Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Alle Potenziale nutzen

Die Ideen der Mitarbeiter sollen dazu beitragen, Kosten zu senken. Dafür braucht man ein funktionierendes System – und Führungskräfte, die ineffizientes Arbeiten sehen und verändern.

Für die Tempus GmbH, die Beratung und Schulungen durchführt, war es ein Image-Gewinn, bei einer jährlichen Tagung den Besuchern kostenloses WLAN anzubieten. Und seit die Arbeitsblätter extern gedruckt werden, spart das Unternehmen bis zu 100 Euro pro Auftrag. Die Ideen dazu kamen aus der Mitarbeiterschaft. 2012 machten die 38 Tempus-Angestellten rund 250 Vorschläge, wie Angebote zu verbessern und Kosten zu sparen seien. Allerdings: Bei Tempus gehören Prämien für Ideen zum Entlohnungssystem.

Experten für effizientes Arbeiten

Was bei Dienstleistern seit circa 20 Jahren praktiziert wird, hat seine Wurzeln als betriebliches Vorschlagswesen (BVW) in der Metall verarbeitenden Industrie: Der Industrielle Alfred Krupp ordnete 1872 an, dass „Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen aus allen Kreisen der Mitarbeiter dankbar entgegenzunehmen“ seien. Dahinter steckt die Idee, dass Mitarbeiter für ihre Tätigkeiten die größten Experten sein könnten – ein Potenzial, das es zu fördern und zu nutzen gilt. Ein erwünschter Nebeneffekt: Mitarbeiter, die mitbestimmen können, arbeiten motivierter und identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen. Mittlerweile hat sich das BVW zum Ideenmanagement weiterentwickelt. Die jährliche Umfrage des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft zeigt, dass das Ideenmanagement in der Metall verarbeitenden Industrie noch immer am stärksten verbreitet ist. In Unternehmen dieser Branche wurden 2012 mit 586 Verbesserungsvorschlägen pro 100 Mitarbeiter die meisten gemacht, wie die Befragung von 154 Firmen zeigt. Unternehmen für Dienstleistungen, Handel und Bildung liegen im Mittelfeld, am wenigsten kreativ zeigten sich Banken und Versicherungen, wo 100 Mitarbeitern im Schnitt nur auf 15 Ideen kamen. Zudem ist dort die Realisierungsquote am niedrigsten: Nur 13 Prozent der Einfälle wurden tatsächlich verwirklicht. In der Metall verarbeitenden Industrie ist die Realisierungsquote mit 62 Prozent am höchsten.

Zentrales versus dezentrales System

Damit das Ideenmanagement in einem Unternehmen funktioniert, sind bestimmte organisatorische Voraussetzungen notwendig, so Christoph Gutknecht, Leiter Ideen- und Innovationsmanagement des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft, Frankfurt/M.. Zunächst müssen die Rahmenbedingungen stimmen, das heißt, es muss ein System geben, nach welchem Verbesserungsvorschläge eingereicht, geprüft, prämiert und realisiert werden. Man unterscheidet zwischen einem zentralen, einem dezentralen und einem hybriden Ideenmanagement. Beim zentralen System pflegen Mitarbeiter aus allen Bereichen ihre Vorschläge in eine Software oder reichen sie über ein Formular ein. Die Stabsstelle für Ideenmanagement leitet sie an den betrieblichen Gutachter zur Prüfung weiter.

Beim dezentralen oder auch Vorgesetztenmodell können sich Mitarbeiter direkt an ihren Chef wenden, der die Praktikabilität des Vorschlags beurteilt oder eine gutachterliche Stellungnahme eines Kollegen einfordert. Dies geht zumeist schneller vonstatten. Bei Tempus beispielsweise dauert die Umsetzung nur zwei Tage. „In der Regel können die Beschäftigten die Ideen selber umsetzen, was auch die Prämie erhöht. Und: Keine Idee landet anonym in einer Schublade“, sagt Jürgen Frey, Verkaufsleiter bei Tempus.

Die meisten Unternehmen bevorzugen eine Kombination aus beiden Modellen. Professor Friedrich Kerka, geschäftsführender Vorstand am Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) in Bochum, sagt: „Es kann nicht nur darum gehen, möglichst viele Ideen von den Mitarbeitern zu bekommen. Das passiert jedoch, wenn ein Ideenmanagement sich ausschließlich um die Rahmenbedingungen, also etwa die Softwarelösung oder die Frage der Prämierung, kümmert.“ Damit verschwenden Unternehmen wertvolle Ressourcen, da nicht das Ziel, sparsames Arbeiten zu ermöglichen, im Fokus steht. Das IAI hat in einer Studie Fach- und Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen gefragt, was ihrer Erfahrung nach wichtig bei der Entwicklung von Kompetenzen zum verschwendungsarmen Arbeiten ist. Ansätze zur Unterstützung kontinuierlicher Verbesserungsprozesse wie „Ideenmanagement-Softwareplattformen für die Einreichung von Verbesserungsvorschlägen“ werden in allen Branchen als weitgehend unbedeutend eingeschätzt. „Ideenmanagement wird oft mit der Einführung moderner Softwareplattformen, professionellem Marketing und Anreizsystemen für kreatives Engagement gleichgesetzt. Kein Mitarbeiter ist jedoch nach der nächsten Ideenmanagement-Kampagne schlauer, was das verschwendungsarme Arbeiten angeht“, sagt Kerka. Seine Kritik: Die Ideenentwicklung wird in den meisten Fällen dem Zufall überlassen. An der Bewertung und Umsetzung sind die Einreicher in der Regel nicht beteiligt. Know-how zur Entdeckung von Verschwendung oder zur Klärung der Ursachen und Folgen werde in solchen Initiativen weder vermittelt noch eingeübt. Es werde nur an der Stellschraube der Motivation gedreht. „Die Kompetenz zum verschwendungsarmen Arbeiten wird nicht nur von der Motivation der Mitarbeiter gespeist, sondern auch von ihrem Know-how“, sagt Kerka. „Unternehmen müssen dazu in ihre Mitarbeiter investieren.“ Damit wird Ideenmanagement zur Führungsaufgabe: Vorgesetzte müssen ihre Mitarbeiter darauf stoßen, wo Verschwendung stattfindet, und mit ihnen darüber reden. Und zu ihren Aufgaben gehört es, die Umsetzung der Vorschläge zu koordinieren.

Das interessiert andere Leser

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • Was einen »Leitwolf« und einen kleinen und mittelständischen Unternehmer verbindet

    Die Unternehmergeneration, die heute mit dem Problem einer Unternehmensnachfolge konfrontiert wird, ist ein Produkt ihrer Zeit und der Gesellschaft.

  • Bürgschaftsbanken fördern massiv Nachfolge im Mittelstand

    Deutschland hat ein Nachfolgeproblem. Im Mittelstand fehlen bis Ende 2019 rund 240.000 neue Inhaber für kleine und mittlere Unternehmen.

  • Franchise oder Startup?

    Die Vor- und Nachteile beider Modelle im Check. Ein Leitfaden für alle, die sich selbstständig machen wollen.

  • Israels Gründergeist

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates des Silicon Wadis. Mit seiner ersten Gründung fuhr Agassi erstmal gegen die Wand. In Israel aber gehören Rückschläge zum Geschäft.

  • Darf's etwas teurer sein?

    Professionelles Pricing, Omnichannel im Vertrieb, Customization: Dr. Georg Tacke, CEO der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners über Vertriebs- und Marketingtrends 2018.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick