führenden wirtschaftlichen und technologischen Weltmacht entwickelt. Ex-Chefredakteur der „Die Zeit“ Theo Sommer erklärt, was der Aufstieg bedeutet.

  • Marc Simons von SIMONS & KOLLEGEN weiß, wie man sich für die richtige betriebliche Krankenversicherung entscheidet.
    „Passende Lösungen für die ganze Belegschaft“

    Die Entscheidung für die richtige betriebliche Krankenversicherung (bKV) fällt vielen Unternehmen nicht leicht. Marc Simons von SIMONS & KOLLEGEN weiß Rat.

  • Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen hat einen Krankenzusatzschutz für seine Mitarbeiter abgeschlossen.
    Vorsorge im Doppelpack

    Nur ein Bruchteil der deutschen Unternehmen hat einen Krankenzusatzschutz für seine Mitarbeiter abgeschlossen. Dabei bietet die bKV viele Vorteile – für Betriebe wie Angestellte.

  • T-Systems-CEO Adel Al-Saleh über die Telematik-infrastruktur in der Gesundheitsbranche.
    „Deutschland hinkt noch hinterher“

    Die Telematik-infrastruktur ist das fehlende Bindeglied in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken und Krankenkassen, mahnt T-Systems-CEO Adel Al-Saleh.

  • Stephanie Renda kennt die Grenzen, an die Frauen stoßen.
    „Das einzige Mittel der Wahl“

    Courage: Als junge Mutter gründete Stephanie Renda 2008 ihr eigenes Unternehmen. Heute engagiert sie sich für die ganze Start-up-Szene. Sie kennt die Grenzen, an die Frauen stoßen.

  • Maria Moraeus Hanssen fordert Diversität in Unternehmen
    „Sagen Sie Ja zu neuen Chancen“

    Maria Moraeus Hanssen ist Vorstandsvorsitzende der DEA Deutsche Erdoel AG. Die Norwegerin fordert Diversität in Unternehmen – und das weit über die Geschlechterfrage hinaus.

  • Ines von Jagemann über die neuen Chancen für Frauen, in Führungspositionen zu kommen.
    „Lernen Sie, sich selbst zu schätzen“

    Ines von Jagemann, Geschäftsführerin Digital bei Tchibo, über Digital Leadership und die neuen Chancen für Frauen, in Führungspositionen zu kommen.

  • Verena Pausder will, dass unsere Kleinen einmal digital ganz groß werden.
    Die Zukunft beginnt genau jetzt

    Es könnte abgedroschen klingen, wäre es nicht so unwiderlegbar: Gründerin Verena Pausder will, dass unsere Kleinen einmal digital ganz groß werden.

  • Sarna Röster macht sich für den Nachwuchs stark – und glaubt nicht an die Frauenquote.
    „Gründergeist in die Schulen“

    Sarna Röster, die Nachfolgerin des Familienbetriebs Karl Röser & Sohn, macht sich für den Nachwuchs stark. Im Interview erklärt sie warum sie gegen eine Frauenquote ist.

  • Beate Oblau behauptete sich gegen zwei Männer in der Unternehmensspitze
    „Nur Kompetenz zählt“

    Neben zwei Männern behauptet sich Beate Oblau an der Spitze des Schreibgeräteherstellers Lamy. Sie spricht über die Digitalisierung der Marke und warum ihr Geschlecht irrelevant ist.

  • Prof. Sabina Jeschke über den Mobilfunkstandard 5G und ihre Arbeit als Ingenieurin
    „Digital Leader sein heißt Vielfalt fördern“

    Prof. Sabina Jeschke, Vorstand Digitalisierung und Technik der Deutschen Bahn, über den Mobilfunkstandard 5G und ihre Arbeit als Ingenieurin in einem klassischen Männerbereich.

  • Personalvorständin von EWE, Marion Rövekamp, über Diversity und Frauenförderung.
    „Netzwerken ist essenziell“

    Als Personalvorständin von EWE setzt sich Marion Rövekamp unter anderem für die Themen Diversity und Frauenförderung ein – auch, um damit drohendem Fachkräftemangel zu begegnen.

  • Die Designerin Jette Joop über ihr Geschäft und Frauen in Führungspositionen
    „Wer Konflikte aushält, kommt weiter“

    Die Designerin Jette Joop über ihr Geschäft und Frauen in Führungspositionen – und was ihr selbst als Unternehmerin geholfen hat.

  • Michael Kaib und David O’Neill von Reemtsma erklären, wie die E-Zigarette den Wandel im Traditionsunternehmen treibt.
    Plötzlich anders

    Gestern Tabakhersteller, heute Technikproduzent: Michael Kaib und David O’Neill von Reemtsma erklären, wie die E-Zigarette den Wandel im Traditionsunternehmen treibt.

  • Eine neue Umfrage zum Thema Nachfolge legt offen: Eine große Mehrheit der Firmeninhaber trifft keine Regelungen für einen möglichen Notfall.
    Notfallplan für die Unternehmensnachfolge

    Eine aktuelle Umfrage zum Thema Nachfolge legt offen: Eine große Mehrheit der Firmeninhaber trifft keine Regelungen für einen möglichen Notfall. Was sind die Gründe für dieses Versäumnis?

  • Ist der Unternehmensverkauf vertraglich in trockenen Tüchern, muss der Betrieb noch übergeben werden. Dieser Übergabeprozess ist für Käufer und Verkäufer deutlich umfangreicher als eine reine Schlüsselübergabe.
    Arbeitsreicher Abschied und Neuanfang

    Ist der Unternehmensverkauf vertraglich geregelt, muss der Betrieb noch übergeben werden. Dieser Übergabeprozess ist für Käufer und Verkäufer deutlich umfangreicher als eine reine Schlüsselübergabe.

  • Digitalisierung in Unternehmen: In vielen Bereichen gibt es erheblichen Handlungsbedarf
    5 Digitale Thesen

    _MEDIATE berät Unternehmen zur digitalen Transformation. Die Ergebnisse der jährlichen Befragung zur Ermittlung der Transformationspioniere zeigen, dass es in vielen Bereichen Handlungsbedarf gibt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser