Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Bescheiden zum Erfolg

Gästehaus statt Palast: Papst Franziskus wohnt bescheiden und führt die katholische Kirche ganz ohne Pomp. Dabei handelt er nach dem Muster jesuitischer Ordensregeln. Was Unternehmer aller Konfessionen von ihm lernen können.

Papst Franziskus ist mit dem Auftrag angetreten, Strukturen der Kirche zu erneuern, die sich über Jahrhunderte ausgebildet haben. Wie kann er das? Wie kann er eine gigantische Organisation mit festgefahrenen Strukturen ändern, die im Begriff ist, den Kontakt zur modernen Welt zu verlieren?

Zwar hat er in kurzer Zeit die Sympathie vieler Menschen weltweit gewonnen, aber sein Stil sagt noch wenig über die Qualität seiner Führung. Es ist auch zu früh, hier zu urteilen, doch manches wird schon sichtbar. Er zieht es vor, im vatikanischen Gästehaus zu wohnen, statt in den Apostolischen Palast zu ziehen, weil er unter Menschen sein will. Er beschränkt sich nicht auf die Zuständigen im Vatikan, er überschreitet die Grenzen des Üblichen. Bei der Reform der Vatikanbank berät ihn eine Frau eines renommierten Beratungsinstituts. Allein die Kompetenz zählt. Er holt sich die Hilfen, die er benötigt, weil er weiß, dass er nicht im Besitz der Wahrheit ist und auf andere angewiesen bleibt. Seine Bescheidenheit hilft ihm hier. In der Angelegenheit des Bischofs von Limburg verbindet er Strenge mit Güte. Er spricht mit ihm, empfiehlt ihm eine Zeit der Reflexion. Er entscheidet nicht unter dem Druck der Öffentlichkeit. Schließlich wird für den Bischof eine neue Aufgabe gesucht, Limburg ist vorbei. Mit seinem Besuch in Lampedusa demonstriert er vor der ganzen Welt, dass er sich nie damit abfinden wird, die Armen auszugrenzen und ihrem Schicksal zu überlassen. Er will „eine arme Kirche und eine Kirche der Armen“. Warum diese Betonung der Armut? Vielleicht ist es diese Botschaft: Gutes Essen, schöne Kleider, teurer Schmuck, Einfl uss, Ansehen – um ein erfülltes Leben zu führen, brauchen wir das alles nicht.

Der Grundstein seiner Arbeitsweise 

Wenn sich der Papst an seine Aufgaben begibt, wissen wir in etwa, aus welchen Quellen er schöpft. Sie gehören zum Jesuitenorden, in dem er groß geworden ist, wo er höhere Führungsaufgaben wahrgenommen hat und dessen Mitglied er lange Jahre war. Er hat eine lange Ausbildung in der Spiritualität des Ordens erfahren, viele Jahre Philosophie und Theologie studiert und an den geistlichen Übungen teilgenommen, die die Jesuiten am stärksten prägen und ihre Identität ausmachen. Sie wurden vom Gründer des Ordens, Ignatius von Loyola, verfasst, dauern 30 Tage in völligem Schweigen und vollziehen sich über sechs Schritte:

- Eine Grundausrichtung auf Gott hin, die allen anderen Dingen nur noch eine untergeordnete Bedeutung zuschreibt. Dies führt zu großer innerer Freiheit.

- Das Bewusstsein, den Anforderungen immer wieder nicht zu entsprechen, Fehler zu machen und zu versagen. Demut ist die Folge.

- Die Identifikation mit Jesus von Nazareth: seine Botschaft verstehen, leben und weitergeben; seine Werte verinnerlichen und das eigene Leben nach seinem Vorbild ausrichten. So lehrt uns Jesus an Weihnachten, dass diese Welt nicht mehr grundsätzlich scheitern kann, und begründet damit einen unerschütterlichen Optimismus in das Leben.

