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Hamburg, 14.02.2017

Schöne Pirsch

Die Jagd galt lange Zeit als elitäres und teures Hobby für meist ältere Männer. Doch inzwischen gehen immer mehr Frauen auf die Pirsch. Sie schätzen den sportlichen Ausgleich in der Natur und das selbst erlegte gesunde Wildbret.

Frau mit Hund auf der Pirsch: Manch Frauchen geht dem Haustier zuliebe zur Jagd

Männer jagen, Frauen sammeln – so wurde jahrhundertelang die Rollenverteilung in der Steinzeit interpretiert. Sowohl seriöse Wissenschaftler als auch pseudowissenschaftliche Bestsellerautoren ordneten das Erlegen von Wild wie die Eroberung eines Parkplatzes männlichem Tatendrang zu. Falsch!, rufen heute Archäologen und Paläantologen empört. Grabbeigaben, Skelette und Abbildungen in Höhlen beweisen, dass schon in der Steinzeit auch Jägerinnen durch Wälder und Savannen streiften. Mit Sesshaftigkeit und Zivilisation war der selbst erlegte Braten bald für die meisten Menschen, ob Mann oder Frau, Vergangenheit. Die Jagd wurde weitgehend zum Privileg des männlichen und auch des weiblichen Adels. Königin Elisabeth I. von England war ebenso begeisterte Jägerin wie Kaiserin Sisi von Österreich, die sich regelmäßig in den Damensattel schwang und in England zur „Königin der Jagd“ gewählt wurde.

Inzwischen ist die Jagd längst ein Hobby auch für bürgerliche Sportsfreunde und -freundinnen. Das größte Hindernis vor dem Halali besteht nicht mehr im Mangel an entsprechendem Stand und Vermögen, sondern in der Jägerprüfung. Diese wird das „Grüne Abitur“ genannt und hat es in sich. „Ich habe in meinem Leben viel gelernt, aber das war wirklich heftig“, sagt Sabine Glasa, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin in Hamburg. Sie hat gemeinsam mit ihrem Bruder einen Wald geerbt. „Aufgabe des Waldeigentümers ist unter anderem die Pflege des Wildbestandes“, erläutert sie. „Wer dafür nicht sorgt, bekommt einen Berufsjäger zugeteilt, der die Abschussquoten erfüllt, und muss ihn auch bezahlen.“ Glasa entschied, sich selbst um ihr grünes Erbe zu kümmern. „Ich habe gemeinsam mit meiner Tochter einen Crashkurs gemacht. Wir wollten abends nach dem Unterricht Golf spielen, aber das war nicht drin. Stattdessen mussten wir ganze Packen mit Unterlagen durcharbeiten.“

Die Anstrengung hat sich gelohnt. Beide haben die Prüfung bestanden, obwohl einige männliche Prüfer weibliche Prüflinge noch immer nicht gern sehen und diese das deutlich spüren lassen. Die Jagd ist nach wie vor eine Männerdomäne. Erst zirka zehn Prozent der deutschen Jäger sind Frauen. Allerdings liegt ihr Anteil in den Vorbereitungskursen zur Jägerprüfung durchschnittlich schon bei 20 Prozent, Tendenz stark steigend, wie die Ergebnisse regelmäßiger Umfragen des Deutschen Jagdverbands (DJV) belegen.

Erfolgreicher Einstieg in Jägerberuf

Auch unter den Berufsjägern finden sich inzwischen einige Frauen. „Für den Beruf muss man geboren sein, muss Spaß an dieser Arbeit haben und vielseitig interessiert sein. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun“, sagt Anja Blank. Sie bestand im Sommer 2016 die Prüfung zur Revierjagdmeisterin. Im Gegensatz zu manchen Hobbyjägerinnen hat sie in dem männlich dominierten Umfeld keine Probleme. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich jemandem etwas beweisen muss“, schildert sie ihre Eindrücke. Allerdings waren ihre männlichen Kollegen bei der Meisterprüfung doch überrascht, dass ausgerechnet Blank als einziger Prüfling das Fach „Bauen von jagdlichen Einrichtungen“ mit einer glatten Eins abschloss. Das Hantieren mit Axt und Motorsäge sei ja eigentlich eine typische Männerdomäne, meint Blank, die schon als Kind ihren Vater zur Jagd begleitete und ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Hobbyjägerinnen nennen verschiedene Motive für den Jagdsport. Häufig melden sie sich ihrem Hund zuliebe für die Jägerprüfung an.

Auslauf für Hund und gesundes Fleisch

Bevor Wuffi sich langweilt, weiter Kissen und Schuhe zerlegt, soll er sich besser in freier Natur austoben und das Vorstehen und Apportieren lernen. Auch das Erleben der Natur und nicht zuletzt die Ernährung geben Jägerinnen gern als Begründung für ihren Sport an. Wildbret gilt als ökologisch unbedenkliches Fleisch und idealer Eiweißlieferant.

Manche Menschen bringt eine Kombination aus Passion und Zufall zur Jägerei. Ein Beispiel ist Heike Maria von Joest. „Ich hatte immer den Wunsch, auf einem Bauernhof zu leben“, sagt die ehemalige Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Dann heiratete sie den Finanzfachmann August von Joest, dessen Familie in Lothringen Wald besitzt. „Es war, als hätte ich darauf gewartet“, sagt die begeisterte Naturliebhaberin. Sie beschloss, den Jagdschein zu machen – auch auf Französisch, „obwohl ich mit meinem Schulfranzösisch viele der Vokabeln zunächst gar nicht verstanden habe“ (siehe auch Interview rechte Seite). Für von Joest bedeuten Wald und Jagd vor allem die Verpflichtung zu Hege und Pflege; andere Jagdfreunde schätzen mehr die Gesellschaftsjagden. Sie sind begehrte Events und lassen auch jene Jagdenthusiasten auf ihre Kosten kommen, die nicht auf eigenen oder gepachteten Latifundien auf die Pirsch gehen können. Wer die richtigen Leute kennt, kann auf Gesellschaftsjagden prominente Unternehmerinnen und Celebrities aus Adel und Showbiz treffen wie etwa Christiane Underberg, Geschäftsführerin des gleichnamigen Spirituosenherstellers, Mode-Ikone Claudia Schiffer und Pop-Queen Madonna. Letztere hat allerdings ihrer Jagdleidenschaft wieder abgeschworen – nach Medienberichten, weil sie einen Fasan nicht richtig erwischte und dessen blutigem Leiden bis zum bitteren Ende zusehen musste.

Wichtig ist die passende Waffe

Ein schwerer Fauxpas. „Absolutes Ziel ist die waidgerechte Jagd“, betont Burkhard Bonarius, Marketingchef des Waffenherstellers Sauer. „Das heißt, das Wild muss mit einem gezielten Schuss getötet werden. Das funktioniert nur, wenn die Waffe gut zur Physiognomie des Jägers beziehungsweise der Jägerin passt und keine Gefahr besteht, dass der Schuss verzieht.“ Daher hat Sauer frühzeitig auf die steigende Nachfrage nach zierlicheren Waffen für Frauen reagiert. „Wir produzieren die Sauer Artemis seit zweieinhalb Jahren, und das Damenmodell der Sauer 101 war 2015 unser am besten verkauftes Modell“, berichtet Waffenexperte Bonarius. Wichtig sind unter anderem ein spezieller Schaft und ein steilerer Pistolengriff, damit der Abzug gut erreichbar ist. Die Sauer-Kundinnen kommen aus völlig unterschiedlichen Bereichen, „von der naturliebenden Hausfrau bis zur Bankiersgattin“, beschreibt Bonarius die Bandbreite. Eines haben die Jüngerinnen der antiken Jagdgöttin Diana allerdings gemeinsam: Sie wollen, dass ihre Waffe gut aussieht. „Wir arbeiten auch mit Illusion“, gibt Bonarius zu. Manche Sauer Gewehre erhalten eine Maserung, die nicht vom Holz, sondern vom Laser stammt.

Die Gewehre des englischen Familienunternehmens Longthorne Guns sind ebenfalls „ideal für Damen, denn sie sind sehr leicht und verursachen keinen gefühlten Rückstoß und kein Hochschlagen beim Schuss“, verspricht Elaine Stewart, Marketingdirektorin und Gattin des Firmengründers James Longthorne Stewart. Tochter Chloe entwirft die aufwendigen Gravuren, die Winnetous Silberbüchse weit in den Schatten stellen. Zudem können Kunden Merkmale wie Schaftmaße, Lauflänge und Schaftform selbst bestimmen und vor Ort in der Manufaktur in Northampton individuell anpassen lassen. Die Hightech-Luxusgewehre haben ihren Preis: Zwischen 10.000 und 20.000 Pfund müssen Enthusiasten für sie berappen. Eine Treffgarantie gibt es aber auch dafür nicht.

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