Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

„Wichtig war, nie abzuheben“ 

„Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ – unter diesem Titel ist eine Biografie über Professor Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG, erschienen. DUB UNTERNEHMER sprach mit ihm über sein Leben und den Weg zum Erfolg.   

Knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz, 185 Millionen Euro Gewinn, 37.000 Mitarbeiter, sechs Millionen Kunden und in der vom „Manager Magazin“ erstellten Liste der reichsten Deutschen mit geschätzten 2,85 Milliarden Euro auf Platz 31 – Professor Dr. Reinfried Pohl, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG), gehört zu den erfolgreichsten Unternehmern des Landes. Der 85-Jährige gewährt selten Interviews. Für DUB UNTERNEHMER machte er eine Ausnahme.  

DUB UNTERNEHMER: Als Unternehmer sind Sie 1975 im Alter von 47 Jahren vergleichsweise spät gestartet. Wie hat sich Ihre Vision, den Markt für Vorsorge und Vermögensbildung durch das sogenannte Allfinanz-Konzept und das Berufsbild des Vermögensberaters zu verändern, entwickelt?  

Reinfried Pohl: Schon Ende der Sechzigerjahre wollte ich Schluss machen mit der früher gängigen Praxis, dass Privatleute bei einem Sachversicherer eine Haftpflichtversicherung abschließen, bei einem Lebensversicherer eine Lebensversicherung und bei einer Bank einen Ratensparvertrag. Ich wollte ihnen ersparen, mit mehreren Vertretern zu tun zu haben und in der Bank von Schalter zu Schalter laufen zu müssen.  

Freiwillig sind Sie aber nicht zum Unternehmer geworden? 

Pohl: Ich war Vorstand bei der Bonnfinanz – ging neue Wege und erhielt die Kündigung. Mit 47 Jahren erlebte ich beruflich die dunkelsten Stunden: zu jung und zu „arm“, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Ich war der Versorger einer vierköpfigen Familie, und die Hypothek auf das elf Jahre zuvor gekaufte Marburger Haus drückte.  

Was passierte dann?

Pohl: Meine Frau Anneliese packte mich am Portepee: „Du hast eine Verantwortung für dein Team“, das praktisch auch auf der Straße stand. „Du kannst sie nicht im Stich lassen.“ Ohne meine Frau gäbe es die Deutsche Vermögensberatung nicht.  

Mithilfe des Aachen Münchener Konzerns gründeten Sie dann eine eigene Vermögensberatungsgesellschaft, finanziert mit einem Darlehen. Eine gute Basis für den Start?  

Pohl: Nicht wirklich – tatsächlich bekam ich einen Knebelvertrag, der alle wesentlichen Risiken wie etwa Berater- und Provisionshaftung auf mich verlagerte. Ich musste für alles geradestehen und die Anwerbung, Ausbildung und Führung der Mitarbeiter organisieren.  

Ein steiniger Weg, von dem viele Jungunternehmer ein Lied singen können.  

Pohl: Ich bekam es faustdick – auch von der Konkurrenz. Mein alter Arbeitgeber Deutscher Herold überzog mich mit einer Flut von Prozessen, um mich zu behindern. Zudem gab es Feuer vom Bundesverband der Versicherungsvertreter, um mein neu geschaffenes Berufsbild des Vermögensberaters zu diskreditieren. Der Jungunternehmer Pohl hatte es nicht leicht. Ich musste immer kämpfen – Tag und Nacht.  

Dennoch: Schon ein Jahr nach der Gründung arbeiteten rund 800 Vermögensberater für Sie. 

Pohl: Meine Vision durchbrach alle Widerstände. Fünf Jahre nach der Gründung hatten wir mehr als 100.000 Kunden, die Vertragssumme der 1980 getätigten Abschlüsse belief sich auf stolze 1,8 Milliarden Mark. Meine Leute waren begeistert von der neuen Allfinanz-Idee.  

Der Kampf gegen die übermächtigen Banken muss Sie doch zermürbt haben? 

Pohl: Im Gegenteil. Das Gefühl, gegen den Rest der Welt kämpfen zu müssen, wirkte wie Kitt zwischen den Vermögensberatern. Keine Frage: Um zu gewinnen, mussten wir mehr leisten, mehr tun, einfach besser sein. Unser Vorteil dabei: Abends waren die Banken zu.  

Im Jahr 2001 waren Sie etabliert – Ihnen gelang ein besonderer Coup ...

Pohl: Damals startete die Kooperation mit der Deutschen Bank, die unter einem schwächelnden Privatkundengeschäft litt. Im Vergleich zu Sparkassen und Volksbanken war die Deutsche Bank mit einem Marktanteil von fünf Prozent eher eine Randgröße. Man brauchte einen „Außendienst“. So wurde die DVAG der „mobile Vertrieb der Deutschen Bank“. Die als „Drücker“ und „Klopper“ geschmähten Vermögensberater wurden zu Kollegen der Angestellten der Deutschen Bank. Das hat unser Image mehrere Hierarchiestufen nach oben befördert.  

Sie gelten als ein Meister der Motivation. Welches sind weitere Erfolgsfaktoren? 

Pohl: Wichtig für den Erfolg waren unsere Leitbilder in der DVAG-Familie, wie ich unsere Berufsgemeinschaft bisweilen bezeichne. Leitsätze unserer Philosophie lauten beispielsweise: „Erfolg hat man gemeinsam oder gar nicht“ und „Wir bieten mehr als Provisionen“. Was einfach klingt, muss natürlich auch gelebt werden, durch Programme, Strukturen und Anreizsysteme. Wichtig war auch, nie abzuheben wie die Investmentbanker, die uns in die Finanzkrise manövriert haben. Meine Strategie, nur solide Produkte mit geringen Margen anstatt hochspekulative zu vertreiben, habe ich so übersetzt: „Lieber ein Leben lang nur Schnitzel, Kartoffelsalat und Bier als wenige Monate Kaviar, Hummer und Champagner – und dann lebenslänglich nur noch trocken Brot und Leitungswasser.“ 

 

 

Das interessiert andere Leser

  • lnterim Management – flexible Lösung beim Generationswechsel

    Nicht selten kommt es vor, dass in einem Familienunternehmen die Stabübergabe vorgezogen werden muss. Der potenzielle Nachfolger ist dann aber womöglich noch nicht übernahmebereit.

  • Spektakuläres Afrika

    Beeindruckende Landschaften, unendliche Weite und einzigartige Tierwelt – die Wiege der Menschheit ist ein magischer Ort.

  • Freundliche Übernahme

    Der Feinkosthandel „Il Nuraghe“ steht seit Jahrzehnten für höchste Qualität. Um ihr Lebenswerk zu sichern, entschieden sich die jeweils kinderlosen Gründer Richard Retsch und Gesuino Atzeni für eine externe ...

  • Viele Wege, ein Ziel

    Unternehmen verändern ihr Verständnis von Mobilität. Das starre Dienstwagen-Denken weicht flexiblen Reisekonzepten.

  • Durchstarten am Strand

    Digitale Nomaden arbeiten über das Internet und erkunden gleichzeitig die Welt. Der Badeort Jomtien in Thailand entwickelt sich zu einer ihrer Pilgerstätten.

  • Einmal von München nach Berlin

    Start-up-Firmen mit Internet-Ideen zieht es in die Hauptstadt. Das Kapital aber sitzt noch in Bayern.

  • How to start a startup

    Die Startup-Vorlesungsreihe aus der Stanford University geht weiter mit unserem "Export" Peter Thiel und Alex Schultz, VP of Growth bei Facebook.

  • König Mitarbeiter

    Wer heute die besten Nachwuchskräfte haben will, muss flexible Arbeitszeiten bieten - das ist die Überzeugung von Projektron, einem mittelständischen Softwareentwickler in Berlin.

  • Auf neuen Wegen ans Personal

    Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Unternehmen. Die Personalmanager müssen umdenken und bei der Mitarbeitersuche Kreativität beweisen.

  • Nicht ohne meine Tochter

    Im deutschen Mittelstand übernimmt die nächste Generation - selbst im konservativen Maschinenbau sind das immer öfter die Töchter. Und die setzen häufig auf Teamarbeit an der Spitze.

  • „Urlaub ist überflüssig“

    Martin Kind spricht Klartext. Beim DUB UNTERNEHMER-Dinner nahm der Hörgeräte-Magnat und Hannover-96-Boss zu den Themen Erfolg, Nachfolge und Fußball kein Blatt vor den Mund.

  • Schwarmfinanzierung wird erwachsen

    Bislang galt Crowdfunding als Finanzierungsalternative für Start-ups, witzige Ideen und Projekte mit Sozialtouch. Doch jetzt entwickelt sich diese noch junge Form der Kapitalbeschaffung.

