Hamburg, 07.02.2017

Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist

Compliance steht zunächst im scheinbaren Widerspruch zur sich digital transformierenden, agilen Welt. Entscheidungen müssen überall im Unternehmen immer öfter und schneller getroffen werden, Mitarbeiter sollen mutig sein, um Innovation voranzutreiben. Auf den ersten Blick passt das mit bedachtem Agieren und Regelkonformität nicht zusammen, weshalb Compliance meist als auferlegtes Übel verstanden wird. Doch gerade in Zeiten digitaler Transformation ist sie ein entscheidender Faktor für nachhaltigen Erfolg. Um das in den Köpfen aller Mitarbeiter zu verankern, muss sich die Unternehmenskultur ändern. Compliance muss zur Denkhaltung jedes Einzelnen werden.

Kaum ein Tag vergeht ohne neue externe Regeln und Vorschriften. Die Prüfung ihrer Relevanz und die Übersetzung in unternehmenseigene Handlungsanweisungen belasten Organisationen zunehmend. Daraus erwächst ein erhöhtes Compliance-Risikopotenzial. Der Handlungsbedarf für wirksames Compliance-Management ist offensichtlich – und doch wird die Disziplin weitläufig eher als Hemmnis denn als Hilfestellung empfunden. Das ist sie jedoch nur, wenn das Compliance-Management nicht in der Lage ist, agil und flexibel auf die permanenten Änderungen zu reagieren. Dann steht es nicht im Widerspruch zu Agilität und Innovation, sondern kann hierfür ganz im Gegenteil den rechtssicheren Boden bieten sowie Mitarbeitern einen adäquaten Handlungsspielraum aufspannen.

Compliance als Denkhaltung: Die moralische Unternehmenskultur

Das funktioniert jedoch nur mit einer entsprechenden Unternehmenskultur, in der Compliance-Themen und ein gesunder Umgang mit Fehlern fest verankert sind. Die einzig sinnvolle Herangehensweise, das Compliance-Risiko zu senken, ist also die Implementierung einer solchen Kultur. Dafür braucht es ein grundlegendes Umdenken: Vom Regelkatalog zum Wertesystem, das Ethik und Moral mit einbezieht. Anstatt den falschen Weg zu verbieten, gilt es, den richtigen Weg zu weisen. Mitarbeiter müssen den Sinn hinter Compliance verstehen und Verantwortung übernehmen. Ziel muss es sein, alle Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und sie zu befähigen, entsprechend zu handeln. Solch ein integriertes Compliance-Management wirkt sich in mehrfacher Hinsicht positiv aus: Klare Regeln definieren den Handlungsspielraum, beschleunigen somit Entscheidungen und sorgen für die Einhaltung der Qualitätsstandards. Ineffiziente Einzel-Prozesse und Insellösungen werden durch eine holistische Herangehensweise ersetzt, die die unternehmensweite Kommunikation, das abteilungsspezifische Ausrollen von Richtlinien, die Dokumentation von Maßnahmen und ein Schulungsprogramm sinnvoll verbindet.

Führen über Werte: Mitarbeiter befähigen, das Richtige zu tun

Die Voraussetzung für eine positiv gelebte Compliance-Kultur ist ein klares Commitment der Unternehmensführung. Es ist Aufgabe der Führungskräfte, Compliance als Denkhaltung und Handlungsrichtlinie zu verankern sowie für die nachvollziehbare Durchsetzung und Einhaltung der Regeln zu sorgen. Gute Führungskräfte fungieren dabei als Vorbilder: authentisch und geradlinig. Sie leben Compliance durch ihr tägliches Agieren selbst vor. Tatsächlich stehen nachgewiesenermaßen schlechte Organisation und nachlässiges Führungsverhalten in unmittelbarem Zusammenhang mit dem verantwortungslosen Verhalten Einzelner. Dass sich die Bedeutung von Arbeit im Rahmen der digitalen Transformation stark gewandelt hat und sowohl agiler als auch eigenverantwortlicher geworden ist, muss auch im Bereich Compliance Berücksichtigung finden: Von Vorgesetzten wird zunehmend erwartet, dass sie Aufgaben aufzeigen und zugleich die damit verbundene Sinnhaftigkeit nachvollziehbar darstellen. Gleiches gilt für Compliance: Wer den Sinn der Regeln nicht versteht, hält sich auch nicht daran. Sobald jedoch aus Angestellten Mitunternehmer werden, wird auch Compliance zum Eigeninteresse jedes Einzelnen. Als solche fühlen Mitarbeiter sich stärker mit dem Unternehmen verbunden und nehmen ihre individuelle Verantwortung deutlicher wahr.

Fazit

Unternehmen sollten sich diesem Umdenken zeitnah widmen, denn die Bedeutung von Compliance wird weiter wachsen. Einzelmaßnahmen wie Trainings sind ein guter Ansatz, reichen aber nicht aus, um einen Kulturwandel herbeizuführen. Wir benötigen einen ganzheitlichen Ansatz, der Organisationen und Mitarbeiter berücksichtigt, geeignete Prozesse etabliert und entlastende IT-Systeme bereitstellt.

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Gastbeitrag

Oliver Hahne, LL.M.
Leiter der Abteilung Legal + Compliance der Haufe Gruppe
(Foto: Haufe Gruppe)

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