- Übungen zur Bescheidenheit verlangen die entschlossene Absage an das Bedürfnis, selbst groß dazustehen, sich um Geltung oder Macht zu bemühen. Narzisstische Menschen, die häufig nach hohen Positionen streben, werden hier nicht gebraucht. Es geht nur um den Dienst an einem großen Werk.
 
- Ignatius hat eine Methode entwickelt, um Entscheidungen zu treffen, bei der er rationale Überlegungen mit emotionalen Empfindungen verbindet. Verstand und Gefühl, Apollinisches und Dionysisches sollen zusammenfließen. Diese Methode wird hier eingeübt. Sie begründet eine besondere Qualität der Entscheidungsfindung, die im Fall des Jesuitenordens immerhin zu einer Existenzdauer von über 500 Jahren geführt hat. Familienunternehmen, wie wir sie kennen, schaffen es oft nicht über die dritte Generation hinaus.

- Das Gefühl der Dankbarkeit, das aus der Erfahrung entsteht, dass viele Dinge zu meinem Wohl eingerichtet sind, für die ich nichts geleistet habe: dass ich hier lebe, nicht in Afrika oder Asien; dass ich jetzt lebe, nicht im Mittelalter, zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges; dass ich von Menschen umgeben bin, die mir Gutes tun wollen.

Ordenslehre nutzt auch Unternehmern

Papst Franziskus hat in seinem Leben die geistlichen Übungen zweimal durchlaufen und ist von dieser Erfahrung tief geprägt. Der Ordensverfassung hat der Gründer einen Text beigefügt, in dem er beschreibt, wie er sich die Qualitäten des Ordensoberen vorstellt. Papst Franziskus kennt diesen Text. Sicher hat er danach gestrebt, sich auf diese Anforderungen einzulassen: Es geht darum, die Werte und Ziele des Unternehmens zu verinnerlichen und sie als lebendes Beispiel so darzustellen, dass Mitarbeiter am Verhalten der Führungskräfte erkennen können, was mit Unternehmenskultur gemeint ist; fähig zu sein, gute und vertrauensvolle Beziehungen herzustellen und doch die nötige Distanz einzuhalten, ohne Autorität einzubüßen; durch hohe fachliche Kompetenz und ausgeprägtes Wissen Erfolge zu ermöglichen und dabei die persönliche Bescheidenheit nicht zu verlieren; in Entscheidungen niemals gegen die Einsicht der Vernunft zu verstoßen und persönliche irrationale Beweggründe aufzuarbeiten; mutig und sensibel mit Widerständen umzugehen und wechselnden Erfahrungen mit Gelassenheit zu begegnen; vereinbarte Ziele konsequent zu verfolgen und in aktuellen Situationen dennoch flexibel zu reagieren; um sich selbst wissen durch persönliche innere Erfahrungen und sie nutzbar machen, um andere zu beraten.

Wenn die geistlichen Übungen und der Text über die Eigenschaften des Generaloberen die Quellen sind, aus denen der Papst Hinweise für seine Führung schöpft, was können Manager für das eigene Führungsverhalten daraus lernen? Es braucht eine Grundorientierung, die im Leben eines Unternehmers für Kontinuität und Flexibilität sorgt. Solche Grundorientierungen werden uns normalerweise von der Tradition übermittelt, wir brauchten sie nur zu übernehmen. Das ist heute nicht mehr so. Wir schließen uns nicht mehr gern Meisterdenkern an, sondern wählen selbst, was Leitidee in unserem Lebens sein soll. Dies ist nicht einfach und doch so wichtig. Oft findet Führung in hochkomplexen Zusammenhängen statt und in Systemen, die nur eigene Regeln kennen. Fehler sind unerlässlich. Aus ihnen zu lernen ist wichtig. Dazu braucht es Kritikfähigkeit, das heißt Bereitschaft, zu kritisieren und sich kritisieren zu lassen. Ohne Bescheidenheit geht dies nicht. Narzisstische Menschen streben zwar nach hohen Führungspositionen, sind aber dafür nicht geeignet. Sie sind zu sehr mit der eigenen Geltung beschäftigt und von der Meinung anderer zu sehr abhängig. Ein Unternehmer muss bereit sein, von anderen zu lernen. Es ist Jesus von Nazareth, dem sich Papst Franziskus besonders verbunden fühlt, seinem Vorbild will er entsprechen, in seinem Sinne will er handeln. Aber es gibt auch andere Vorbilder, die in diesem Geist gelebt haben: Franz von Assisi, Mahatma Gandhi, Arthur Schnitzler und viele andere. Sie sollen uns helfen, Ungewöhnliches zu leisten und über uns hinauszuwachsen. So zu entscheiden, dass dem, was die Vernunft erkennt, auch das Gefühl zustimmen kann, ist eine gute Basis. Gute Entscheidungen sind solche, bei denen rationale Erkenntnis und emotionale Einsicht zusammenfließen. Menschen, die eine tiefe Dankbarkeit empfinden für Chancen und Wohltaten, die ihnen im Leben zuteil geworden sind, strahlen Güte aus und Wohlwollen; man fühlt sich gut in ihrer Nähe und ist bereit, sich ihnen zuliebe zusätzlich anzustrengen.

Solche Menschen sind gewinnend, zeigen Perspektiven auf, und Niederlagen werfen sie nicht aus der Bahn. Wer Führungsaufgaben wahrnimmt, muss sich mit vielen Menschen beschäftigen, darunter auch schwierigen, ja sogar feindlich gesinnten. Manchmal ist er auf sie angewiesen und muss gute Beziehungen zu ihnen aufbauen können, ohne Distanz und Autorität zu verlieren. Er muss seine eigenen Widerstände erkennen und an seinen eigenen irrationalen Beweggründen arbeiten, um mehr Klarheit in seine eigene Persönlichkeitsstruktur zu bringen.

Die geistlichen Übungen und der Text über die Eigenschaften des Generaloberen enthalten viel menschliche Weisheit und tiefe menschliche Erfahrung über Jahrhunderte, sodass wir für unser Handeln daraus Gewinn ziehen können, auch ohne theologische oder geistliche Verbundenheit. Das Handeln von Papst Franziskus aber ist von seiner Gottverbundenheit und seiner vorgelebten Nähe zu Jesus von Nazareth geprägt.

Das interessiert andere Leser

  • 13.03./14.03.2018 | Global InsurTech Roadshow (GIR18)

    Frankfurt | Erstmals kommen internationale Startups, Insurtechs, Versicherer, Investoren und Service Provider zu Pitch und Erfahrungsaustausch zusammen.

  • Event-Tipp: Unternehmensnachfolge in der Bio-Branche

    Im Rahmen der BIOFACH 2018 in Nürnberg wird am 14. Februar 2018 referriert und diskutiert - Wie sieht die optimale Planung der Nachfolge für einen Biobetrieb aus? Hier erfahren Sie mehr.

  • Master Franchise International

    Lesen Sie hier mehr über internationales Franchising und die Vergabe von Masterlizenzen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Forschungsprojekt zur Unternehmensnachfolge

    Bei der Übergabe stehen meist die aktuellen Probleme im Mittelpunkt, Pläne für die Zukunft kommen zu kurz. Ein Forschungsprojekt der Universität Bremen will das mit einer neuartigen Methode ändern.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Erfolgsrezept: Loslassen lernen

    Ein pragmatischer Ansatz zur Umsetzung eines Nachfolgeprojektes bei einem Mittelstandsunternehmen in der metallverarbeitenden Industrie.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

  • Welches Konzept passt zu mir?

    Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es nicht. Das Konzept sollte Ihnen ein solides Einkommen bieten - da ist sorgfältiges Selektieren angesagt.

  • Judoka ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2017“

    Theresa Stoll, EM-Zweite und Medizin-Studentin, ist „Sport-Stipendiat des Jahrs 2017“– eine Auszeichnung von Deutscher Bank und Deutscher Sporthilfe.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick