Luxus? Aber natürlich!

Komfort-Camping führt längst kein Nischendasein mehr. Auch Nicht-Camper kommen auf den Geschmack. Das liegt nicht zuletzt an den weltweit entstehenden Glamping-Angeboten, die Natur, Abenteuer und Fünf-Sterne-Niveau miteinander kombinieren.

Das großzügige Rundbett hat eine traumhaft weiche Matratze, die eleganten Sitzmöbel in gedeckten Creme- und Brauntönen könnten bequemer kaum sein. Und wenige Schritte entfernt liegt der private Pool, an dem man tagsüber entspannen und nachts den Sternenhimmel über Bali beobachten kann. Nur die fehlenden Steinwände zerstören die nahezu perfekte Illusion, man befände sich in einer exklusiven Hotelsuite. Wände gibt es wohl, doch sind diese nur aus Zeltbahnen. Geräuschdurchlässige Stoffe, mit denen die Natur auch im Inneren des Raumes präsent ist. Eine luxuriöse Ausstattung, wenn man bedenkt, dass es sich um eine von Reisfeldern umgebene Zelt- Unterkunft inmitten des balinesischen Dschungels handelt. Mit typischen Camping-Assoziationen wie nassen Schlafsäcken, stickiger Luft und über dem Gaskocher zubereitetem Essen hat das Outdoor-Erlebnis im Luxus-Resort Sandat Glamping unweit der Kleinstadt Ubud jedoch nicht mehr viel gemein.

Originelle Naturerfahrung

Glamping nennt man diese moderne Form des Urlaubs in der Natur. Die Wortschöpfung, zusammengesetzt aus den Begriffen Glamour und Camping, steht für „Camping, das mehr Komfort mit dem Aufenthalt im Freien verbindet, als es normalerweise in einem Zelt oder Wohnmobil möglich ist“, sagt Viktoria Groß vom Deutschen Camping-Club (DCC). Unter das Label fallen jegliche Formen von Caravaning- und Zelturlaub für anspruchsvolle Urlauber, die selbst beim Outdoor-Trip nicht auf einen gehobenen Hotelstandard verzichten möchten. Klimaanlage, Internetzugang, eigenes Bad, Wellness-Bereich oder gar ein Butler auf Stand-by – die Ausstattungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Glamping-Unterkünfte selbst. Der wenig trennscharfe Begriff umfasst luxuriöse Baumhäuser, Beduinenzelte, Tipis, mongolische Jurten und Designerhütten ebenso wie geräumige Mobile Homes, Vintage-Caravans und Safari-Lodges. Oftmals spielt Nachhaltigkeit dabei eine wichtige Rolle. Den „grünen“ Reiseaspekt sieht Wolfgang Pfrommer, Geschäftsführer des Vereins Ecocamping, unter anderem in der Gestaltung der Unterkünfte: „Sie sind zumeist aus Naturmaterialien wie Holz und Baumwollstoff. Außerdem sind die Außenanlagen der Areale oft ortstypisch bepflanzt und gestaltet.“

Hohe Ansprüche, hoher Komfort

Den Glamping-Trend gab es schon lange, bevor er so genannt wurde – und auch lange, bevor er in den vergangenen Jahren über die USA und die campingbegeisterten Niederlande auch in der deutschen Tourismusbranche Einzug hielt. „Wir gehen davon aus, dass Glamping dort seinen Ursprung hat, wo Reisende schon immer im Freien untergebracht wurden – und das mit einem gewissen Komfort“, so Groß. „Etwa auf Safaris in Afrika, Raftingtouren in den USA oder Reisen ins australische Outback.“

Laut dem Institut für nachhaltigen Tourismus der Hochschule Harz zählen zur Zielgruppe für luxuriöses Camping vor allem Best Ager, mittelständisch geprägte Familien und Vertreter der sogenannte LOHAS (englisch für: Lifestyles of Health and Sustainability). Letztere sind Personen, die einen gesundheitsbewussten und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Lebensstil pflegen. Sie schätzen hohe Ausstattungsstandards ebenso wie umweltverträgliche Reiseformen. Pfrommer fasst die Motive der typischen Glamper wie folgt zusammen: „Naturluxus, ein gutes Gewissen, Komfort – und all das mit einer individuellen Note und im Einklang mit der Natur.“

DCC-Expertin Groß sieht in den Glamping- Urlaubern vor allem „Menschen, die sich gern etwas leisten möchten“. Schließlich sei Glamping kein günstiges Vergnügen. Hohe Standards kosten – auch auf dem Campingplatz. „Doch in Zeiten, in denen die Urlaube tendenziell kürzer werden und dafür häufiger stattfinden, werden außergewöhnliche Desti-nationen, an denen man weit entfernt vom eigenen Alltag ist, immer interessanter“, erklärt Groß. Dass Glamper die naturnahe Erfahrung in ungewöhnlicher Umgebung suchen, hat den Campingtourismus beflügelt und dazu beigetragen, das Image zu entstauben, es handele sich vor allem um eine Urlaubsform für den kleinen Geldbeutel. Einzigartige und unterschiedlich kostspielige Angebote und Reiseziele gibt es mittlerweile zahllose – weltweit und für nahezu jeden Glamping- Geschmack.

Luxus-Camping rund um den Globus

Safari-Lodges in Afrika gelten als Destinationen, die den Glamping-Trend maßgeblich geprägt, wenn nicht gar mitausgelöst haben. Ein untrügliches Zeichen, dass es sich um einen äußerst erfolgversprechenden touristischen Zweig handelt: Auch der britische Ausnahme-Unternehmer und Milliardär Richard Branson, zu dessen Imperium die Virgin-Gruppe zählt, betätigt sich als Glamping-Anbieter. Mahali Mzuri heißt sein High-End-Safari-Camp in Kenia, dass er am Rande des Naturschutzgebiets Masai Mara errichtet hat. Zwölf Wohnzelte bieten höchste Standards. Himmelbetten, edle Badezimmer, private Terrassen, von denen aus die Gäste die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt der Serengeti-Savanne beobachten können. Eine Adresse für solvente Abenteurer, die auf die Extraportion Exklusivität nicht verzichten möchten.

Wer allerdings dem Urlaub im Zelt, und sei es noch so edel ausgestattet, nichts abgewinnen kann, findet sein Glück womöglich im Santa Barbara Autocamp zwischen dem Pazifischen Ozean und den Santa-Ynez- Bergen. Glamper können unter der kalifornischen Sonne in fünf handgefertigten Vintage-Großraumwohnwagen der US-amerikanischen Kultmarke Airstream urlauben. Je nach Modell sogar mit frei stehender Badewanne und eigenem Barbecue-Bereich inklusive Elektrogrill. Die Fahrräder, mit denen es sich am nahe gelegenen Strand cruisen lässt, sind im Übernachtungspreis sogar inbegriffen.

Glamping-Trend auch in Europa

Glamping-Angebote finden sich natürlich nicht nur in Asien, Afrika oder den USA. Auch in Europa wächst die Zahl der Unterkünfte. Viele liegen naturgemäß in wärmeren Regionen wie etwa Südfrankreich, Spanien, Portugal oder Italien. Doch selbst der deutsche Markt entdeckt die Glamper als frische Zielgruppe – von der Nordseeküste bis zum Bodensee. „Die Angebote werden quantitativ und qualitativ in den kommenden Jahren deutlich zunehmen“, prognostiziert Pfrommer. Mittelfristig würden die Glamping-Anbieter mit einer Nachfrage von 30 Prozent der bisherigen Camping- Gäste rechnen. Hinzu kämen neue anspruchsvolle Zielgruppen. „Es werden sich diejenigen Anbieter durchsetzen, die den Nachhaltigkeitsansprüchen ihrer Gäste am ehesten Rechnung tragen.“

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