An guten Taten beteiligt

Wie Finanzinvestoren wohltätige Organisationen effizienter machen.

-- Private-Equity-Firmen helfen mit Geld und Beratung. Die Branche legt ihre beiden Stiftungen zusammen. --

Es waren 100 sehr lehrreiche Tage. In dieser Zeit hatte der Chef der britischen Wohltätigkeitsorganisation Street League, Matt Stevenson-Dodd, einen ungewöhnlichen Berater an seiner Seite: einen Coach, der sonst hartgesottene Manager trainiert. "Das hat mich dazu gebracht, mein Selbstbild zu korrigieren", sagt Stevenson-Dodd.

Der Coach habe ihm geholfen, Probleme zu analysieren und Beschlüsse schneller zu fassen. "Danach war mir klar", erzählt der Street-League-Chef, "dass ich, der sich für einen guten Entscheider gehalten hat, in der Beziehung noch Verbesserungsbedarf hatte."

Möglich gemacht haben das Finanzinvestoren wie KKR, Apax und Terra Firma. Über ihre Stiftung Impetus - The Private Equity Foundation unterstützen sie in Großbritannien Wohltätigkeitsorganisationen. Anders als Banken und andere Unternehmen aus der Finanzbranche helfen Private-Equity-Gesellschaften hier nicht nur mit Geld. Ihre Mitarbeiter engagieren sich im Sozialsektor ähnlich wie bei ihren Beteiligungen: Sie mischen sich ein und beraten, damit die Projekte und Mitarbeiter professioneller werden, Finanzmittel besser einsetzen und neue Geldquellen anzapfen.

Impetus ist Teil einer neuen Bewegung. Sie setzt Instrumente und Strategien aus der Wirtschaft in der Sozialarbeit ein, um diese effizienter zu machen. Bei Street League hieß das vor allem eines: "Wir mussten uns fokussieren", sagt Stevenson-Dodd. Die Organisation ist 2001 gegründet worden, um Obdachlosen mit Hilfe regelmäßiger Fußballspiele Lebensfreude und Antrieb zu geben. Nach und nach sind andere Hilfsbedürftige dazugekommen: Asylsuchende, Menschen mit psychischen Problemen, Schulabbrecher.

Als die Stiftung der Private-Equity-Firmen 2010 anfing, Street League zu unterstützen, hat die Organisation sich zunächst eine Schrumpfkur verschrieben: "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir uns auf junge Menschen ohne Job und Ausbildung konzentrieren sollten", berichtet der Street-League-Chef.

Das Hilfsprogramm, das auf acht Wochen ausgelegt ist, besteht aus zwei Elementen. Zwei Stunden täglich müssen die Jugendlichen büffeln, zwei Stunden täglich spielen sie Fußball. Den Verantwortlichen zufolge hat das gleich zwei Vorteile: Der Sport hilft, dass die Jugendlichen das Programm nicht abbrechen und es macht sie fitter.

Ähnlich sind die Ziele, die die Private-Equity-Firmen mit ihren guten Taten verfolgt: Die Organisationen sollen danach besser auf eigenen Beinen stehen können.

Derzeit unterstützt die Stiftung mehr als zwei Dutzend Projekte - darunter eine Organisation, die Schülern mit Lernschwierigkeiten Tutoren vermittelt. Ein Projekt unterstützt junge Mütter, ein anderes ehemalige Sträflinge auf Jobsuche.

Ursprünglich gab es auf der Insel zwei Stiftungen von Private-Equity-Firmen. Um schlagkräftiger zu werden, haben die Unternehmen, die sonst erbittert um Investitionsmöglichkeiten konkurrieren, die Stiftungen 2013 zusammengelegt. Private-Equity-Unternehmen seien zu Kooperationen in der Lage, "wenn sie ein gemeinsames Ziel haben, das ihnen am Herzen liegt", sagt Johannes Huth. Der Europachef von KKR sitzt dem Stiftungsrat vor.

Insgesamt half Impetus zuletzt mit 9,4 Millionen Pfund (zwölf Millionen Euro) - nach neun Millionen Pfund im Vorjahr. Bargeld macht allerdings nur ein Drittel der Summe aus, der Rest sind ehrenamtliche Mitarbeit, Beratung und Vermittlung von Dienstleistern, die den Projekten unentgeltlich helfen.

Gerade das sei wertvoller als gedacht, sagt Stevenson-Dodd von Street League: "Mit Hilfe eines Personalberaters, den wir uns nie leisten könnten, sind wir an einen Hochkaräter als Chairman rangekommen, der bei der Suche nach neuen Geldquellen sehr gute Arbeit leistet." Hätte man stattdessen einfach nur Bargeld bekommen, hätte man das direkt in die Jugendarbeit gesteckt - "aber nicht in die Organisation, um diese schlagkräftiger aufzustellen und so am Ende mehr Jugendlichen helfen zu können." Die Beratung ist wertvoller als gedacht, sie macht das Projekt schlagkräftiger, so dass es mehr Jugendlichen helfen kann. Matt Stevenson-Dodd. Chef von Street League.

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