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Zeit fürs Wesentliche

Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen. Während zahlreiche Hersteller auf eine sehr lange Tradition zurückblicken, drängen auch neue Manufakturen in den lukrativen Markt.

Hochwertig: Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab 

Luzern, Stiftstraße: Ein paar Schritte vom Vierwaldstädter See und den ersten Adressen unter den führenden Juwelieren entfernt, entstehen in einer dieser kleinen Manufakturen der Schweiz Zeitmesser für Individualisten. Wer Glück hat, kann dem Uhrmacher durch ein Schaufenster bei seiner filigranen Arbeit zuschauen. Eine gläserne Manufaktur für tickende Kunstwerke, gegründet von Judith und Walter Hess. Beide kommen zwar nicht aus der Uhrenbranche, doch aus Liebe zu den Zeitmessern eröffneten sie vor einigen Jahren die Manufaktur Hess. In Deutschland ist diese Mikromarke noch nicht allzu bekannt, in der Schweiz jedoch verzeichnen die klassisch-eleganten Uhren mit dem Label „Hess Luzern“ schon eine bemerkenswerte Präsenz. Die Kollektion nimmt sich noch überschaubar aus. Die „Two.1“ ist eine Zeitzonenuhr mit Großdatum und Rotgoldziffern auf schwarzem oder braunem Zifferblatt. Das Design der „Two.2“ wurde noch stärker auf das Wesentliche reduziert. Denn auf das Blatt werden nur Rotgoldindizes in Form von Punkten appliziert. Lediglich eine dezente Datumsanzeige ist auf der Dreiuhrposition zu finden. Die kleinen Stückzahlen, die in der Luzerner Manufaktur entstehen, machen diese Uhren zwar zu raren Nobeltickern. Dafür ist es aber oft schwierig, passende Zulieferer zu finden. „Wir brauchen Partner, die bereit sind, auch Kleinserien zu fertigen und auf unsere Wünsche einzugehen“, sagt Judith Hess. Bisher hat es funktioniert. Sie schwärmt von einem neuen Zifferblatt ihrer Uhren, auf das Diamant-Staub aufgebracht wird. „Die ‚Diamond Dust‘ beschert aufgrund ihrer facettenreichen Lichteffekte dem Träger der Uhr noch mehr magische Momente“, verspricht sie.

Uhren für die Abendgarderobe

Die Hess-Uhren gehören zur Kategorie von Zeitmessern, die in diesen Wochen bevorzugt ans Handgelenk gelegt werden, wenn wieder häufiger Abendgarderobe getragen, Konzerte besucht und die Festtage standesgemäß genossen werden. Dann sind Uhren gefragt, die problemlos unter die Hemdmanschette passen, aber, wenn sie doch einmal zum Vorschein kommen, auf den guten Geschmack des Trägers schließen lassen.

Eleganz und Exzellenz – beide Attribute schreibt sich die Manufaktur Patek Philippe zu. Sie spielt – auch preislich – in einer ganz anderen Liga als kleinere Hersteller wie Hess. Auf Auktionen erzielen Vintage-Uhren von Patek immer wieder Höchstpreise. Freunde dieser Marke schätzen vor allem die hohe Fertigungstiefe der Manufaktur: Patek Philippe stellt vom Uhrwerk bis zum Zifferblatt alles selbst her. 2009 führte das Unternehmen zudem das Patek-Philippe-Siegel ein, das seither das Genfer Siegel als Qualitätsversprechen ersetzt. Patek-Uhren zeichnen sich durch ihr Understatement aus. Die Gehäusedurchmesser wurden bei einigen Modellen in den vergangenen Jahren zwar etwas größer, im Vergleich zu Uhren anderer Marken erscheinen sie mit 39 Millimetern aber nach wie vor zurückhaltend.

Kompliziertes Innenleben

Von Understatement kann freilich keine Rede sein, wenn es um die technischen Raffinessen der Werke geht. In einigen Patek befindet sich mit das Komplizierteste, was die Haute Horlogerie zu bieten hat. Für Modelle mit besonders raffiniertem Innenleben muss der Uhrenfreund sechsstellige Summen investieren. Aber auch, wer bei seinem Juwelier nach „unkomplizierteren“ Patek fragt, sollte von einem fünfstelligen Preis ausgehen.

In ähnlichen Kategorien bewegen sich mittlerweile die Preise für Uhren aus der deutschen Luxus-Manufaktur A. Lange & Söhne im sächsischen Glashütte. Ob man so teure Uhren eigentlich brauche, wurde A. Lange & Söhne-CEO Wilhelm Schmid einmal gefragt. „Die Dinge, die ich am wenigsten brauche, machen mir oft am meisten Spaß“, antwortete der frühere Chef von BMW Südafrika schlagfertig.

A. Lange & Söhne gilt als eine Manufaktur, die wie kaum ein anderer Hersteller ihre Werke aufwendig von Hand dekorieren lässt. Der handgravierte Unruhkloben versetzt Uhrenfreunde in Entzücken. Als deutsche Uhren-Ikone hat sich die „Lange 1“ längst etabliert. Schätzungen zufolge stellen A. Lange & Söhne weniger als 8.000 Uhren pro Jahr her.

Im sächsischen Glashütte gleich gegenüber, in einem leicht futuristisch anmutenden Gebäude, befindet sich die junge Manufaktur Moritz Grossmann. Ähnlich wie Lange geht der Name des Unternehmens auf einen Großen der Zunft zurück. Moritz Grossmann gehörte zu den bedeutenden Uhrmachermeistern des 19. Jahrhunderts. Seine Nachfolger lieben es kompliziert. Flaggschiff ist das Modell „Benu Tourbillon“. In diesem Jahr stellte Grossmann drei neue Modelle in der Atum-Kollektion vor. Besonders raffiniert: Das Messing- Zifferblatt der „Atum Pure M“ weist in der Mitte einen Durchbruch auf, der von gewebten Stahlfäden überspannt wird. Dadurch hat der stolze Besitzer das Manufaktur-Handaufzugskaliber stets im Blick.

Renaissance der Marke Moser

Wer in Sachen Uhren an Schaffhausen denkt, dem kommt zunächst die Manufaktur IWC in den Sinn. Aber der Name dieses heute rund 36.000 Einwohner zählenden Städtchens am Hochrhein ist auch verbunden mit dem erfolgreichen Uhrmacher und Geschäftsmann Heinrich Moser (1805–1874). Als Fabrikant und Großhändler reüssierte er vor allem in Russland. Dort bediente er unter anderem in Sankt Petersburg und Moskau eine anspruchsvolle Klientel. Selbst Lenin erwarb zum Beispiel eine Taschenuhr von Moser.

Vor mehr als zehn Jahren erlebte der Name des Uhrmachers mit der Gründung der Moser Schaffhausen AG eine Renaissance. Das Unternehmen, hinter dem mit Thomas Straumann zunächst einer der reichsten Männer der Schweiz stand, brachte elegante und technisch raffinierte Armbanduhren unter der Marke H. Moser & Cie. auf den Markt. Dazu zählte das Modell „Mayu“, das auch in einem Gehäuse aus dem in der Uhrenbranche recht seltenen Edelmetall Palladium zu haben war. Obwohl die Moser-Uhren hohes Ansehen genossen, durchlebte das Unternehmen schwierige Zeiten. Nach andauernden Verlusten verlor der Großinvestor schließlich die Freude an seinem kostspieligen Hobby. Heute ist Moser in anderen Händen und bietet mit seinen Modellreihen Endeavour, Venturer und Pioneer sowohl klassisch-elegante als auch klassisch-sportliche Zeitmesser, darunter Uhren mit den aufwendigen Komplikationen Ewiger Kalender und Tourbillon.

Was aber macht Uhren zu Ikonen, zu klassischen Schönheiten? In erster Linie natürlich ein zeitlos-elegantes Design, hinter dem oft große Namen der Kunst- und Designer-Szene stehen. Der bekannteste dürfte der Schweizer Gérald Genta (1931–2011) sein, von dem unter anderem der Patek-Philippe-Klassiker „Nautilus“ stammt – eine Uhr in der Form eines Bullauges und das einzige Sportmodell in der Patek-Kollektion. Von Genta („Man muss klassisch sein, zugleich aber auch neu denken“) stammt außerdem die „Bulgari Bulgari“, die „Ingenieur SL“ von IWC und die „Royal Oak“ von Audemars Piguet. Einen Namen in der Branche machte sich darüber hinaus Jean Daniel Rubeli, dem die Freunde eleganter Uhren die Patek „Ellipse“ verdanken.

Rekordpreise für Stahlmodelle

Ob eine elegant-klassische Uhr ein Gehäuse aus Gold oder Platin braucht, sorgt bei Uhrenfreunden immer wieder für Diskussionen. Luxus-Manufakturen wie A. Lange & Söhne fertigen üblicherweise nur Uhren aus Edelmetall. Mitte der 1990er-Jahre jedoch kamen wenige „Lange 1“-Uhren aus Edelstahl auf den Markt, sozusagen Prototypen. Diese extrem seltenen Uhren erzielen bei Auktionen heute sensationelle Preise. Auf einer Versteigerung bei Christie’s im Jahr 2013 fiel der Hammer erst bei umgerechnet über 135.000 Euro.

Auch Patek Philippe hat fast ausschließlich Uhren aus Gold und Platin in der Kollektion. Einzige Ausnahme: Die Sportuhr „Nautilus“ gibt es auch als Stahlvariante – und ist als solche oft begehrter als ihre goldene Schwester. Andererseits gibt es zum Beispiel bekannte Fliegeruhr-Ikonen wie die Breitling „Navitimer“ in Gold-Varianten.

Beim werblichen Auftritt der eleganten Luxus-Uhren fällt vor allem eines auf: Die meisten kommen ohne Markenbotschafter, Testimonials und andere Promi-Unterstützer aus. A. Lange & Söhne zum Beispiel verzichtet dezidiert auf Prominente in der Werbung und fördert lediglich den Oldtimerwettbewerb Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See. Warum diese Enthaltsamkeit beim Promi-Einsatz? Maria Kristina Habring, Mitinhaberin der kleinen österreichischen Manufaktur Habring, bringt es wahrscheinlich am besten auf den Punkt: „Das ehrliche Lächeln eines zufriedenen Kunden ist wichtiger als das gekaufte Grinsen von George Clooney.“

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