  • Abenteurer der Steppe

    Wind im Gesicht, atemberaubende Landschaft vor Augen, von Gegenverkehr keine Spur – in den Weiten der mongolischen Steppe können Biker Gas geben und das Land erfahren.

  • Bescheiden zum Erfolg

    Gästehaus statt Palast: Papst Franziskus wohnt bescheiden und führt die katholische Kirche ganz ohne Pomp. Dabei handelt er nach dem Muster jesuitischer Ordensregeln. Was Unternehmer aller Konfessionen von ...

  • Alle Potenziale nutzen

    Die Ideen der Mitarbeiter sollen dazu beitragen, Kosten zu senken. Dafür braucht man ein funktionierendes System – und Führungskräfte, die ineffizientes Arbeiten sehen und verändern.

  • Auf die Marke kommt es an

    Noch immer zögern viele Mittelständler, ihre erfolgreichen Geschäftsmodelle konsequent zu vermarkten. Dabei lohnt sich die Investition in die Markenführung.

  • Mission Schaltzentrale

    In Oliver Franke reifte schon sehr früh der Wunsch, Unternehmer zu sein. Der Weg zu seiner heutigen Tätigkeit als Chef des vom Vater mitbegründeten technischen Industriedienstleisters Franke + Pahl war ...

  • Wettlauf gegen die Zeit

    Ob Berater, Ingenieur oder Manager: Vor manchen Geschäftsreisen ins Ausland sind ärztliche Untersuchungen Pflicht - doch nicht alle Firmen wissen davon.

  • Das Ende der großen Vorsicht

    Seit der Krise horten Firmen Eigenkapital. Nun stehen bei Mittelständlern wieder Investitionen auf dem Plan. Siewollen mutig sein.

  • Attraktives Geschäftsfeld für Freiberufler

    Onlineplattformen helfen bei der Suche nach Cloud-Experten.

  • Sind Sie sicher?

    Nahezu alle Betriebe werden mittels elektronischer Datenverarbeitung verwaltet, teils mit Tausenden Kundendaten täglich. Doch wiesteht es um den Schutz der Informationen und die Sicherheit der Abläufe? Zehn ...

  • Erfolg ist Verhandlungssache

    Zehnmal täglich verhandeln Führungskräfte im Schnitt. Wie gut sie sich in den Gesprächen durchsetzen, wird auch durch ihre Taktik bestimmt. Der Erfolg beginnt schon mit der Vorbereitung.

  • Geld auf breiter Basis

    Crowdfinanzierungen machen als alternative Kapitalquelle von sich reden. Der Markt ist zwar klein, doch mehr als eine Schwärmerei.

  • Kühler Kopf beim Turnaround

    Wenn die Kosten steigen, der Absatz stockt und der Umsatz sinkt, darf das Management keine Zeit verlieren. Wie mittelständische Unternehmen Restrukturierungen am besten angehen.

  • Auf der sicheren Seite

    Die 17 deutschen Bürgschaftsbanken sind private Förderinstitute, die mittelständischen Unternehmen den Weg zu mehr Kapital ebnen.

  • Erfolg beginnt im Kopf

    Was verbindet Mark Zuckerberg und Wickie den Wikinger? Ihr Erfolg beginnt im Kopf. Der eine erdachte Facebook, der andere hilft seinen Freunden mit klugen Einfällen. Die Idee ist die Basis für erfolgreiches ...

  • Großprojekte im Fokus

    Projektinvestitionen sind oft Meilensteine bei der Erreichung strategischer Ziele. Häufig gehen damit hohe Risiken einher, die besonderer Aufmerksamkeit von Management und Aufsichtsrat bedürfen.

  • Vorbildliche Führung

    Ottmar Hitzfeld erklärt auf dem zweiten DUB UNTERNEHMER-Dinner, wie er Teams erfolgreich führt und wie er lernen musste, Druck zu managen.

  • Halterhaftung für den Fuhrpark

    Halterhaftung für den Fuhrpark birgt für den Verantwortlichen ein erhebliches Haftungsrisiko, das sich besonders offenbart, wenn es um die Haftungsverteilung nach einem Verkehrsunfall geht.

  • Das Geheimnis der Gewinnmaschinen

    Anlegern gelingt es nur sehr schwer - viele Unternehmen, auch deutsche, schaffen es aber Jahr für Jahr. Sie streichen Renditen von 25 und mehr Prozent ein.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick