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Weniger Fett rettet Leben

Ein hoher Cholesterinwert steht für die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber was steckt wirklich dahinter, wann ist Cholesterin gut und wann schlecht? Die Marburger Fachärztin Dr. Bilgen Kurt erklärt im Interview, wo die echten Gefahren lauern.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind und bleiben die häufigsten Todesursachen in Industrienationen. WHO-Prognosen zufolge wird sich dies auch bis zum Jahr 2020 nicht ändern. Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen ist ein erhöhter Cholesterinspiegel.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Was ist der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Cholesterin?

Dr. Bilgen Kurt: Cholesterin ist eine steroidähnliche Substanz, die unter anderem essenziell für den Aufbau der Zellmembranen ist. Da Cholesterinnester im Wasser unlöslich sind, erfolgt der Transport im Blutplasma mithilfe von Bläschen, den Lipoproteinen. Diese werden nach ihrer Dichte unterteilt. Die „schlechte“ Form von Cholesterin weist eine niedrigere Dichte auf, wird daher Low-Density-Lipoprotein, kurz LDL, genannt.

LDL befördert das lebenswichtige Cholesterin von der Leber in die verschiedenen Gewebe. Ist das LDL-Cholesterin erhöht, wird es vermehrt aufgenommen und kann sich in den Arterienwänden ablagern. Es fördert
dann maßgeblich das Entstehen einer Gefäßverkalkung. Das „gute“ Cholesterin ist das High-Density-Cholesterin, HD L genannt. Die HD L-Partikel transportieren überschüssiges Cholesterin aus den Körperzellen zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Hohe HD L-Cholesterinwerte schützen vor einer Gefäßverkalkung.

Was sind die Ursachen für einen erhöhten Cholesterinspiegel, und welche Folgen hat er?

Kurt: Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Unter anderem falsche Ernährung mit zu hohem Fettverzehr. Als weitere Ursachen gelten Übergewicht, Bewegungsmangel oder eine Unterfunktion der Schilddrüse. Wenn der LDL-Cholesterinspiegel dauerhaft erhöht ist, können schwerwiegende
Erkrankungen die Folge sein. Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel steigert das Risiko einer Arterienverkalkung, die unter anderem zu Herzinfarkt, Hirnschlag oder Beinarterienverschluss führen kann.

Gibt es Faktoren, die sich zusätzlich negativ auswirken?

Kurt: Rauchen steigert die schädliche Wirkung des schlechten Cholesterins. Ein Rauch-Stopp ist daher mit Abstand die wichtigste Präventivmaßnahme. Ebenso kann Stress die Cholesterinspiegel im Blut erhöhen und damit das Risiko einer Herzerkrankung verstärken.

Worauf sollte man bei der Ernährung achten?

Kurt: Konsequente Veränderungen der Ess- und Lebensgewohnheiten können die Konzentration des schlechten LDL-Cholesterins deutlich senken. Das kann man in den Griff bekommen, ohne dass die Lebensqualität darunter leiden muss. Eine mediterran geprägte Ernährung mit ungesättigten Fettsäuren wie zum Beispiel Olivenöl ist sinnvoll, über diese wird vermehrt gutes HD L-Cholesterin produziert.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist körperliche Aktivität, so kann schon ein täglicher halbstündiger Spaziergang das HD L um zehn Prozent steigern.

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