Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Auf neuen Wegen ans Personal

Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Unternehmen. Die Personalmanager müssen umdenken und bei der Mitarbeitersuche Kreativität beweisen.

Beinahe wöchentlich erscheint eine neue Studie, die den Fachkräftemangel in Deutschland bescheinigt. Dem Arbeitsmarktreport 2013 – 2014 des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) zufolge stehen vier von zehn Unternehmen in Deutschland vor einem Fachkräfteengpass. Besonders stark unterversorgt sind laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) Stellen für Nicht-Akademiker der MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik): Bis 2020 fehlen dort 1,4 Millionen Facharbeiter.

Von einem pauschalen Fachkräftemangel kann also nicht die Rede sein. „Fachkräfteengpässe sind regional unterschiedlich. Auch betreffen sie nicht alle Branchen, Berufe und Qualifikationen gleichermaßen“, sagt Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK. Doch ab wann wird überhaupt von Fachkräftemangel gesprochen und nicht nur von ein paar Stellen, die schwer zu besetzen sind? „Wir reden von Fachkräftemangel, wenn die Vakanzzeit für eine Berufsgruppe mindestens 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt aller Berufe liegt und weniger als 150 Arbeitslose auf 100 gemeldete Stellen kommen“, so Jürgen Wursthorn, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA). Es gebe diverse Begründungen für das Fehlen von Experten der MINT-Branchen: „Das Entstehen von Fachkräftemangel beruht auf vielen Faktoren: Demografie, Berufs- und Studienwahlverhalten sowie Ausbildungs und Studienabbrüchen“, erklärt Wursthorn. Die Konjunktur spiele ebenfalls eine wichtige Rolle, ob sich ein Fachkräfteengpass weiter verschärfe oder entspanne. Aber nicht alle stimmen in diesen Chor mit ein.

Fachkräftemangel – nur ein Mythos?

Einer der schärfsten Kritiker der These vom Fachkräftemangel ist Martin Gaedt, Geschäftsführer von Younect, einer Agentur für Recruiting-Kooperationen. Er behauptet, Fachkräftemangel sei hausgemacht: „Fachkräftemangel ist so richtig und falsch wie ‚Kundenmangel‘. Fehlen Kunden, verbessert man das Angebot und macht mehr Marketing und Vertrieb. Fehlen Fachkräfte, sollte man sein Angebot an die gesuchten Fachkräfte sowie sein Personalmarketing und Recruiting überprüfen.“ Der DIHK, die BA und Gaedt geben teils identische, teils verschiedene Antworten auf die Frage, wie das konkret zu bewerkstelligen sei. Dercks verweist auf brachliegende Fähigkeiten: „Es wird künftig darauf ankommen, zum Beispiel die Potenziale von Frauen und Älteren noch besser zu nutzen. Hinzu kommt die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, die für die Betriebe mehr und mehr zur Option wird.“ Die aktuelle Zuwanderung aus den EU-Nachbarländern solle deshalb als Chance angesehen werden. Wursthorn von der BA empfiehlt kleinen und mittelständischen Unternehmen, Aus- und Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen: „Hierbei sollten die Betriebe alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. So zum Beispiel finanzielle Fördermittel wie den Arbeitsentgeltzuschuss durch die Agenturen für Arbeit, wenn sie die berufliche Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer unterstützen.“

Überraschend erfolgreich

Gaedt hingegen sieht gute Chancen darin, bewusst mit bestehenden Rekrutierungskonventionen zu brechen. Ein Auszug seiner zahlreichen Tipps, die er auch in seinem Sachbuch „Mythos Fachkräftemangel“ veröffentlicht hat:

• Quereinsteiger abseits vom Mainstream wahrnehmen: die Altersbegrenzung aufheben und Studienabbrecher einladen
• Bewerbungen zügig beantworten
• Schüler im Ferienjob auf Potenzial für eine Ausbildung prüfen
• Kandidaten gezielt ansprechen und für sich Gewinnen
• Heißen Kandidaten Handys mit nur einer Nummer schicken: der eigenen
• Reise- und Hotel-Gutschein an Bewerber Verschicken
• Pizza liefern mit Einladung zum Job-Interview
• Regional mit anderen Betrieben kooperieren, Kandidaten im Netzwerk empfehlen
• Kunden und Mitarbeiter in die Rekrutierung Einbeziehen
• Mentoring von Menschen, die ihr Potenzial noch entfalten können
• Alles, was andere nicht tun.

Das interessiert andere Leser

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • Was einen »Leitwolf« und einen kleinen und mittelständischen Unternehmer verbindet

    Die Unternehmergeneration, die heute mit dem Problem einer Unternehmensnachfolge konfrontiert wird, ist ein Produkt ihrer Zeit und der Gesellschaft.

  • Bürgschaftsbanken fördern massiv Nachfolge im Mittelstand

    Deutschland hat ein Nachfolgeproblem. Im Mittelstand fehlen bis Ende 2019 rund 240.000 neue Inhaber für kleine und mittlere Unternehmen.

  • Franchise oder Startup?

    Die Vor- und Nachteile beider Modelle im Check. Ein Leitfaden für alle, die sich selbstständig machen wollen.

  • Israels Gründergeist

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates des Silicon Wadis. Mit seiner ersten Gründung fuhr Agassi erstmal gegen die Wand. In Israel aber gehören Rückschläge zum Geschäft.

  • Darf's etwas teurer sein?

    Professionelles Pricing, Omnichannel im Vertrieb, Customization: Dr. Georg Tacke, CEO der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners über Vertriebs- und Marketingtrends 2018.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick