Können Unternehmer ein Privatleben haben?

Führungskräftetrainer und Effizienzexperten engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch vielbeschäftigte Unternehmer finden dieses Ziel oft unrealistisch. Lassen sich Firma und Liebesleben überhaupt vereinbaren?

Nach etwa zehn Jahren Beziehung mit ihrem Mann Brad Feld hatte Amy Batchelor genug. Sie war genervt von seinen 18-Stunden-Arbeitstagen, und selbst wenn sie zusammen waren, war er oft durch Telefonate und noch mehr Arbeit abgelenkt. „Du bist nicht mal mehr ein guter Mitbewohner“, sagte sie zu Feld, der in Software- und Internetfirmen investiert, während eines Wochenendtrips nach Rhode Island im Jahr 2000. „Nach zehn gemeinsamen Jahren liebten wir uns immer noch sehr“, sagte Feld neulich in einem Interview. „Es kam nicht zu dieser typischen finalen Wutexplosion; vielmehr waren wir erschöpft und unzufrieden.“ Feld wollte die Beziehung retten und schlug vor, ein paar Beziehungsregeln aufzustellen, um den Vorstellungen seiner Frau besser gerecht zu werden. Batchelor war von der Idee zunächst nicht begeistert. Wie romantisch ist es schon, wenn sich ein Mann mit Gedächtnisstützen daran erinnern muss, seiner Frau Liebeszettel zu schreiben?! Aber die Tatsache, dass er seine Ehe retten und seine Frau in den Mittelpunkt rücken wollte? „Am Ende erwies sich das als unglaublich romantisch“, gibt Feld zu. Feld und Batchelor haben vor Kurzem ein Buch geschrieben: „Startup Life: Surviving and Thriving in a Relationship with an Entrepreneur“. Es dokumentiert ihre Beziehung und wie sie es schaffen, diese zu stärken, obwohl Ex-Unternehmer Feld nun auch als Risikokapitalgeber immer noch wahnsinnig viel arbeitet.

CEOs und vor allem Existenzgründern fehlt oft der Ausgleich. In Wirtschaftsmagazinen liest man Geschichten von dem unglaublichen Engagement, das man braucht, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Carter Reum, der mit seinem Bruder Courtney den Spirituosenhersteller VeeV gründete, brach jüngst seinen Familienurlaub in Botswana ab, um nach 45 Flugstunden an einem Last-Minute-Meeting mit der Einzelhandelskette Target teilzunehmen, in der Hoffnung, dass sie seine Alkoholmarke in ihr Sortiment aufnimmt. Obwohl er im Urlaub – in einem Gästehaus im Busch ohne Internetzugang – hätte abschalten und sich entspannen sollen, hatte er den Termin in Erfahrung gebracht. „Ich erklärte den Betreibern des Gästehauses immer wieder, dass ich mich mit Internet wohler fühle, weil ich es hasse, den Überblick über meine Arbeit zu verlieren“, sagte er in einem Interview. „Mein Bruder und ich gingen jeden Mittag ans andere Flussufer, damit unsere Smartphones das namibische Handynetz empfangen konnten.“ 

Existenzgründer ohne Ausgleich

Für Feld ist es unrealistisch zu erwarten, dass Existenzgründer wie Reum eine traditionelle Work-Life-Balance erreichen. Eine Firma aufzubauen und zu führen bedeutet, dass das Leben im Fluss ist – und das passt nicht in einen Acht-Stunden-Arbeitstag. „Es wird keinen völligen Ausgleich geben, denn für den Existenzgründer sind Leben und Arbeit eng verwoben“, so Feld. „Doch in einer Beziehung muss man in ruhigen und in stressigen Zeiten kommunizieren. Wir haben den Titel unseres Buches bewusst gewählt. Es geht darum, dass man in einer Beziehung mit einem Existenzgründer überleben und glücklich sein kann, aber das heißt nicht, dass man diesen natürlichen Ausgleich erreicht.“ Meg Cadoux Hirshberg geht noch weiter: Sie glaubt, dass Existenzgründer zum Scheitern verurteilt sind, wenn sie diesen Ausgleich anstreben. Sie selbst ist mit dem CEO von Stonyfield Farm, Gary Hirshberg, verheiratet. Heute macht die Firma einen Jahresumsatz von 370 Millionen US-Dollar und ist der weltweit größte Hersteller von Bio-Joghurt. Doch anfangs war ihre finanzielle Situation „düster“. Stonyfield schaffte es erst nach neun Jahren aus den roten Zahlen. „Wir gründeten eine Familie, und ich konnte die schlechten Nachrichten nicht mehr ertragen“, sagt Meg Hirshberg. „Er musste diese Last allein tragen. Er konnte sie mit der Person, die ihm am nächsten stand, nicht besprechen. Ich konnte das Thema Finanzen nicht mehr hören. Das war das geringste Übel und funktionierte ein paar Jahre.“ 

Das geringste Übel

Meg Hirshberg schrieb vor Kurzem „For Better or for Work: A Survival Guide for Entrepreneurs and Their Families“. Das Buch vermittelt Ehepartnern und Kindern, was der CEO eines wachsenden Unternehmens durchmacht, erinnert die Geschäftsleute aber auch an die Probleme, die das für ihre Familie mit sich bringt. „Ehepartner und Kinder fühlen sich vernachlässigt. Das sorgt für viele Probleme und zerstört Familien“, sagt die Autorin. „Unternehmer gründen eine Firma im vollen Bewusstsein der finanziellen Risiken, aber sie unterschätzen das persönliche Risiko, was ihre Familie, Freunde und ihr Sozialleben betrifft.“ Es gibt Zeiten, da braucht eine Firma die volle Aufmerksamkeit des CEO – und laut Meg Hirshberg sollte er sich dann auch nicht schuldig fühlen. Problematisch wird es erst dann, wenn sich das Jahr für Jahr nicht ändert. Wie baut man also eine Beziehung – oder Familie – mit einem CEO auf, der wahrscheinlich nie um 18 Uhr am Abendbrottisch sitzen wird? Der erste Schritt ist, sich die Situation bewusst zu machen. Außerdem kommt es darauf an, die kurzen Momente zu nutzen. So geht Hirshberg jeden Tag mit ihrem Mann 15 Minuten spazieren. Und wenn sie Zeit miteinander verbringen, müssen sie dabei ganz präsent sein. Vielen Paaren helfen Regeln, einen Rahmen für ihre Beziehung zu schaffen. Hirshberg betont, dass die Ehepartner nicht immer im Mittelpunkt stehen müssen, solange sie wissen, wie wichtig sie sind, durch regelmäßige kleine Geschenke, Umarmungen und gemeinsame Momente. „Ungestörte Zeit mit dem Partner sendet die unausgesprochene Botschaft ‚Du bist mir wichtig‘“, sagt sie. „Und darauf kommt es an.“ Vielen hochrangigen Geschäftsmännern fällt es vielleicht schwer, das zu verstehen. Elon Musk, unter anderem Gründer von SpaceX und Mitbegründer von Tesla und PayPal, sagte der „Bloomberg Business Week“ neulich, er habe zwar das Gefühl, er finde genug Zeit für seine Firmen und seine fünf Kinder, wisse aber nach zwei Scheidungen nicht, wie viel Zeit er für das Dating aufwenden sollte. „Ich möchte eine Freundin finden“, sagte Musk. „Wie viel Zeit braucht eine Frau pro Woche? Zehn Stunden vielleicht?“  

 

 

Das interessiert andere Leser

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.

  • Roland Berger Interview
    Exklusiv: „Übernehmt Verantwortung“

    Audienz bei einer Eminenz. Warum Überzeugungen gerade für Unternehmer entscheidend sind und wie Menschlichkeit zum Erfolgsfaktor wird – Beraterlegende Roland Berger im Tacheles-Talk.

  • Homo Emoticus

    Niemand kauft einen Porsche nur, um Auto zu fahren. Niemand verkauft eine Firma nur, um Geld zu verdienen. Was die eigentlichen Motive für Käufe und Verkäufe sind.

  • Kurzer Prozess

    Thomas und Karin Schneider wussten genau, was für ein Unternehmen sie kaufen wollten. Ihnen ist eine Übernahme im Eiltempo gelungen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

  • Lernen vom Gründer-Guru

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates Israels. In den Neunzigern baute er gleich vier Unternehmen auf, seither folgten zwei weitere. Was Entrepreneure von ihm lernen können.

  • Der Countdown läuft

    Am 25. Mai ist es soweit – die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) tritt in Kraft. Was Unternehmen jetzt noch tun können, um die Regelungen umzusetzen.

  • Smart Energy und Elektromobilität
    Energiewende: Die Zukunft ist grün

    Energieversorgung von morgen: Vom smarten Zuhause über E-Mobilität bis hin zu innovativen und dezentralen Lösungen. Diese Unternehmen revolutionieren mit nachhaltigen Trends die Branche.

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Finanzierung von Innovationen

    Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen innovativ sein. Viele Investoren scheuen jedoch das damit verbundene Risiko. Deshalb ist Beteiligungskapital gefragt.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Risiken bei Kauf und Halten eines GmbH-Anteils

    Gesellschafter, die einen GmbH-Anteil kaufen oder halten, denken vielfach, dass bei voll einbezahlter Stammeinlage keine Haftungsgefahren drohen.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Den Kauf optimal bilanzieren

    Unternehmenstransaktionen werden immer komplizierter. Ihre Bilanzierung hat materielle Auswirkungen auf den Konzernabschluss des Erwerbers.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.